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Ein Betonpavillon auf einem Hügel
Peter Storrer, «Pavillon», 1976, Foto: hist.

Das Gartenhaus

Es hat in der Stadt Zürich immer wieder Beamte gegeben, die sich leidenschaftlich für die einheimische Kunst einsetzten. Einer von diesen war Herbert Mätzener (1922-1982), Architekt und Stellvertreter des Stadtbaumeisters. Manches Kunstwerk kam nur dank seiner Vertrautheit mit der lokalen Kunstszene zustande. So auch der Pavillon von Peter Storrer im Pflegezentrum Mattenhof. Da Mätzener wusste, dass Storrer gerne einmal eine Kleinarchitektur realisiert hätte, brachte er ihn mit den Mattenhof-Architekten Kunz + Götti zusammen, die für die Grünzone vor dem Pflegezentrum ein konventionelles hölzernes Gartenhäuschen vorgesehen hatten, und begeisterte sie für dessen Projekt einer Monumentalplastik.

Storrers 3.65 Meter hoher, am Rand eines aufgeschütteten Hügels aufgestellter Beton-Pavillon will nichts anderes als ein Gartenhaus sein, nämlich ein Ort des Rückzugs, zum vorübergehenden Verweilen bestimmt. In seiner strengen, kantigen Form, die das Weiss des Anstrichs noch hervorhebt, hat dieser Pavillon aber mehr von einem Tempelchen als von einer lauschigen Gartenlaube. Das liegt auch an seinem Grundriss, einem unregelmässigen Oktogon, der ihn einem – meist sakral konnotierten – Zentralbau annähert. Zum Eindruck einer Kultstätte trägt auch der Weg bei, der axialsymmetrisch auf ihn zuführt.

Der 1928 in Dornach geborene Peter Storrer ist einer der letzten Vertreter der klassischen Bildhauertradition, dabei aber  immer ein Einzelgänger geblieben. Ein langsamer, skrupulöser, stets um Perfektion ringender Arbeiter, hat er in seinem langen Künstlerleben relativ wenig realisiert. Auf der Suche nach höheren Ordnungsprinzipien misst der Bewunderer alter Hochkulturen, der sich auch in Philosophie, Mathematik und Astronomie auskennt, das von ihm Geschaffene an höchsten Ansprüchen. Pure Rechnerei liegt ihm aber so fern wie die spontane Geste. Durch seine Familie mit der Lehre Rudolph Steiners vertraut und selbst Steiner-Schüler, ist er auch der Anthroposophie zugetan. Ein um 1950 herum entstandenes, nur gut zwanzig Zentimeter hohes «Seelenhäuschen» aus Gips erinnert an das Goetheanum und trägt schon den Keim zu diesem Pavillon in sich.

Storrer hat den Dodekaeder, einen der fünf platonischen Körper schon als Kind für sich entdeckt. Mit diesem, dem «fünften Element» Äther zugeordneten Zwölfflächner hat er sich seit den frühen Siebzigerjahren intensiv beschäftigt. Der aus zwölf regelmässigen Fünfecken zusammengesetzte Dodekaeder war auch der Ausgangspunkt für seinen Pavillon.

Peter Storrer hat sich als Steinbildhauer einen Namen gemacht, von Anfang an aber auch mit Lehm und Gips gearbeitet und bald einmal unedle Materialien wie Karton, Pavatex oder gar Plastik verwendet. Bei seinen Konstruktionen bestimmt die Idee das Material. Der Pavillon im Mattenhof ist Storrers erste Beton-Plastik. Wie dieses kleine Haus aus einem Guss entstehen konnte, beeindruckt ihn noch heute. Peter Storrer hat sich die Fähigkeit zum Staunen, nach Plato der Anfang aller Philosophie, bis heute bewahrt.

Caroline Kesser

© Kunstsammlung der Stadt Zürich / Fachstelle Kunst und Bau

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