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Grabungstagebuch: Bei Wind und Wetter im Einsatz

Franziska Pfenninger

Franziska Pfenninger ist Studentin der Ur- und Frühgeschichte an der Universität Zürich.

«Hallo . . . Entschuldigung . . . dürfte ich fragen, was Sie da . . . ?» Und schon frass sich die zehn Meter hohe Bohrmaschine, welche die Löcher für die späteren Betonpfeiler bohrte, unter lautem Getöse wieder ein paar Meter tiefer in den Boden. Der ältere Herr wartete geduldig hinter der Absperrung, bis der Bohrkopf das Erdmaterial ans Tageslicht brachte und es etwas ruhiger wurde, wenigstens für kurze Zeit. Gerade so lang, um ihm erklären zu können, dass ich für die Unterwasserarchäologie arbeite und hier die Baubegleitung durchführte. Er nickte zögernd – hatte er verstanden?

Ich begann zu erklären, dass man den Aushub begutachtet, um zu prüfen und gegebenenfalls zu kartieren, wo es archäologische Schichten im Boden hat. Dann kann man entscheiden, ob eine Rettungsgrabung notwendig wird. Während ich noch redete, begann hinter mir bereits wieder der Bagger zu dröhnen. Eine Unterhaltung war unmöglich. Der Herr winkte ab. Nicht ahnend, was sich unter meinen Füssen alles verbirgt, habe ich Mitte September 2009 meine Arbeit auf der Baustelle vor dem Opernhaus aufgenommen und begutachtete bei Wind und Wetter Farbe, Konsistenz und Inhalt des Aushubs. Ist er natürlichen Ursprungs oder hatte der Mensch seine Hand im Spiel? Mit jedem neuen Bohrloch wuchs die Spannung. Enthält es Kulturschicht, bestätigt es die bisherigen Indizien? Ende Januar war klar: Wir müssen graben. Dass hier nun gegraben werden kann, entschädigt mich für jeden noch so kalten Wintertag, an dem ich still stand, fror und beobachtete. Ob der interessierte Herr wohl unter den bislang rund 1000 Führungsgästen war und seine Antworten noch bekommen hat?

(Tages-Anzeiger, 16. August 2010)

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