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Kunst und Bau Hort Ilgen

Sebastian Sieber, «Riesenfleck und Semperilgen», 2015

Sebastian Sieber (*1972) gewann schon 2011 den von der Fachstelle Kunst und Bau, Amt für Hochbauten, ausgeschriebenen Wettbewerb für das neue Hortgebäude. Nachdem die Bauarbeiten aufgrund eines Rekurses erst 2014 beginnen konnten, hat der Zürcher Künstler nun für die fast elf Meter lange Wand im Speisesaal des Horts eine Wandmalerei realisiert.

Detail des Wandbilds von Sebastian Sieber
Sebastian Sieber, Riesenfleck und Semperilgen, 2015

Entdeckungsreisen in der Welt der Malerei

Die Arbeit «Riesenfleck und Semperilgen» wurde in intensiver Auseinandersetzung mit dem Ort entwickelt und gibt viel zu entdecken. So findet man etwa die städtebauliche Situierung des Hortneubaus und dessen Zugehörigkeit zur Schulanlage Ilgen in das wandfüllende Rastersystem der Malerei eingeflochten. Das strenge Grundraster folgt den goldenen Schnitten der Wandmasse. Mit diesem methodischen Arbeitsprinzip Gottfried Sempers verweist der Künstler auf die klassizistische Schulanlage, die sich an der Neurenaissance der Semper Schule orientiert. Darüber spannt sich eine Netzstruktur, die der Äderung eines Lilienblattes nachempfunden ist: Denn die königlichen Blumen heissen auf Zürichdeutsch «Ilgen». In dieses Gerüst integriert sind verschieden grosse Farbflecke, die sich zu Gegenständlichem zusammenfügen lassen, um sich im nächsten Augenblick auch schon wieder aufzulösen.

Ein Kosmos ist entstanden: Den Linien folgen, bei Farben verweilen, Formen kombinieren, weiterziehen.
Ein Kosmos ist entstanden: Den Linien folgen, bei Farben verweilen, Formen kombinieren, weiterziehen.

Die fünf- bis zwölfjährigen Kinder können sich in der Malerei verorten und von hier aus auf gedankliche Reisen begeben: Mit den unterschiedlichen Farbflecken, die sich vor, hinter und zwischen den überdimensionalen Blattadern hindurch bewegen, wird das Bild räumlich und die Wand beginnt zu leben. Flecken werden zu Kontinenten, nehmen die Gestalt eines Vogels an, gruppieren sich zu Landschaften, treten als Farbvolumen aus dem Bild oder führen hinter die Bildoberfläche.

Der Entstehung von Bedeutung zusehen 

Diese Bewegungen des Erkundens sind zentral in der Arbeit von Sebastian Sieber. Das Suchen, Finden, wieder Loslassen und neu Formieren von Bedeutung, jenseits der Zuordnung von Gegenständlichem und Abstraktem, interessiert den Künstler. Im Prozess des Malens ändert er eingeschlagene Wege, integriert Fehler, lässt sich von Vorgefundenem inspirieren, folgt neuen Spuren. Aber nicht nur beim Herstellen, sondern auch beim Betrachten der Bilder ist ihm diese Dynamik wichtig. Entdeckungsreisende durch seine Gemälde sollen sich von Formen und Farben leiten lassen. Ein aktives Sehen ist gefragt, die Wahrnehmung herausgefordert. Richtig und falsch sind keine tauglichen Kategorien. Nichterkennen, Nichtverstehen und Nichtwissen stehen nicht im Weg, sondern geben den Blick frei, lassen die Augen wandern und eigene Bilder finden.

Kristin Bauer

KunstSebastian Sieber (*1972), Zürich
«Riesenfleck und Semperilgen», 2015
Acryl auf Wand, ca. 230 x 1500 cm
Fotos: Sebastian Sieber 
Kuratorin Felicity Lunn, Biel 
AuftraggeberinStadt Zürich, Immobilien
Vertreten durch Amt für Hochbauten
Bauzeit2014–2015
AdresseHort Ilgen
Fehrenstrasse 29
8032 Zürich

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