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Silvio Mattioli, «König Ubu», 1965, Foto: zVg, Kunstsammlung Stadt Zürich
Silvio Mattioli, «König Ubu», 1965, Foto: zVg, Kunstsammlung Stadt Zürich

Eine groteske Figur

Mit seinem aufgeblasenen Gesicht und dem wehenden Mantel, der gewaltige Bauchwülste und kurze dicke Beinchen sehen lässt, ist er eine absolut lächerliche Figur, dieser König Ubu. Silvio Mattioli hat sich beim Relief, das er diesem Monster gewidmet hat, eng an Alfred Jarrys «Ubu Roi» gehalten, dem Protagonisten seines gleichnamigen Theaterstücks. Primitiv, rücksichtslos und machtgierig, genusssüchtig und feige, ist König Ubu die Karikatur eines Tyrannen. Ins Groteske gewendet hat diese Figur aber durchaus Züge, mit denen wir uns identifizieren. Mit dem Pferdekopf neben Ubu spielt Mattioli auf dessen Streitross mit dem Namen «Das phynanzische Pferd» an.

Silvio Mattioli (1929-2011) war ein Pionier der Schweizer Eisenplastik. Anders als den meisten seiner Weggenossen - in erster Linie sind da Bernhard Luginbühl und Jean Tinguely zu nennen - war es ihm nie um das Mechanische zu tun. Mattioli ging es immer um den Ausdruck von Lebendigem.

König Ubu schliesst in Mattiolis Werk eine Periode ab, die um mythologische, oft dämonische Gestalten kreist. Diese Gestalten behaupten eine Autorität, sind aber nicht (mehr) in der Lage, sie auszuüben. Es sind versehrte, gefallene Helden oder, wie im Fall von Ubu, Karikaturen davon. Dass ihnen etwas fehlt, macht ihre reduzierte Körperlichkeit deutlich. Mit handwerklicher Meisterschaft Stück für Stück aus gebogenen Eisenplatten geformt, sind sie Panzerträger, denen ein kompaktes Inneres fehlt. Auch Ubu ist eine aufgeschlitzte, hohle Figur. Wie er auf dem eisernen, seinerseits scheinbar notdürftig zusammengeflickten Untergrund sitzt, hat er etwas von einer Attrappe. König Ubu ist zweifellos der komischste Geselle dieser louchen Gemeinschaft.

Auszug aus dem Text von Caroline Kesser

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