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Auftakt mit Zürcher Kunst

Zürcher Kunst in ihrer ganzen Vielfalt

"Warming Up The House"

Werk von Tashi Brauen
Tashi Brauen: "Paper", 2012, Fotografie, 93,4 x 200 cm

Nicht weniger als 27 Künstlerinnen und Künstler versammelt Kurator Rolf Müller bei der Ausstellung „Warming Up The House“ im Museum Bärengasse. Die Ausstellung bildet den Auftakt zu einer Reihe von drei Kunstausstellungen, die bis im Sommer 2013 dauert.



Der älteste Künstler der Ausstellung, Michael Freisager, ist 1924 geboren, der jüngste, der noch kaum bekannte Tashi Brauen, kam 1980 zur Welt. Der älteste Künstler malt gegenständlich, von Pop-Art und Wiener Jugendstil beeinflusst; der jüngste arbeitet im Bereich Fotografie und Installation. Kurator Rolf Müller will in seiner Ausstellung keine bestimmte Generation, kein spezielles Medium, keine Subszene abbilden und auch nicht die „Ernte“ eines Kunstjahres vorzeigen. Der Kurator und frühere Leiter der Galerie artmagazin hat für die Ausstellung „Warming Up The House“ Künstlerinnen und Künstler angefragt, deren Werke ihm aussergewöhnlich und anregend genug erscheinen, um das Museum Bärengasse auch zur Winterszeit gut zu temperieren. Eine deklariert subjektive Auswahl also. Bekanntheitsgrad, Alter, Repräsentativität des Werks sollten bei der Auswahl für „Warming Up The House“ keine Rolle spielen. So kommt es, dass berühmte Namen wie Ugo Rondinone, H.R. Giger oder Walter Pfeiffer neben andere zu stehen kommen, mit denen man bislang kein Werk zu verbinden vermag. Das ist eine Chance für die ausstellenden Künstler und Künstlerinnen – und natürlich auch fürs Publikum, das unbefangen der Neugier nachgehend Entdeckungen wird machen können.

Werk von Ugo Rondinone
Ugo Rondinone: "Clock", 2012, Bleiglasfenster

Viele neue Werke

Die Künstlerinnen und Künstler haben selber vorgeschlagen, welche Werke sie an der Bärengasse zeigen wollen. Viele kommen mit ganz neuen Arbeiten. Ugo Rondinone zeigt ein Beispiel seiner Uhren ohne Zeiger - die Serie „Clock“ wurde gerade eben erst in Glasgow zum ersten Mal vorgestellt. Die Zürcher Kunstpreisträgerin Klaudia Schifferle stellt neue Tierskulpturen vor, Tashi Brauen grossformatige Fotografie. Die Werke in den verwinkelten historischen Gebäuden an der Bärengasse zu platzieren, bildet eine Herausforderung für den Kurator. Dem White Cube im Untergeschoss stehen in den oberen Stockwerken historische Räume völlig verschiedener Ausstrahlung gegenüber. „Es gilt, den richtigen Raum für das einzelne Werk zu finden. Wenn die Wahl stimmt, ist die Umgebung den Arbeiten meist sehr zuträglich“, sagt Rolf Müller. Die Lebendigkeit der zum Teil mit Kachelöfen ausgestatteten Räume verhilft Kunstausstellungen an der Bärengasse zu zusätzlicher Spannung. Bis Sommer 2013 wird hier im Rahmen einer Zwischennutzung Kunst ausgestellt, bevor dann das Money Museum installiert wird.

Werk von Klaudia Schifferle
Klaudia Schifferle: Skulptur, 2012, Unikatgüsse aus Artstone, Bild: Pro Litteris

In der Ausstellung sind Werke zu sehen von Ian Anüll, Luigi Archetti, Sabina Baumann, Reto Boller, Tashi Brauen, Andreas Dobler, Hans Michael Freisager, Katrin Freisager, Marcel Gähler, Pier Geering, Huber.Huber, H.R.Giger, Bruno Jericke, Franziska Koch, Denise Kobler, Pietro Mattioli, Cat Tuong Nguyen, Walter Pfeiffer, Ugo Rondinone, Jenny Rova, Andreas Rüthi, Mario Sala, Klaudia Schifferle, Shirana Shahbazi, Christine Streuli, Hans Witschi und Marc Zeier.

Vernissage: Donnerstag, 6. Dezember 2012, 18 Uhr

Ausstellung: 7. Dezember 2012 bis 13. Januar 2013
Offen: Mi - Do 12 - 18 Uhr
Feiertage: Mittwoch, 26.12.12 und Mittwoch, 2.1.13 offen
Eintritt frei

Tessiner Gäste und eine Wiederentdeckung

Nach „Warming Up The House“ sind im Februar Tessiner bei Zürcher Künstlerinnen und Künstlern an der Bärengasse zu Gast. Dies ist eine Gegeneinladung: Im Frühjahr 2012 waren Zürcher Kunstschaffende von Tessiner KollegInnen eingeladen worden, zusammen in Chiasso auszustellen. Die Ausstellung der Visarte Tessin / Zürich gilt der Auseinandersetzung zeitgenössischer Kunstschaffender mit dem Thema "Räumlichkeit in der Kunst", inspiriert von Giambattista Tiepolo (1696-1770). In Chiasso war der Venezianer in der Ausstellung „Enigma della modernità“ mit seinen Stichen vertreten, in Zürich wird sein Hauptwerk in der Würzburger Residenz durch eine Videoarbeit gegenwärtig sein.

In der Ausstellung „Entdeckt / Wiederentdeckt“ im April wird dann das Werk eines weitgehend vergessenen Zürcher Künstlers der Generation von Friedrich Kuhn und Alex Sadkowsky vorgestellt. Manfred Hölzel (ges. 1994) war Musiker, Dichter, Komponist und Maler in einer Person. Er erschuf sich zur Zeit des dominierenden "Diskurses in der Enge" einen ganz eigenen Kosmos mit theoretischen Schriften, Tagebüchern und Bildern. In diesen scheinen Anklänge an seine Zeitgenossen auf, in ihnen wird aber auch politisches Geschehen thematisiert. Das Werk dieses Künstlers mit unverkennbarem Hang zum Gesamtwerk arbeitet Kurator Rolf Müller zusammen mit der Witwe des Künstlers auf.

Text: Peter Schneider

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