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Grabungstagebuch: Eine andere Sprache, eine andere Stadt

Aurélie Gottraux

Aurélie Gottraux hat in Genf prähistorische Archäologie studiert und arbeitet als Ausgräberin auf der Grabung Opéra.

Zürich ist zwar ein bisschen weit weg von zu Hause – und alles nur wegen einer archäologischen Ausgrabung. Aber Grabungsprojekte rennen nicht die Gassen auf und ab, schon gar nicht unsererseits des Röstigrabens: So eine Gelegenheit wie beim Opernhaus in Zürich gibt es bloss alle 30 Jahre. Und diejenigen, die mich über all die Jahre schnippisch gefragt haben, was ich denn nach dem Studium mal machen werde, kann ich stolz antworten: Die Archäologie bringt dich weit, in längst vergangene Zeiten, in den Schatten neolithischer Seeufersiedlungen – und von Genf nach Zürich. Aus dem Traum eines faszinierenden Studiums zu erwachen, nach den seltenen Funden nun auch die seltenen Stellen zu suchen, selbst in Zeitungen über die Sprachgrenze hinaus, das ist ein kontinuierlicher Prozess. Der Entscheid, dass ich da dabei sein will, ist blitzschnell getroffen: Ich werde neun Monate auf einer Rettungsgrabung arbeiten, eine andere Stadt, eine andere Sprache kennen lernen.

Martin Glaus

Martin Glaus hat auf der Pfahlbauersiedlung in Concise VD gearbeitet und ist jetzt Ausgräber auf der Grabung Opéra.

«Aha, ein Concise-Veteran», begrüsste mich der wissenschaftliche Leiter am ersten Arbeitstag in Zürich. Ich fühle mich hier pudelwohl unter anderen «Veteranen», zum Beispiel jenen der Grabung «Mozartstrasse», anlässlich der Erweiterungsbauten am Opernhaus vor bald 30 Jahren – und unter den Jüngsten aus allen Landesteilen, welche die grosse Chance packten, hier zu arbeiten. In den 15 Jahren meiner Tätigkeit in der Archäologie hat sich jedoch sehr viel verändert, nicht nur mein Arbeitsort. Messdaten werden jetzt auf der Ausgrabung mit modernsten Lasern ermittelt und durch Glasfasernetze übertragen. Und die Medien vermitteln unser Grabungstagebuch über die Kantonsgrenzen hinaus. Gar über die Landesgrenzen hinaus gehen die Bestrebungen, «zukünftige» Fundstellen unter Unesco-Weltkulturerbe zu stellen, von Frankreich bis nach Slowenien. Was würden wohl die Pfahlbausiedler, die vor rund 5000 Jahren an den Seen rund um die Alpen wohnten, dazu sagen?

(Tages-Anzeiger, 02. August 2010)

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