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Neue Leitung Kunstförderung

Barbara Basting ist als langjährige Redaktorin beim «Du», beim «Tages-Anzeiger» und zuletzt bei SRF2 eine bekannte Stimme der Kunstkritik und Kulturbericht-
erstattung. Ab 1. April 2013 wird sie den Bereich «Förderung Bildende Kunst» der Kulturabteilung der Stadt Zürich leiten. Als Journalistin und als Mitglied von Kunst-Jurys hat sie Einblick in die Produktionsrealitäten von Kunstschaffenden gewonnen - jetzt wird sie für die Abwicklung von Gesuchen um Stipendien und Unterstützungsbeiträge zuständig sein. Auch in subventionierten grösseren Kunstinstitutionen wird sie die Stadt Zürich vertreten. Wie versteht sie ihre Aufgabe? Welch Möglichkeiten sieht sie für die Kunstförderung und wo verortet sie die Zürcher Kunstszene international? Im Interview gibt Barbara Basting Auskunft.

Barbara Basting
Barbara Basting in der Giacometti-Halle, Foto: Juliet Haller

In welchen Szenen und Kunstbereichen fühlen Sie sich besonders zuhause?
Durch meine bisherige Tätigkeit als Journalistin bin ich es gewohnt, mich in ganz unterschiedlichen "Szenen" und Bereichen der Kunst zu bewegen - von den kleinen Off-Produktionsräumen bis zu grossen Häusern, vom Atelier bis zum wissenschaftlichen Kolloquium. Ich fand es immer besonders reizvoll, zwischen diesen "Szenen" oder Bereichen hin- und herzuwechseln und sie als verschiedene Teile oder Aspekte eines umfassenderen Systems zu beobachten. Was meine persönlichen Vorlieben betrifft, so lassen die sich einfach zusammenfassen: Möglichst nah dran an der künstlerischen Produktion und am Prozess ihrer Reflexion.

Sie nehmen beruflich einen Wechsel vom Journalismus zur Verwaltung vor. Ist die Kunstkritik Ihres Erachtens am Ende?
Hoffentlich nicht! Jedenfalls kann man das so generell nicht sagen. Es kommt hier zunächst sehr darauf an, was man unter "Kunstkritik" versteht: Ist sie nur eine bestimmte Textsorte in Zeitungen oder an sonstigen Publikationsorten, eine meist anwaltschaftliche, fördernde Begleitung von Künstlern und Kunst, wie sie parallel zur Moderne aufblühte? Oder ist sie, weiter gefasst, eine kritische Reflexion des Geschehens im - heute sehr komplexen - "Betriebssystem Kunst"? Oder ist sie vor allem eine Art Leitsystem und Service für die Freizeitgesellschaft?

Eins ist allen drei Formen der Kunstkritik gemeinsam: Durch die vom Internet hervorgerufene Strukturkrise der traditionellen Publikumsmedien, aber auch durch Veränderungen im Kunstsystem haben sie sich stark gewandelt. In den traditionellen Publikumsmedien sind die beiden zuerst erwähnten Formen der Kritik, die mich persönlich am meisten interessieren, ganz klar auf dem Rückzug. Vieles von dem, was im Kunstbetrieb der Moderne die Kritiker (und phasenverschoben auch Kritikerinnen) leisteten, nämlich die Vermittlung von Kunst und Gesellschaft, hat sich heute stark in den Bereich des Kuratierens und der Förderung verlagert.

Welche Rolle spielt die Zürcher Kunstlandschaft im nationalen/internationalen Vergleich?
Sie ist vielfältig und international gut vernetzt, sie hat sich in den letzten zwei Jahrzehnten auf bemerkenswerte Weise durchmischt und hat an Selbstbewusstsein gewonnen. Im internationalen Vergleich könnte sie aber noch zulegen. Hiesige Künstler, die international den Durchbruch schaffen, tun dies oft im oder vom Ausland aus, weil dort die Produktionsbedingungen (Kosten) günstiger und auch das kreative oder diskursive oder intellektuelle Klima anregender sind. Viele trendsetzende Entwicklungen im Kunstbereich sind derzeit eher ausserhalb der Schweiz zu beobachten.

Planen Sie grundlegende Umwälzungen im Förderbereich Bildende Kunst?
Zuerst einmal möchte ich den Förderbereich genauer kennenlernen. In der Zürcher Kultur- und Förderpolitik setzt man seit längerem auf Kontinuität und einen hohen Qualitätsanspruch. Beides hat sich bewährt. Das spricht gegen Hauruck-Übungen aller Art. Es gibt abgesehen davon viele laufende Verpflichtungen. Hier kann man nicht einfach von heute auf morgen alles ändern. Und vor allem gibt es einen klaren Gesamtrahmen, das Kultur-Leitbild 2012-2015.

Sehen Sie Möglichkeiten – und vielleicht auch Notwendigkeiten - für eine Form der Zusammenarbeit zwischen privater und öffentlicher Kunstförderung?
Diese Möglichkeiten werden zum Teil jetzt schon genutzt, und man hat dabei wichtige Erfahrungen sammeln können. So sind viele der Zürcher Kunstinstitutionen zugleich durch öffentliche wie durch private Mittel getragen, vom Kunsthaus über die Kunsthalle und das Haus Konstruktiv bis zum Cabaret Voltaire. Inwiefern hier weitere oder engere Partnerschaften sinnvoll und möglich sind, darf man sicher fragen. Grundsätzlich muss man jeweils genau prüfen, ob sich die Zielsetzungen der privaten Förderer und jene der öffentlichen Hand  miteinander vereinbaren lassen. In den letzten Jahren hat man viel über Public-Private-Partnership gehört und gelesen; sie erschienen oft als Patentrezept der Kulturförderung. Weniger intensiv hat man über Public-Public-Partnerships nachgedacht, über Verbindungen zwischen verschiedenen öffentlichen Institutionen, die ein Interesse an Kunst haben. Hier liessen sich ebenfalls zukunftsträchtige Allianzen schmieden.

Interview: Eva Wagner

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