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Die Gastgeber W.I.R.E. & MAS Curating

Ein «Gasthaus zum Bären» für Zürich

W.I.R.E. und Curating ZHdK als GastgeberInnen

Gasthaus zum Bären - Curating The Future
Im «Gasthaus zum Bären» wird kuratiert und debattiert.

In Dialogen zwischen KünstlerInnen, KuratorInnen, WissenschaftlerInnen und Politikerinnen wird im «Gasthaus zum Bären» über die Zukunft nachgedacht: die des Ausstellens und Vermittelns von Kunst und jene des Lebens im urbanen Raum.



Das ist doch eigentlich völlig ungewöhnlich für Zürich, ein Gasthaus zum Bären», bemerkte neulich ein Mitbürger mit Sinn für Ordnung und Tradition. Wie recht er hat! Die Bären gehören eindeutig zu Bern. In Zürich hingegen huldigt man dem Löwen. Und dem Löwenbräu.

Aber nun ist das Ungewöhnliche und Unwahrscheinliche eingetroffen: Zürich hat erstmals ein Gasthaus zum Bären! Sein Domizil ist das Museum Bärengasse, und wie es sich für eine stolze Leuenstadt gehört, ist es ein ganz besonderes Gasthaus. Eines, in dem Wissenschaftler, aber auch an Innovationen interessierte Unternehmer und Unternehmerinnen, junge Kuratorinnen und Kuratoren sowie Kunstschaffende bis Ende 2014 zugleich Gäste und Gastgeber sind.

Das ganz und gar Unwahrscheinliche verdankt sich der Gunst der Stunde. Wobei diese zunächst als Ungunst erschien: Das Museum Bärengasse sollte nach diversen Gastspielen dem privaten Money-Museum zur Verfügung stehen. Doch das Projekt scheiterte im Sommer 2013. Ideen für eine kurzfristige, budgetneutrale kulturelle Zwischennutzung waren gefragt.

Zukunft des Ausstellens

Eine Idee war, den Nachdiplom-Studiengang Curating der Zürcher Hochschule der Künste, der einen Offspace für junge Kuratorinnen und Kuratoren suchte, und den Think Tank W.I.R.E. von ETH und Collegium Helveticum gemeinsam einzuladen. Warum? Weil beide sich auf ihre ganz spezielle Weise mit Zukunftsfragen befassen. Curating tut dies, indem hier künftige Kuratorinnen und Kuratoren lernen, sich mit Fragen des Ausstellens und Vermittelns von Kunst auseinanderzusetzen.

Dorothee Richter, Leiterin MAS Curating, bei der Eröffnung des «Bären» .
Eröffnung des «Bären»: Dorothee Richter ist Leiterin MAS Curating und Herausgeberin des online Magazins www.on-curating.org. Foto: Andreas Bucher

Performance mit Studierenden des MAS Curating der ZHdK, Foto aus Video von Christian Felsnaes
Perfomance beim «Bären» von Studierenden des MAS Curating der ZHdK für das Performance-Video von Christian Felsnaes.

Studierende in einem Workshop und Vortrag der Urbanistin und Kunsthistorikerin Elke Krasny.
Studierende in einem Workshop und Vortrag der Urbanistin und Kunsthistorikerin Elke Krasny.

Manch und mancher mag das argwöhnisch betrachten; älteren Semestern sträuben sich oft die Haare, wenn sie nur schon den Begriff hören. Doch in der heutigen Kunstwelt geht nichts mehr ohne Kuratorinnen und Kuratoren. Der MAS Curating unter der Leitung von Dorothee Richter ist bisher in der Schweiz das einzige seit einiger Zeit etablierte Angebot dieser Art. Im «Gasthaus zum Bären» kann das interessierte Publikum nun an den derzeit aktuellen Fragestellungen und  Diskussionen rund um die Präsentation von Kunst direkt teilhaben.

Zukunft des Stadtlebens

Aktuelle Fragestellungen aufzuwerfen und öffentlich zu diskutieren, das ist auch ein Kernanliegen des Think Tank W.I.R.E. unter Leitung von Stephan Sigrist mit seinem Konzept eines «Hauses der Zukunft». Hier allerdings liegt der Fokus eher auf Themen, die für unsere urbane Lebenswelt eine wachsende Rolle spielen, Fragen zur Mobilität ebenso wie zum  Umgang mit dem knapperen Raum, Fragen zu Ernährungstrends ebenso wie solche zu gesellschaftlichen Entwicklungen. Wissenschaftlerinnen, Unternehmer, Künstlerinnen und Politiker bittet W.I.R.E. ebenso um Antworten wie die allgemeine Öffentlichkeit – und bringt beide mit Ausstellungen, Speed-Datings, Workshops und öffentlichen Gesprächen miteinander ins Gespräch.

Stephan Sigrist leitet den Think Tank W.I.R.E.
Stephan Sigrist, Leiter des Think Tank W.I.R.E. von ETH und Collegium Helveticum, entwirft Szenarien für die urbane Zukunft. Fotos (3): Andreas Bucher

Installation von Thomas Hämmerli und Daniel Cherbuin.
Fröhliche Gäste an der Eröffnung des «Bären» im Licht der Installation des Künstlerduos Daniel Cherbuin und Thomas Hämmerli.

Zukunftsshop: 10 Objekte für Übermorgen.
Zukunftsshop im W.I.R.E.LAB im Entrée des «Bären»: 10 Objekte für übermorgen.

Doch die Kernidee des «Gasthauses zum Bären» besteht darin, dass Curating und W.I.R.E. ihre Projekte im engem Dialog entwickeln. Das frühere Wohnmuseum soll vorübergehend zu einem Experimentierraum werden, an dem sich die beiden Welten, jene der Kunst und jene der Wissenschaft, aber auch die letztlich für beide gleichermassen wichtige der Wirtschaft kreuzen, miteinander verspinnen, da und dort auch in hoffentlich produktive Spannung zueinander treten. Kurz gesagt: Früher ging es an der Bärengasse um historische Wohnformen in Zürich. Und jetzt wird hier darüber nachgedacht, wie wir diese Stadt künftig bewohnen wollen.

Text: Barbara Basting, Ressortleitung Bildende Kunst

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