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Otto Müller, «Relief II», 1959, Foto: zVg, Kunstsammlung Stadt Zürich
Otto Müller, «Relief II», 1959, Foto: zVg, Kunstsammlung Stadt Zürich

Rein ungegenständlich

Ernst Gisels 1958 vollendete, zusammen mit dem angrenzenden Freibad konzipierte Schulanlage Auhof ist eine Weiterentwicklung der Sekundarschule Letzi (1954-56), seinem ersten Schulhausbau. Das Herzstück dieses mehrteiligen Backsteinbaus ist der grosse quadratische Pausenhof, den vier schlichte, zum Teil durch Laubengänge verbundene Trakte einrahmen und dem Ganzen ein lichtes, geradezu südliches Gepräge verleihen.

Der Architekt Ernst Gisel (1922 geboren) hat im Lauf der Jahrzehnte viele Künstlerinnen und Künstler zur Mitgestaltung beigezogen, darunter immer wieder die Plastiker Otto Müller (1905-1993) und Silvio Mattioli (1929-2011). Diese beiden kamen auch bei der Primarschule Auhof zum Zug.

Nicht auf schnelle Wirkung, sondern auf eingehende Betrachtung setzt das am Ost-Trakt aufgehängte Bronzerelief von Otto Müller, das nichts als ein Oval über einem Halbkreis zeigt. 1957 in Gips geformt und 1959 in Bronze gegossen, gehört es zu seinen ersten rein ungegenständlichen Arbeiten. Für Müller, der die Figur nie aus seinem Werk verbannt hat, ergänzen sich Figuration und Geometrie wie Himmel und Erde. Während jene für das Irdisch-Kreatürliche steht, verweist diese auf eine höhere, geistige Ordnung. Aus dem Material heraus gestaltend und ohne die Präzision der Konkreten anzustreben, hat sich Müller auf lapidare Formen wie das Rechteck, den Kreis und das Oval konzentriert und ist dabei zu einer transzendenten organischen Geometrie gelangt.

Caroline Kesser

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