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Pflegezentrum Witikon

Schmuckstücke in bestem Licht

Kunst für Pflegezentren ist aus verschiedenen Gründen nicht einfach zu realisieren. Es gilt, auf die eingeschränkten kognitiven Fähigkeiten der Bewohnerinnen und Bewohner Rücksicht zu nehmen und die betrieblichen Abläufe zu respektieren. Dennoch – so der Anspruch der Fachstelle Kunst und Bau des Amts für Hochbauten – soll die Kunst nicht einfach pflegeleicht sein. Für das komplett sanierte Pflegezentrum Witikon hat Hubert Bächler ein kuratorisches Konzept erarbeitet. Ein ähnliches Vorgehen wurde bereits für die Pflegezentren Mattenhof und Bombach gewählt, wo in enger Abstimmung mit dem Betrieb künstlerische Eingriffe – sowohl installativer Art als auch Bebilderungen – realisiert wurden. Im Alltag der Pflegezentren bewähren sich diese zur grossen Zufriedenheit aller Beteiligten.

Reliefarbeit von Luc Aubort in einem der Aufenthaltsräume
Reliefarbeit «11 murs» von Luc Aubort für die Aufenthaltsräume der Bettengeschosse

Interview mit Hubert Bächler

Hubert Bächler kam vor zwanzig Jahren als «Quereinsteiger», wie er selber sagt, zur Kunst, zunächst als Assistent im Haus Konstruktiv, später führte er eine eigene Galerie im Kreis vier. Heute arbeitet Hubert Bächler als Kurator, Autor und Lektor. Im Gespräch gibt er Auskunft, wie er bei der Planung für die künstlerische Ausgestaltung des Pflegezentrums Witikon vorgegangen ist.

beige Linien auf lachsfarbenem Untergrund
Valentin Hauri, «Untitled (The Dicks)», 2014

CLAUDIA PANTELLINI: Hubert Bächler, wie entwickelt man ein Konzept für die künstlerische Bespielung eines Pflegezentrums?

HUBERT BÄCHLER: Bei einer solchen Institution ist ein pragmatisches Vorgehen gefragt. Die Bewohnerinnen und Bewohner sind nicht unbedingt freiwillig dort, sie leiden an verschiedenen Gebrechen und der Betrieb darf möglichst nicht durch Kunst beeinträchtigt werden. Beides muss in die Konzeption einfliessen. Im Pflegezentrum Witikon kommt hinzu, dass die Architektur sehr verwinkelt ist. Ein grosser Wurf im Sinne einer raumgreifenden Installation kam in dieser speziellen Situation  gar nicht in Frage. Ich entschied mich dafür, mit «kleinteiligen» Werken von Valentin Hauri, Clare Goodwin, Rita Ernst und anderen darauf zu reagieren und habe diese im Parterre und Souterrain wie Schmuckstücke gehängt. In den 6 Bettengeschossen hat Luc Aubort eine Reliefarbeit in situ – über den Banknischen der Aufenthaltsräume – realisiert, aus verschiedenen Materialien des Baus. Seinem Eingriff wiederum stehen Grafiken gegenüber.

Relief von Florin Granwehr
Florin Granwehr, «Kantensprung», 1983

Eine weitere Vorgabe war, die bestehenden Werke – ein Relief von Florin Granwehr, eine mehrteilige Wandarbeit von Marguerite Hersberger – zu integrieren.

Damit war auch die Richtung der konkret-konstruktiven Kunst schon eingeschlagen. Ich habe dieses Spektrum mit zeitgenössischen Positionen aus dem Bereich der geometrischen Abstraktionen erweitert und differenziert, neben den oben genannten etwa mit den Vertretern des welschen Neo-Geo Luc Aubort, Francis Baudevin und Stéphane Dafflon. Mir scheint, dass diese künstlerische Sprache auch gut mit der Architektur in Witikon korrespondiert. Figurative Darstellungen kamen für mich hier gar nicht in Frage. Im Übrigen habe ich gerne mit diesen Vorgaben gearbeitet, den räumlichen wie den inhaltlichen. Weder empfand ich sie als einschränkend, noch finde ich, dass die Kunst sich dadurch unterordnen muss. Auf räumliche Gegebenheiten einzugehen war mir auch in meiner Tätigkeit als Galerist wichtig. Und in der Welt der konkret-konstruktiven Kunst fühle ich mich ohnehin zu Hause.

Abstraktes grünes Werk von Renée Levi
Renée Levi, «Angelika», 2014

Wieweit sind Zuschreibungen wie «konkret» für das zeitgenössische Kunstschaffen noch sinnvoll?

Die meisten der Kunstschaffenden, die ich für das Pflegezentrum Witikon gewählt habe, haben sich intensiv mit dieser Kunstrichtung befasst, ohne dass dies nun unmittelbar in der eigenen künstlerischen Arbeit sichtbar ist. Als Klammer für diese Positionen finde ich den Begriff der geometrischen Abstraktion sinnvoller. Darunter versammeln sich dann eben auch verschiedene Generationen mit sehr unterschiedlichen Zugängen zur konkreten Kunst. Die konkrete Kunst in ihrer reinen Lehre ist heute künstlerisch kein Thema mehr.

KunstDiverse Kunstschaffende
KuratorHubert Bächler, Zürich 
AuftraggeberinStadt Zürich, Immobilien
vertreten durch Amt für Hochbauten
Bauzeit2012–2015
AdressePflegezentrum Witikon
Kienastenwiesweg 2
8053 Zürich

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