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Gläsernes Blühen, 2009, Monika Dillier

Monika Dillier, «Drei Nebensonnen», 2007, Foto: Ute Schendel
Monika Dillier, «Drei Nebensonnen», 2007, Foto: Ute Schendel

Vom Lauf der Zeit

Monika Dilliers künstlerische Intervention im Pflegezentrum Mattenhof besteht aus zwei Teilen: ein künstlicher Ast, der von farbigen Glasobjekten wie von Blüten gekrönt wird, in der Eingangshalle, und eine grossformatige, kontemplative Wandzeichnung im Festsaal.

Ein Schnappschuss von verwelkten Blättern neben einer blühenden Blume im Aussenbereich des Zentrums bildete den Ausgangspunkt für Monika Dilliers Überlegungen zum Projekt. Die Bewohnerinnen und Bewohner des Zentrums befinden sich in unterschiedlichen Situationen. Manche haben hier ein Heim für ihren Lebensabend gefunden. Andere verbringen eine Zeit der Rekonvaleszenz nach Krankheit oder Unfall im Mattenhof. Für sie alle ist dieser Ort nicht nur alltäglich, sondern zugleich auch einer der Einkehr, an dem Reflexion und Kontemplation eine wichtige Rolle spielen. An diesem Punkt setzt die Arbeit von Monika Dillier an. In der grossformatigen Wandzeichnung im Festsaal wird ein filigranes Gerüst aus senkrecht schraffierten Graphitlinien von drei aus dem Zentrum gerückten, blau-lila Strahlenkränzen überlagert. Mit verschieden starken Graphit- und Buntstiften, von der Künstlerin eigenhändig auf die weiss grundierte Wand aufgetragen, können die Linien sowohl in ihrer Erscheinung als auch aufgrund des zeitaufwendigen Herstellungsprozesses als Abbild für das Vergehen der Zeit gelesen werden. Vielleicht überstrahlen die «Drei Nebensonnen» etwas, das seinen Ort jenseits der Zeit hat. Der Ast in der Eingangshalle ist in Kunststoff um einen Eisenkern modelliert. Die «Blüten», die ihn krönen, sind weniger Abbilder ihrer Verwandten in der Natur, als dass sie die Farben und Möglichkeiten des Materials feiern, aus dem sie geschaffen sind. Die verschiedenen Glasobjekte wurden von Monika Dillier und einem spezialisierten Glasbläser in enger Zusammenarbeit in Überfangtechnik gestaltet.

Monika Dilliers zweiteilige Intervention strahlt gelassene Heiterkeit aus, lässt aber auch das Nachdenkliche zu seinem Recht kommen und lädt ihre Betrachterinnen und Betrachter zur Auseinandersetzung ein, sei es als Meditationsfeld, über inhaltliche Anknüpfungspunkte, oder über Farben und Formen allein.

Hubert Bächler

© Kunstsammlung der Stadt Zürich / Fachstelle Kunst und Bau

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