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44/33 (HOIO) - Santa Lemusa im Triemli

«44/33» ist ein Projekt der Kunst Station Triemli. Santa Lemusa, das auf 44° West / 33° Nord mitten im Atlantischen Ozean liegt, taucht ab Juni 2012 in einem Massstab von etwa 1:1000 in den Korridoren und Sälen des Stadtspital Triemli auf. Nachdem in einer ersten Etappe der Norden der Insel vorgestellt wurde, in der zweiten Runde der Süden an verschiedenen Stellen im Spital sichtbar gemacht wurde, kann bis am 1. Februar 2013 die ganze Insel besichtigt werden.

Etwa gleichzeitig mit dem Beginn des Projektes brach im Riehener Wenkenpark ein Papierboot auf zu seiner Reise nach Santa Lemusa, die ebenfalls im Stadtspital Triemli dokumentiert wird.

Unterwegs nach Santa Lemusa

Logbuch der «PS Narina»

Erster Tag

1. Tag: Die «PS Narina» legt im Wenkenpark in Riehen bei Basel ab.

Lufttemperatur | Wassertemperatur: 21°C (14°C nachts) | 19°C

Windrichtung | Windstärke: Westnordwest | 1 bis 2

Name des durchschifften Wassers: Wenkenpark-Weiher

Name des gesichteten Landes: Wenkenpark (Englischer Garten in Riehen bei Basel)

Auffälliges: Trauerweiden, Hochzeitsgesellschaft

Nun sind wir unterwegs. Es war nicht wie einst bei der «Normandie» oder der «Titanic» – kein Feuerwerk zum Abschied und keine Blasmusik, ja nicht einmal ein paar lumpige Papierschlangen oder Konfetti. Das Ablegen war eher eine Ablegung – jedenfalls war es kein bewusster Akt, nichts mit Gestaltung, vielmehr ist es uns einfach passiert. So wie uns ja auch die eigene Geburt einfach passiert – ein heftiger Ruck und wir sind on the road. Allerdings war der Ruck in unserem Fall so heftig, dass es uns sämtliche Teller und Gläser aus dem Schrank gerissen hat. Das passiert bei Geburten nur selten. Die Gläser sind aus Plastik, zum Glück – die meisten Teller aber sind hin, ein einziger nur hat die Ablegung überlebt.

Tierischer schwarzer Passagier

Man kann sich natürlich fragen, ob denn ein einzelner Mensch überhaupt mehr braucht als einen einzelnen Teller – vor allem auf einem Schiff, wo plötzlicher Besuch ja doch eher selten ist. Wenn ich «wir» schreibe, obwohl ich als einziger Mensch auf diesem Papierboot unterwegs bin, dann weil ich nicht ganz allein bin. Kurz nach der Ablegung nämlich, noch während ich die Scherben vom Boden aufhob, marschierte sie erstmals durch das dichte Haar auf meinem linken Unterarm: eine grosse schwarze Ameise, die wahrscheinlich aus Versehen mit an Bord gegangen war. Und eben habe ich sie auf meinem rechten Handrücken wieder gesehen – wenn es denn das gleiche Tierchen war, Ameisen sind für unseren Menschenblick ja nicht übertrieben individuell. Doch solange ich nicht plötzlich zwei Ameisen sehe, gehe ich davon aus, dass nur eine mit an Bord gegangen ist.

Ich habe mir einen Moment lang überlegt, ob etwas, das auf mir herumkrabbelt, aus einem «Ich» ein «Wir» machen kann. Dann aber habe ich der Ameise den Namen Oskar gegeben – und das hat die Frage beantwortet. Meinen eigenen Namen brauche ich hier nicht zu nennen – «Ich» bin einfach «Ich» (das wollte ich immer schon einmal schreiben und jetzt hindert mich nichts daran). Die Gefahr, dass mich Oskar mit meinem Namen ansprechen möchte, ist relativ gering – und ich selbst spreche mich prinzipiell nicht an, ich rede einfach los. Braucht, wer alleine unterwegs ist, überhaupt einen Namen?

HIER geht es zu den Filmen und weiteren Einträgen im Logbuch der «PS Narina»

Die ÜBRIGEN PROJEKTE von HOIO im Stadtspital Triemli.

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