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Daniel Gugolz, Leiter Rechtsdienst Sozialdepartement

Daniel Gugolz, Leiter des Rechtsdiensts im Sozialdepartement, zu den Werken von Anne-Lise Coste: «Die beiden Bilder erinnern mich unwillkürlich an Graffiti an einer Hauswand oder Garagentür irgendwo in der Stadt.»

Künstlerin: Anne-Lise Coste (*1973)

Werke: «R. B.» und «CUITE INSPIRÉE», beide 2003, Airbrush auf Papier, je 130 x 95 cm

Foto: Martin Stollenwerk

Warum haben Sie ausgerechnet diese Werke ausgewählt?

Diese beiden Bilder haben mich spontan angesprochen mit ihrer fantasieanregenden Lebendigkeit und sprühenden Energie. Es war mir sofort klar, dass die Bilder sehr gut passen würden zu ihrem Bestimmungsort im langen Gang des Verwaltungsgebäudes, für den sie eigentlich ausgewählt wurden.

Was haben Sie sich ursprünglich gewünscht, ausleihen zu können, und warum?

Ich bin nicht mit einer fertig ausgereiften Vorstellung in die Kunstsammlung gekommen, sondern habe mich dort vielmehr vom konkreten Angebot inspirieren lassen. Auf meiner Ideenliste waren aber immerhin entweder eine kleinere dreidimensionale Figur beziehungsweise eine Installation oder dann ein modernes, abstrakt gemaltes Bild mit grossflächiger Farbwirkung. Wichtig waren mir auf jeden Fall eine kräftige Aussage sowie eine klare und auffallende gestalterische Wirkung.

Was bedeutet Ihnen das ausgewählte Werk in Ihrem Arbeitsalltag?

Die beiden Bilder bilden in ihrer anarchisch anmutenden und wilden, ungestümen Gestaltung einen wohltuenden Kontrapunkt zu der eher nüchtern anmutenden Büroumgebung in der Verwaltung. Die beiden Bilder erinnern mich auch unwillkürlich an Graffiti an einer Hauswand oder Garagentür irgendwo in der Stadt. Damit nehmen sie etwas vom «wirklichen Leben draussen» mit in die manchmal etwas abgeschottet wirkende Verwaltungstätigkeit.

Was mir an den beiden Bildern überdies auch noch gefällt, ist ihre Wirkung auf betrachtende Personen: Den meisten gefallen die Bilder. Es gibt aber auch andere, die spontan meinen, «das könne ja jeder» und «das Gekritzel habe ja mit Kunst nun wirklich nichts zu tun». Insofern eignen sich die Bilder also als guter Anknüpfungspunkt zur schwierigen Frage, was denn nun Kunst sei und was nicht.

Gibt es Momente, in denen das Kunstwerk Sie stört, und warum?

Da die beiden Bilder auch jetzt in einem etwas dunklen und abgelegenen Korridor hängen, komme ich nicht allzu oft an ihnen vorbei. Demzufolge sind Momente, in denen mich die Bilder stören würden, zum vornherein selten. Störend ist eher der lediglich ungenügend beleuchtete Ort, wo die Bilder aufgehängt sind. Bei den Bildern selbst würde ich mir manchmal wünschen, dass sie noch etwas mehr flächige Farbabschnitte aufweisen würden. Der das eine Werk beherrschende Ausdruck «Rebell» dünkt mich sodann etwas pubertär.

Welche Art von Kunst können Sie sich keinesfalls in Ihrem Büro respektive Arbeitsumfeld vorstellen?

Statische, klassische Helgen gefallen mir eher weniger. Anderseits kann ich pseudo-moderne Installationen nicht ausstehen, die mit viel Aufwand ihre Inhaltsleere zu kaschieren versuchen. Als Beispiel der letztgenannten Art kommt mir ein Video in den Sinn, das ich vor Jahren in Paris im Centre Pompidou gesehen habe. Darin hatte ein sich so nennender Künstler nichts Besseres zu tun, als eine voll funktionsfähige, teure Geige mit roher Gewalt am Rand eines grossen, mit Farbe gefüllten Kübels zu zerschmettern, um in der Folge die schrecklich zugerichtete Geige als Farbpinsel zu benutzen und damit eine grossflächige Leinwand mit Farbe sinnlos zu bekleckern. Das ist nun wirklich keine Kunst, aber vielleicht geht das in dieselbe Richtung wie der einzelne, finale Strich auf der grossen und ansonst leeren Leinwand ...

Interview: Ramona Brückner, Fachspezialistin Kunstsammlung der Stadt Zürich

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