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Ödön Koch «Freiplastik», 1971–73, Foto: zVg, Kunstsammlung Stadt Zürich
Ödön Koch «Freiplastik», 1971–73, Foto: zVg, Kunstsammlung Stadt Zürich

Elementare Formen

Die Zeit hat an Ödön Kochs Freiplastik in der Turn- und Sportanlage Aubrücke Spuren hinterlassen und die Erscheinung dieser auf einfache stereometrische Körper reduzierten Skulptur aus Jurakalk etwas verunklärt. Die monumentale Scheibe, der auf der Vorder- und der Rückseite in unterschiedlicher Position und Grösse je ein kleiner Kubus aufgesetzt ist, mochte in ihrem Urzustand auch an eine Sonnenscheibe erinnern, heute assoziiert man sie wohl eher mit einem gigantischen Wagenrad. Koch hat dieser Scheibe einen um einiges kleineren kubischen Körper aus demselben Stein zugesellt und beide Teile durch eine in Zement gegossene, dunklere Sockelanlage verbunden.

Ödön Koch (1906-1977) gehört zu den Zürcher Bildhauern, die in den fünfziger Jahren in der Nähe der Konkreten zur Ungegenständlichkeit fanden. Er war der strengste und hermetischste dieser Bewegung, zu deren Hauptexponenten auch Hans Aeschbacher, Hans Fischli und Katharina Sallenbach zählen. Koch hat sich als Autodidakt zu einem der potentesten Steinbildhauer der Schweiz entwickelt und zahlreiche Werke im öffentlichen Raum hinterlassen. Diese Freiplastik stammt aus seiner letzten Schaffensphase und weist auch die Merkmale seines späten Stils auf: Betonung der Blockhaftigkeit des Steins, Konzentration auf eine grosse Form und die sparsame Herausbildung von ihr untergeordneter und miteinander korrespondierender Teilformen. Die Geometrie bestimmte sein Schaffen insofern, als er sich auf elementare Grundformen beschränkte; zum absoluten Richtmass ist sie ihm aber nie geworden. Einer geometrischen Exaktheit widersprach schon der Stein, immer ein Individuum, den der leidenschaftliche Handwerker zum Sprechen bringen wollte.

Das zeigt sich auch bei dieser Skulptur, die im Dialog mit der Turn- und Schwimmhalle von Dorothea David (1915-1999) entstand. Die unregelmässige Form der Scheibe verrät, dass sie nicht maschinell, sondern in aufwändiger Handarbeit hergestellt wurde. Diese «Unvollkommenheit» trägt zu ihrer inneren Kraft bei, die Davids leichten, nüchternen Bau leise bedroht.

Da Koch seine Werke als reine plastische Körper betrachtete, die keiner Erklärung bedürfen, hat er sie nur mit «Skulptur» oder eben «Freiplastik» betitelt. Eine Ausnahme war «Le Silence» von 1969-70, ein Hauptwerk, das vor kurzem der Stadt geschenkt wurde und in Witikon einen idealen Standort bekommen hat. Das Schweigen ist das grosse Thema von Ödön Koch. Fragen zur Bedeutung seiner Skulpturen wies er kategorisch zurück und beschied dem interessierten Publikum: «So bleibt nichts anderes als die Empfehlung, die Stille reden zu lassen.»

Caroline Kesser
© Kunstsammlung Stadt Zürich / Fachstelle Kunst und Bau

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