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Grabungstagebuch: Wo kommen die Funde hin?

Walter Fasnacht

Walter Fasnacht ist Experte für prähistorische Feuer- und Metalltechnik. Auf der Grabung Parkhaus Opéra ist er für Führungen und Wissenschaftsvermittlung zuständig.

«Beschäftigen Sie sich als Archäologe auch mit der Zukunft?» Diese bewusst provokative Frage stellte eine Besucherin anlässlich einer Führung durch die Grabung Parkhaus Opéra. Nachgehakt hiess es dann, ob sich Archäologinnen und Archäologen überhaupt vorstellen können, was man von «unserer Kultur» einmal finden wird. Staub? Plastikknäuel? Einen Betonhorizont? Noch im Studium hat ein Kollege gescherzt: «Du hast Glück, du darfst heute Archäologie studieren – stell dir vor, du müsstest in 5000 Jahren u n s ausgraben.»
Tatsächlich sieht man unsere eigene Abfallproduktion mit etwas anderen Augen, wenn man sich mit den Spuren unserer Vorfahren beschäftigt. Heute suchen wir akribisch nach Überresten der Vorzeit. In Zukunft wird man eher nach einem Fleck suchen, auf dem nicht meterhohe Schichten unserer Hinterlassenschaft liegen werden – von der Getränkedose bis zum abgestürzten Satelliten, der bis dahin auch «prähistorisch» sein wird.

Zurück in der Gegenwart macht unsere gesamte Tätigkeit nur Sinn mit Blick auf die Zukunft. Auf diese Grabung bezogen, lautet die Frage – und die höre ich täglich – «wo kommen denn alle diese Funde hin?» Wird es am Ende der Grabung eine Ausstellung geben? Wissen muss man: Kulturgüter sind Kantonseigentum. Alle unsere Fundgegenstände gelangen nach Stettbach, zur Kantonsarchäologie Zürich. Dort werden sie gelagert, bearbeitet und erforscht. Konserviert, restauriert und museal hergerichtet werden vor allem die Holzfunde im Sammlungszentrum des Schweizerischen Nationalmuseums in Affoltern am Albis. Am Ende folgt dann die Publikation und aller Wahrscheinlichkeit nach eine Ausstellung. Bis dahin vergeht kein Tag ohne Gedanken an die Zukunft der Vergangenheit.

(Tages-Anzeiger, 25. Oktober 2010)

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