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Kunst und Bau: Frisch herausgeputzt

Für die Geschichte der Stadt legen die bestehenden Werke von Kunst und Bau beredtes Zeugnis von Werten und Inhalten ab, die man pflegen will. Steht die Instandsetzung einer städtischen Liegenschaft mit einem Kunst-und-Bau-Bestand an, wird die Fachstelle Kunst und Bau des Amts für Hochbauten einbezogen, die sodann eine externe Expertise mit Instandsetzungsmassnahmen in Auftrag gibt. «Grundsätzlich bleiben Kunstwerke, die im Inventar des städtischen Kunstbestandes aufgeführt sind, bei Gebäudesanierungen erhalten», bekräftigt Alex Ritter, ausgebildeter Architekt und Konservator sowie Projektleiter Bewirtschaftung bei der Fachstelle Kunst und Bau. Die Aufgaben jedoch, die sich bei der Restaurierung stellen, sind so individuell wie die Werke.

Steinchen für Steinchen

Die Liegenschaft mit dem Wandmosaik um 1950.

Bis in die 60er-Jahre wurden in Schulhäusern zahlreiche Mosaike angebracht, fast immer als Wandbilder im Eingangsbereich oder in Korridoren. In Oerlikon, beim Schulhaus Halde C, schuf Eugen Häfelfinger 1948 hingegen ein Mosaik für eine Aussenfassade. Die dreiteilige Arbeit zeigt eine Familie in drei sich überlappenden Rechtecken: Im obersten steht der Vater, ein Handwerker. Im mittleren trägt die Mutter ein Kleinkind in den Armen. Dessen älteres Geschwister vergnügt sich im untersten Rechteck mit einem Reifen, beobachtet vom Hund.

Es handelt sich um das grösste von Eugen Häfelfinger (1898–1979) realisierte Mosaik und es ist auch, so Alex Ritter, das bedeutendste des Künstlers im städtischen Inventar. Beim Umbau des Primarschulhauses zu einem Kindergarten und Hort sollte das Gebäude mit einer Fassaden-Aussendämmung zusätzlich isoliert werden. Dabei stellte sich die Frage, wie mit dem Wandmosaik zu verfahren sei. Sollte es von der Dämmung überdeckt werden? Oder sollte das Mosaik aus der bestehenden Fassade herausgelöst und vorgesetzt wieder angebracht werden, um auf einer Ebene mit der neuen Dämmfassade zu liegen? Aufgrund der Bedeutung des Werkes entschied man sich für letztere Variante.

Gesichert mit einer Struktur aus Gittern und Gips, wurde das Mosaik unter der Leitung des Restaurators Tobias Hotz aus der Fassadenmauer herausgeschnitten und in ein Spezial-Betonwerk verbracht, wo eine neue rückseitige Trägerplatte aufgebracht wurde. 

Sicherung mit Gitternetz und Gips.
Neue Trägerplatte aus Beton.
Entfernung des Facing.
Demontage des Mosaiks.
Trägerplatte mit Mosaik.
Restauriertes Mosaik.

Nach sorgsamer Entfernung von Gips und Trägerkorb konnten lose Mosaiksteine fixiert und fehlende genau passend ersetzt werden. Schliesslich wurde in einer spektakulären Aktion das restaurierte Mosaik mithilfe eines Pneukrans präzise wieder auf die neu isolierte Fassade gesetzt und mit Ankern in der Gebäudemauer befestigt. 

Heute grüsst das aufgefrischte Mosaik wie ehedem die Kinder der Halde C und die Besuchenden des gegenüberliegenden GZ Oerlikon von seinem angestammten Ort.

Replatzierung mit Pneukran.
Die Liegenschaft nach der Restaurierung, 2019.

Buchstabe für Buchstabe

Überzeugend fügt sich auch die restaurierte Arbeit des Gestalters, Designers und Grafikers Jacques Plancherel (1926–2011) am instandgesetzten Gemeinschaftszentrum Hirzenbach (ehemals Heerenschürli) in die Umgebung. Die silbernen Buchstaben H und E auf der einnehmend roten Keramikfassade korrespondieren mit dem Logo des FCZ, mit dem Graffiti vor dem gegenüberliegenden Sportplatz sowie mit den Botschaften auf einer Litfasssäule. So silbern und markant wie ursprünglich weisen die Buchstaben erst jetzt wieder den Weg zum Gemeinschaftszentrum. Zuvor verrotteten die metallenen Lettern, schokoladebraun beschichtet, unansehnlich auf der Sichtbetonwand. Das spielerische Relief mit den Buchstaben, die sich von der Mauer lösen, um dann übers Eck des Gebäudes förmlich auf den Boden zu purzeln, hatte es Alex Ritter angetan. Er setzte sich für den Erhalt dieser einmaligen Signaletik auf einer neuen, passenden Fassade ein und begeisterte auch die mit dem GZ-Umbau beauftragten Architekten Gilles Dafflon und Ralph Blättler. Das Resultat ist eine gelungene Integration der dreidimensionalen Buchstaben auf die Fassade aus Keramikplatten. Im Zuge der Instandsetzung ist im Innenhof des GZ zudem eine Plastik von Kurt Wino (*1943) wieder aufgestellt worden, die wegen des durchrosteten Sockels eingelagert war. Jetzt weckt das rätselhafte Objekt auf seiner neuen, hohen Stele wieder die Neugier der Besucherinnen und Besucher.

Die Signaletik von Jacques Plancherel nach der Instandsetzung.
Zustand um 1982.
Die Buchstaben purzeln übers Eck gegen den Boden.
Zustand 2014, vor der Restaurierung.

Der Erhalt von Werken erfordert jeweils eine gewisse Beharrlichkeit und detailreiche Abklärungen seitens des Projektleiters oder der Projektleiterin Kunst und Bau sowie der beteiligten Fachleute aus Restaurierung und Technik. Unter anderem sind Recherchen erforderlich zur ursprünglichen Herstellung, zu den Materialien und zur Geschichte der Kunstwerke. Der Einsatz wird belohnt, wie Alex Ritter sagt: «Ich merke immer wieder, wie wir den Leuten Freude bereiten, wenn wir die ihnen seit langem vertrauten Werke retten und restaurieren. Persönlich habe ich nie zuvor in meiner langen Berufskarriere eine derart befriedigende Tätigkeit verrichten können.»

Text: Peter Schneider

Foto: Menga von Sprecher (Häfelfinger), «Das Bild» (Plancherel und Wino) und Fachstelle Kunst und Bau (Arbeitsaufnahmen)

Objekt von Kurt Wino auf neuer Stele.

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