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Grabungstagebuch: Ausgrabung macht Schule

Walter Fasnacht

Walter Fasnacht ist Experte für prähistorische Feuer- und Metalltechnik. Auf der Grabung Parkhaus Opéra ist er für Führungen und Wissenschaftsvermittlung zuständig.

Vor einer Woche fanden die «Europäischen Tage des Denkmals» statt und gut 700 Interessierte besuchten unsere Ausgrabung beim Opernhaus. Besonders begeistert waren die Kinder; ein Junge war gar der entsetzten Mutter ausgerissen, um herauszufinden, was denn hinter dem Bauzaun zu sehen ist.

Pfahlbauergeschichten sind hier zu sehen und zu hören, wie im Jugendroman «Die Turnachkinder im Sommer» aus dem Jahre 1906. «Das war ein altes Volk das in den Seen auf Pfählen lebte –» «Oh», sagte Lotti, «auf Pfählen? Das war nicht angenehm!» … «Also, Lotti, sie sassen natürlich nicht jeder auf einem Pfahl, sondern legten Bretter über die Pfähle und bauten ganze Häuser darauf. Und sie gingen auf die Jagd und brachten Bären und Auerochsen heim, und die Kinder band man an Stricke.»

Die Grabung Parkhaus hat in den letzten fünf Monaten über 5000 dieser Pfähle ausgegraben, einen für jedes Schulkind, das unser heute eröffnetes Schulprojekt direkt neben der Grabung besuchen wird. Die Originale darf man zwar nicht nach Hause nehmen, aber wie wärs, einen solchen Pfahl nachzubilden? Mit dem Steinbeil – nicht mit der Motorsäge. Da wir mit Klassen nicht in die Grabung hinunter steigen können, holen wir Originalschichten zum Ausgraben rauf, da ist vielleicht noch ein unbekannter Fund drin.

Nach einem allgemeinen Einblick in die Ausgrabungstätigkeit und auf die Originalfunde können die Schulklassen einen Workshop besuchen und zwischen den Themen Stein, Holz Schmuck und Flechten/Weben auswählen. Bären und Auerochsen gibt es keine mehr zu jagen – Pfeil und Bogen haben wir aber, im Original und nachgebaut.

Stadtzürcher Schulen können sich schulintern oder auf www.stadt zuerich.ch/grabung-parkhaus-opera einschreiben, kantonale Schulen über www.schuleundltultur.zh.ch. Eines ist klar: Kinder binden wir nicht an Stricke, sondern wir lassen sie aktiv an den Arbeiten teilnehmen.

(Tages-Anzeiger, 20. September 2010)

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