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Kulturelle Nischen

Ende der 80er, Anfang der 90er Jahre kam die industrielle Produktion in Zürich-West fast gänzlich zum Erliegen. Während die Rezession eine bauliche Weiterentwicklung vorerst verhinderte, begann eine schleichende Umnutzung des Industriequartiers: In den leeren Fabrikhallen fanden sich kleine, kreative Betriebe ein, wurden Bars und Discos eröffnet, Ateliers und Treffpunkte eingerichtet. Galerien, Kleintheater und weitere Projekte fanden hier ihre Nischen. Dazu gehörten beispielsweise der Glacégarten und die Skaterhalle auf dem Steinfels-Areal, aber auch die Kunsthalle, die sich im Schoeller-Areal niederliess.

Diese oft nur provisorischen Nutzungen liessen zusammen mit den ersten Loft-Wohnungen und dem Charme der alten Fabrikgebäude eine spannende und attraktive Ambiance entstehen, die ein junges, urbanes Publikum nach Zürich-West lockte und dem Quartier ein neues Image gab.

Trendquartier Zürich-West

Vorerst noch als Geheimtipp in der städtischen Subkulturszene gehandelt, entwickelte sich Zürich-West spätestens nach 1993 mit dem Bau des Multiplexkinos "Cinemax" zu einem weit über die Stadtgrenzen hinaus bekannten Trendquartier. Mit der Eröffnung der zweiten Bühne des Schauspielhauses im Schiffbau (2000) und des Jazzlokals Moods am selben Ort hielt auch die etablierte Kultur Einzug und machte das Industriequartier für ein breites Publikum salonfähig. Wochenende für Wochenende strömen seither tausende von Partygängerinnen und Konzertbesucher, Theaterbegeisterte und Kinoliebhaberinnen ins Quartier.

Ende der 90er Jahre wurde Zürich-West auch von den Medien neu entdeckt. Vorher waren vor allem die offene Drogenszene am Platzspitz und später am Letten sowie der Niedergang der Industrie ein Thema. Nun wurde der Kreis 5 bekannt für seine Entwicklung und die kulturelle Vielfalt.

Als Ende der 90er Jahre die Konjunktur anzog und in Zürich-West eine rege Bautätigkeit einsetzte, verschwanden viele Zwischennutzungen wieder. Einigen war es aber gelungen, sich zu etablieren und an neuen Standorten, teilweise in Zürich-West, wieder eine Bleibe zu finden: So kamen etwa die Kunsthalle sowie mehrere Galerien im Museum für Gegenwartskunst auf dem Löwenbräu-Areal unter. Auf anderen Arealen wie dem Maag-Areal (Maag Music Hall), dem Toni-Areal (Dachkantine) und dem Hartwag-Areal (Les Halles), die noch nicht neu überbaut worden sind, hat sich der bunte Mix länger, teilweise bis heute halten können.

Auch in den Bögen des Letten- und Wipkingerviadukts hatten sich über Jahre hinweg verschiedene kulturelle Nutzungen (Bogen 13) eingenistet, die dann allerdings wegen der Sanierung des Viadukts weichen mussten. Nach der Sanierung werden die Viaduktbögen aber wieder vielfältig genutzt, ja sogar durch eine Markthalle erweitert, welche die Lebendigkeit dieses Quartiers unterstreicht.

Kultur als Standortfaktor

Die Kultur-, Restaurant- und Partyszene haben in Zürich-West gerade während der Phase geringer baulicher Entwicklung wichtige Impulse geben können und das Image des urbanen Stadtteils entscheidend mitgeprägt. Das bunte Gemisch an kulturellen Zwischennutzungen und etablierten Kultureinrichtungen ist somit zu einem wichtigen Standortfaktor geworden.

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