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Venus de Six-fours, 1952, Hans Aeschbacher

Hans Aeschbacher, «Venus de Six-fours», 1952, Foto: zVg Kunstsammlung, Stadt Zürich
Hans Aeschbacher, «Venus de Six-fours», 1952, Foto: zVg Kunstsammlung, Stadt Zürich

Venus aus dem Zauberberg

Sie scheint der Steinzeit anzugehören, die Vénus de Six-Fours, die auf der Sonnenterrasse des Flussbads Oberer Letten steht. Tatsächlich ist diese Figur aus dunklem, porösem Lavastein, die mit ihren schwellenden Formen unweigerlich an eine Fruchtbarkeitsgöttin denken lässt, aber gleichzeitig mit dem Bad entstanden.

Die 1952 datierte Venus ist nach dem provenzalischen Küstenort Six-Fours-les Plages benannt, wo sich der Zürcher Bildhauer Hans Aeschbacher (1906-1980) 1947 niedergelassen hatte. In ihrer zutiefst archaischen Anmutung ist sie ein schönes, reifes Beispiel für seine um den weiblichen Eros kreisende Werkphase. Nach dieser Periode näherte sich Aeschbacher der konkreten Kunst an und verlegte sich auf die Stereometrie. Mit seinen hohen Stelen, denen man im Zürcher Stadtraum ebenfalls begegnen kann, gelangte Aeschbacher auch zu internationalem Ansehen.

Die Abstraktion beschäftigte Hans Aeschbacher schon früh. In Südfrankreich entstanden weitgehend abstrakte weibliche Idole und Venusfiguren. Den Lavastein, den er für einige von ihnen verwendete, fand er in der unmittelbaren Umgebung seines Hauses, einer Erhebung, die er zu seinem «Zauberberg» erklärte. Die in «taille directe» aus dem Stein gehauene Vénus de Six-Fours bewegt sich an der Grenze zwischen Ungegenständlichkeit und Figuration. Es sieht so aus, als müsste sie sich erst von einer Ummantelung befreien, um deutliche Gestalt anzunehmen, als sei sie noch in einem Kokon gefangen. Aeschbacher liebte es, den Stein «auszuhorchen» und ihm seine innersten Kräfte zu entlocken.

Auszug aus dem Text von Caroline Kesser

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