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James Licini, «Figur», 1976, Foto: zVg, Kunstsammlung Stadt Zürich
James Licini, «Figur», 1976, Foto: zVg, Kunstsammlung Stadt Zürich

Expressiv ohne Pathos

Ernst Gisels 1958 vollendete, zusammen mit dem angrenzenden Freibad konzipierte Schulanlage Auhof ist eine Weiterentwicklung der Sekundarschule Letzi (1954-56), seinem ersten Schulhausbau. Das Herzstück dieses mehrteiligen Backsteinbaus ist der grosse quadratische Pausenhof, den vier schlichte, zum Teil durch Laubengänge verbundene Trakte einrahmen und dem Ganzen ein lichtes, geradezu südliches Gepräge verleihen.

Der Architekt Ernst Gisel (1922 geboren) hat im Lauf der Jahrzehnte viele Künstlerinnen und Künstler zur Mitgestaltung beigezogen, darunter immer wieder die Plastiker Otto Müller (1905-1993) und Silvio Mattioli (1929-2011). Die Eisenplastik von James Licini mit dem simplen Titel Figur, die auf einem Absatz der südlichen Umfassungsmauer steht, gehört nicht zum ursprünglichen Kunstkonzept, fügt sich aber sehr gut in Gisels Ensemble ein. 1976 aus geschweisstem und geschraubtem Eisenblech gefertigt, kommt sie sachlicher daher als Mattiolis eiserne Kreaturen, teilt mit diesen aber die innere Spannung. Vor allem von weitem glaubt man in dieser Konstruktion ein mit einem Schiesseisen bewehrtes Wesen zu erkennen. Seine Aggressivität hält sich aber in Grenzen, und beim Näherkommen staunt man über die Expressivität dieser aus geometrischen Volumina konstruierten Figur. Der 1937 geborene Licini zählt zur zweiten Generation der Schweizer Eisenplastiker. Dem Pathos abgeneigt, will er auch lieber «Stahlbauer» sein.

Caroline Kesser
© Kunstsammlung Stadt Zürich / Fachstelle Kunst und Bau

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