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Denkmalpflege

Ansicht Strasse in der Altstadt
«Denkmalpflege ist eine kreative Arbeit, die neue Nutzungen und Funktionalitäten ermöglicht, ohne die Geschichte zu vernachlässigen oder gar zu beseitigen.»

Die Denkmalpflege wird geliebt oder gehasst – und das oft gleichzeitig und nicht selten von der gleichen Person. Denn die Denkmalpflege spaltet die Gemüter, die Quartiere und manchmal auch die ganze Stadt. Die Fragen, die sich stellen, drehen sich um die Themen «Bewahren oder Abbrechen» sowie «Eigentum gegen Allgemeingut».

Die städtische Denkmalpflege verdankt ihre Geburt einem veritablen Streit: Dem Kampf um die Zürcher Altstadt. Bereits in den 1930er Jahren hatte Karl Moser vorgeschlagen, die «Tuberkulosehöhlen» zu schleifen und der Moderne Platz zu machen. Es kam anders und wir sind froh darüber. Die historischen Bauten, die traditionellen Strassenzüge und die baukulturell wertvollen Gebäude sind mittlerweile aus unserer Stadt nicht mehr wegzudenken. Sie gelten als Identifikationspunkte und geben den Quartieren ihren eigenen Charakter.

Und doch: Steht jemand von der Denkmalpflege bei Grundeigentümerinnen und Grundeigentümern auf der Matte, kann es zu Spannungen kommen. Die eine Seite bringt die Interessen der Geschichte und der Bevölkerung ein, die andere pocht auf ihre Eigentumsrechte. Dieser Interessenskonflikt lässt sich nicht vermeiden und deshalb muss er ausdiskutiert werden. Letztlich entscheidet aber nicht der einzelne Eigentümer, sondern die von der Gemeinschaft verfassten gesetzlichen Bestimmungen, die durch die Behörden und die Politik vollzogen werden.

Auf die Geschichte bauen

Denkmalpflege ist ein integrierter Bestandteil einer umfassenden Stadtplanung. Deshalb ist sie im Amt für Städtebau angesiedelt und fristet kein Schattendasein im eigenen Gärtchen. Die Denkmalpflege muss sich ebenso um die mögliche Weiterentwicklung der Stadt kümmern, wie die Planung um die Stadtgeschichte. Das eine ohne das andere führt in eine Sackgasse. Wer jedoch nur die Altstadthäuser im Kopf hat, versperrt sich die Sicht auf eine kreativere Denkmalpflege.

Neben- statt gegeneinander

Denkmalpflege muss ein Entwicklungskonzept sein und keine Lieferantin für das Ballenbergmuseum. Selbstverständlich gibt es nach wie vor gute Gründe, bestimmte Gebäude integral unter Schutz zu stellen. Jedoch müssen wir auch auf die zeitgenössische Architektur vertrauen, dass sie imstande ist, die alte Substanz so zu erneuern und weiterzuentwickeln, dass sie zukunftsfähig ist. Eine schwierige Aufgabe, aber wenn sie gut gelöst wird, haben alle einen Mehrwert: die Eigentümerinnen und Eigentümer, die Bevölkerung und nicht zuletzt auch unsere Stadt. Darum braucht es in der Denkmalpflege hoch qualifizierte Fachleute aus verschiedenen Disziplinen, namentlich aus der Kunst- und Architekturgeschichte, der Architektur, dem Städtebau und aus der Stadtentwicklung und -planung. Und diese Fachleute sollten etwas unbedingt mitbringen, nämlich ein gutes Gespür für das Wertvolle, das im Neuen aufgehoben sein muss.

Wenn wir für die nächsten Generationen ein Denkmal setzen wollen, dann ist es das Neben- und Miteinander von neuen und alten Häusern, von Tradition und Weiterentwicklung.

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