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Medienmitteilungen

Hochbaudepartement

14. Februar 2011

Spektakulärer Fund im Kino Radium

Heute eröffnete Stadtrat Dr. André Odermatt die Ausstellung «Fundort Kino - Archäologie im Kino Radium». Sie zeigt im Haus zum Rech einen aufsehenerregenden Fund. Von den archäologischen Untersuchungen bis hin zum Plakatfund aus der Stummfilmzeit spannt die Ausstellung den Bogen. Themen sind u. a. die Siedlungsreste des «Niederen Dorfes» aus dem Mittelalter, die Gründung des Kinos Radium und die Anfänge der Kinematographie in Zürich.

Das Wohn- und Geschäftshaus «Schwarze Stege» liegt an der Mühlegasse 5, mitten im Zürcher Niederdorf. Die kräftig rote Fassade mit dem bunten Fries (Emil Morf, 1928) prägt das Bild an dieser Gasse. Das Haus war Standort des traditionsreichen Kinos Radium, das 1907 als eines der ersten in Zürich seinen Betrieb aufnahm.

Als das Kino im Jahre 2008 geschlossen wurde, begann im darauffolgenden Jahr der tiefgreifende Umbau der Liegenschaft, begleitet von der Archäologie und Denkmalpflege der Stadt Zürich. 2010 wurde der Umbau erfolgreich abgeschlossen. Im ersten bis dritten Obergeschoss beider Hausteile liegen gediegene Wohnräume - mit Blick auf Mühlegasse und Limmat.

Manch Überraschendes zeigte sich unter der vertrauten Hülle. Ein Team der Stadtarchäologie legte bei der Ausgrabung im Erdgeschoss die Reste von älteren Bauten aus dem Mittelalter frei. Einfache Steinmauern, Lehm- und Holzböden, Fachwerkwände auf Schwellbalken und Feuerstellen, aus dem zehnten bis zwölften Jahrhundert, konnten auf relativ grosser Fläche dokumentiert werden. Weiter wurden eine verborgene Kassettendecke aus dem Barock sowie Plakate aus der Frühzeit der Zürcher «Kinematographie» entdeckt. Die Fundumstände lassen vermuten, dass die Plakate in der Holzvertäfelung über dem Dachvorsprung versteckt wurden. Der Grund dafür bleibt rätselhaft.

Die Untersuchung durch den Filmhistoriker Adrian Gerber macht die ganze Bandbreite des Fundes sichtbar: 90 Filmplakate, 68 Programmzettel (inklusive Dubletten), einige Nummern der Filmzeitschrift «Kinema» sowie Materialien zu Kino- und Filmverleih aus der Stummfilmzeit, hauptsächlich aus den Jahren 1911–1914. Die «Fantomas»-Plakate, populäre Filmfigur, stammen aus dem Jahr 1913, das älteste Plakat mit dem Titel «Die Ehre verloren –  alles verloren» aus dem Jahr 1907, dem Gründungsjahr des Radium.

Aus filmhistorischer Sicht ist der Fund spektakulär. In Plakatsammlungen sind Affichen aus der frühen Stummfilmzeit Raritäten. Einfache Textplakate aus der Eigenproduktion eines «Kinematographentheaters», wie sie einen Grossteil des Radium-Fundes ausmachen, waren praktisch unbekannt. Dies liegt auch daran, dass bildungsbürgerliche Kreise jener Zeit dem sich rasch ausbreitenden Unterhaltungsmedium Film äusserst kritisch gegenüberstanden. Insbesondere die Kinowerbung mit ihren «in hässlich grellen Farben gestalteten Reklamebildern» tat man als «geschmacklos» ab. Nur ganz wenige Affichen gelangten damals in eine Sammlung.

Diese aussergewöhnlichen Geschichten und Funde zeigt die Ausstellung «Fundort Kino – Archäologie im Kino Radium» im Haus zum Rech; vom 15. Februar bis 7. Mai 2011.

Thema: Kultur

Organisationseinheit: Amt für Städtebau