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Willy Wimpfheimer, «Figur VII», 1983, Foto: zVg Kunstsammlung, Stadt Zürich
Willy Wimpfheimer, «Figur VII», 1983, Foto: zVg Kunstsammlung, Stadt Zürich

Gespanntes Eisen

Für den massiven Eisenbogen, der im Tramdepot Irchel ein Stumpfgleis gegen die Winterthurerstrasse abschliesst, hat sich der Name «Prellbock» eingebürgert. Tatsächlich hat diese leicht rostige Figur keine reale Funktion an diesem Ort. Als Puffer, der das Weiterrollen eines Tramzugs verhindern würde, dient ein von ihr überwölbter, konventioneller Prellbock. Das von Willy Wimpfheimer 1983 im Auftrag der Verkehrsbetriebe der Stadt Zürich geschaffene Kunstwerk spielt aber mit der Vorstellung, es erfülle einen handfesten Zweck.

Willy Wimpfheimer, 1938 in Zürich geboren, absolvierte eine Lehre als Steinbildhauer. Nach figurativen Anfängen entdeckte er im Atelier von Hans Aeschbacher die geometrisch-konstruktive Kunst. Bei aller Strenge bewegte sich Wimpfheimer immer am Rande der Konkreten, ging es ihm doch nie darum, Anklänge an die Natur zu überwinden. Bei ihm ist Bewegung seit je ein zentrales Thema. Mit der Hinwendung zum Werkstoff Eisen Mitte der 70er ging eine weitere Dynamisierung einher. Es entstehen Plastiken von überraschend organischem Charakter.

An Holz gemahnt auch Figur VII, die erste Plastik Wimpfheimers aus massivem Eisen. Der von kompakten Pfeilern geformte Bogen ist im Scheitel geborsten, das heisst in drei Schichten gespalten, von denen die oberen zwei in je drei Stränge unterteilt sind. Nur die untere Schicht hält noch zusammen, in den oberen beiden lösen sich befreite Kräfte von der vorgegebenen Form. Zum Anschein von Holz trägt auch die samtene Patina des Eisens bei.

Als ob er schon manchen Tramzug hätte zurückhalten müssen, ist dieser «Prellbock» schräg gestellt. Willy Wimpfheimer versteht es nicht nur, den gemeinhin mit Schwerindustrie assoziierten Werkstoff Eisen organisch erscheinen zu lassen; seine Figur im Tramdepot Irchel lehrt auch, dass sich lapidare ungegenständliche Plastik durchaus mit Humor verträgt.

Auszug aus dem Text von Caroline Kesser

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