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Vermittlung: 1+1=3 Kunst und Schule Leutschenbach

Kunst ist zum Anschauen da. Sie vermag aber noch viel mehr. Das zeigt ein Kunstvermittlungsprojekt der Fachstelle Kunst und Bau im Schulhaus Leutschenbach. Die Kindergärtler und Schülerinnen nehmen die Kunst von Olivier Mosset in Beschlag und reagieren auf die «Toblerones» mit eigenen Geschichten, Zeichnungen und fröhlichen Happenings.

Kunst in der Schule – ein wegweisendes Pilotprojekt

Kunst und Bau ist immer auch auf die Funktion des jeweiligen Gebäudes hin gedacht. Um das darin liegende Potenzial zu den Menschen zu tragen, hat die Fachstelle Kunst und Bau ein Pilotprojekt zur Vermittlung lanciert. «Es geht nicht nur darum, die Kunst von Olivier Mosset im Schulhaus Leutschenbach zu vermitteln, sondern vor allem um die Erfahrung, Kunst als zugänglich und handhabbar zu erleben» sagt die Kunsthistorikerin Kristin Bauer über ihr Projekt. «Wenn mittels Kunst über die Welt sinniert wird, stärkt das den selbstbestimmten und individuellen Umgang mit Kunst. Kunst kann so als Feld für Erfahrungen  beim Entdecken von eigenen Kompetenzen, Ressourcen und Stärken der Kinder dienen.»

Der Umgang mit Kunst schult die Wahrnehmung und verhilft gleichzeitig zur Erfahrung, dass Kunst Sinn macht, wenn Eigenes dazu gedacht und erlebt wird. Zu einem Kunstwerk eigene Geschichten zu erzählen, produziert Bedeutung für sich und die Umwelt. Unter der kundigen Anleitung der Kunsthistorikerin Kristin Bauer und der Kindergärtnerin und Lehrerin für Bildnerisches Gestalten Sonja Pfäffli  haben die Lehrpersonen der Schule Leutschenbach Unterrichtssequenzen entwickelt, um ihren Schülerinnen und Schülern das Kunstwerk «Toblerones» von Olivier Mosset näher zu bringen.

Im Rahmen des Regelunterrichts haben sich die Schülerinnen und Schüler malend und schreibend mit den Betonpolyedern, die auf dem Gelände des Schulhauses in einer Reihe stehen, auf vielfältigste Art beschäftigt. Es sind Geschichten und Zeichnungen entstanden, Berechnungen angestellt und Modelle erfunden worden – spielend und suchend und mit viel Freude, wie Sonja Pfäffli anschaulich schildert: «Die Schülerinnen und Schüler haben durch ihre intensive Beschäftigung mit den «Toblerones» das Werk mit Bedeutung aufgeladen. Die Auseinandersetzung führte sie zu den «Rollings Stones», das Werk wurde zum Hinkelstein, zur Pyramide, zum Schiff, zum Sarkophag, Eisberg, Podest und Zauberstein… dabei konnten auch die Kindergärtlerinnen und Kindergärtler erleben, dass primär Wahrnehmen, Beobachten und Selbermachen die Schlüssel sind, um ein Kunstwerk zu begreifen und nicht das Reproduzieren von Wissen und Anhäufen von Informationen.»

Zum Projekt, das von der Fachstelle Kunst und Bau angestossen wurde und das nun von Lehrerinnen und Lehrern weitergeführt wird, gehört die mobile Kunstbar. Sie besteht aus einem Koffer und einer Hausbar – ein altes Möbel, das einen Kontrapunkt zur funktionalen Architektur des Gebäudes bildet. Die Kunstbar dient einerseits als Archiv für bereits entstandene Arbeiten von Schülerinnen und Schülern, die neue Projekte anregen sollen. Und die Kunstbar wird andererseits mit immer wieder neuen Materialien zu Kunst bestückt. Bücher, Filme, Bildersammlungen, Musik und Fragen liefern den Kindern und ihren Lehrerinnen und Lehrern Inspiration für die Umsetzung ihrer Themen.

Die Kunstbar macht neugierig. (Alle Fotos: Susanne Meyer)

Materialien in der Kunstbar regen zu eigenen Ideen an.

Alles wird genau unter die Lupe genommen.

«Klötze Staunen», das erste Projekt des Pilotprogramms «1+1=3» zur Kunstvermittlung von Kunst und Bau, wurde im Dezember 2010 mit einer Ausstellung abgeschlossen. Die Zeichnungen und Geschichten überraschten die Besucher mit eigenständiger Fantasie. Das karge, minimalistische Werk von Olivier Mosset hatte einen wunderbaren Reichtum an Assoziationen ausgelöst. Auf einem Video wurden auch die Happenings dokumentiert, welche Kindergärtler und Schülerinnen bei den «Toblerones» veranstaltet haben. Die Betonkörper eignen sich zum Klettern und Rutschen, zum Einkleiden mit Folie, zum Bau von Zelten sowie als Bühnenbild für fröhliches Tanzen. Die Kinder wachsen im Schulhaus Leutschenbach mit Kunst auf und werden später keine Berührungsängste kennen.   

Text: Charlotte Tschumi

Geschichte einer Schülerin zu Toblerones

von Marija Zekic, 5. Klasse

Der Stein heisst Toblerones und es erinnert mich an: Klettern, Dreieck und Geometrie. Diesen Stein hat ein Künstler gemacht. Dieser Künstler heisst Oliver Mosset, er war ein Französischer Künstler und kam aus Frankreich. Die Steine sind so gross, dass man denken könnte, es wohne jemand da drin und sterbe niemals. Diese Steine kann man nicht kaputt machen. Man kann auf diesen Steinen klettern und zeichnen. Die Steine wurden aus Beton gemacht. Ohne die Steine würde es hier sowas von langweilig sein, weil man sonst nicht klettern und draufsitzen könnte. Deswegen habe ich diese Steine sehr gern. Man könnte meinen, die Toblerones sind 1.50 bis 2 Meter gross. In der Pause kann man auf ihnen sitzen und den Znüni geniessen.

Ausschnitt aus dem Video zum Projekt

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(Foto: Susanne Meyer)

Die Aktionen der Kinder rund um die «Toblerones» wurden von den Klassen und Lehrpersonen dokumentiert. Aus dem zwischen Januar bis Juni 2010 entstandenen Ton- und Bildmaterial hat die Studentin Laureen Bauer ein zehnminütiges Video hergestellt.

Hier zu sehen ist ein Ausschnitt von 2,5 Minuten.

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