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Grabungstagebuch: Sie behält den Überblick

Beatrice Ruckstuhl

Beatrice Ruckstuhl leitet das Dokumentationszentrum der Grabung Parkhaus Opéra. Die Archäologin ist spezialisiert auf die Auswertungen von Steingeräten sowie in der Erwachsenenbildung tätig.

«Ich brauche die Profilaufnahmen von Feld 3!», ruft es energisch in den Büro-Container. Voilà – unter den schon nach wenigen Wochen zahlreichen Plänen, Zeichnungen und Scans werde ich schnell fündig – dank meiner Datenbank.

Ist Ihnen einmal aufgefallen, dass es in Krimis immer eine wichtige Nebenperson gibt? Es ist die zuverlässige, allwissende Basis im Hintergrund. Sie springt genau dann ein, wenn die Kommissare in einer Sackgasse stecken, und findet irgendwo in dem Berg von Spuren und Indizien ein Foto oder einen Kassenbeleg – irgendetwas, das sich dann als letztes fehlendes Puzzleteil herausstellt. Auf der Grabung Parkhaus Opéra ist das meine Rolle: Die Organisation der Dokumentation oder anders gesagt: Wissensmanagement.

Insgesamt arbeiten hier 14 Frauen und 26 Männer. Zwei Drittel davon sind mit dem Abtragen der Schichten beschäftigt – unsere Spurensicherung. Aber was, wenn später niemand mehr wüsste, was sie gefunden haben? Wir vom Dokumentationszentrum ordnen die Datenmengen so, dass sie als Grundlage für die wissenschaftlichen Auswertungen dienen können. Wir unterstützen damit die Strategiefindung des Grabungsfortgangs.

Mir fällt auf, dass die Stimmung sehr ähnlich ist wie vor 28 Jahren. Damals habe ich als Studentin hier beim Opernhaus auf der Grossgrabung Zürich-Mozartstrasse gearbeitet. Manche heutige Kollegen waren damals noch nicht mal geboren. Wieder einmal beeindruckt es mich, wie viele unterschiedliche Kompetenzen und Fähigkeiten hier zusammenkommen.

Zu Beginn waren knapp 20 Leute auf dem Platz. Jede Woche sind etwa fünf hinzugekommen, mit unterschiedlichem beruflichem Hintergrund und aus allen Landesteilen. Je mehr sich Erinnerung und Realität gleichen, desto mehr erscheint die Zeit relativ. Die scheinbar frischen 5000-jährigen Hölzer verstärken diesen Eindruck.

In diesem Augenblick kommt der Grabungsleiter hinein und sucht dringend den Pfahlplan Feld 2. «Kein Problem. Hättest du ihn gerne als Originalzeichnung, als PDF oder als CAD-Datei?»

(Tages-Anzeiger, 31. Mai 2010)

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