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refaire le monde * PROPOSITION

(English Version see below)

21. September bis 11. November 2018

Vernissage: Donnerstag, 20. September

«Nichts über uns ohne uns»
Performative Intervention von Roma Jam Session art Kollektiv und Kompliz*innen
18 Uhr, Paradeplatz: Parade zum Helmhaus
Sound: Jörg Köppl und Malika Khatir, 4 Megafone, Sprechmanifest: «die grosse um_ordnung»
18.30 Uhr, Helmhaus: Performative um_ordnung des 500 Jahre alten Slogans «Nichts über uns ohne uns»  
Sound: Ilja Komarov spielt auf einem ägyptischen selbstgebauten Streichinstrument. Text: Mo Diener
19 Uhr, Simon Maurer und Daniel Morgenthaler informieren über die Ausstellung.

In der Ausstellung POSITION haben sich Künstler*innen zur Welt positioniert. In EX-POSITION hat Gianni Motti uns exponiert, uns alle ausgestellt. PROPOSITION ist der letzte Teil der Ausstellungstrilogie «refaire le monde». Darin geben uns Künstler*innen konkrete Vorschläge, wie die Welt neu gemacht werden muss, soll, kann oder darf.

Corina Gamma, SILA and the Gatekeepers of the Arctic, 2015, Videodokumentation, 70 min.
Corina Gamma, SILA and the Gatekeepers of the Arctic, 2015, Videodokumentation, 70 min.

Der Anspruch der Ausstellungstrilogie «refaire le monde» ist ehrgeizig: Die Welt nicht nur verändern, sondern gleich neu machen, «re-faire»? Künstler*innen erfinden die Welt mit jedem Kunstwerk ein wenig neu. Und sie stehen mit in der Verantwortung für eine andere, neue, gerechtere Welt. Indem Kunst sich seit jeher den grossen Fragen stellt, kann sie ein guter Ratgeber und Wegweiser sein.

Die erste Ausstellung des Zyklus «refaire le monde», POSITION, war eine Standortbestimmung: Die düstere Grundstimmung wurde da und dort erhellt von einem möglichen Hoffnungsschimmer. Mit der zweiten, EX-POSITION, rückte im Frühsommer der Genfer Künstler Gianni Motti mit meterweise Stacheldraht ein Schlaglicht auf zwei Möglichkeiten: Freiheit oder Gefangenschaft. In der dritten Ausstellung nun, PROPOSITION, leuchtet das Licht klarer, das mögliche Wege in die Zukunft zeigt. Die Künstler*innen dieser Ausstellung machen Vorschläge, wie wir der Zukunft eine andere Welt in die Hand geben können, als die, auf die wir sonst unweigerlich zusteuern.

verein für um_ordnung in Koproduktion mit Gessnerallee Zürich, die grosse um_ordnung, Mai 2018. Foto: Yvon Baumann.
verein für um_ordnung in Koproduktion mit Gessnerallee Zürich, die grosse um_ordnung, Mai 2018. Foto: Yvon Baumann.

So stellt das aktivistische, interdisziplinäre Kunstprojekt «die grosse um_ordnung» die Verhältnisse auf den Kopf und macht sich stark für die Umverteilung von Privilegien. Auch der neu gegründete Verein Club La Fafa will Differenzen – zwischen Geflüchteten und Einheimischen, beispielsweise – fruchtbar machen. Die Zürcherin Asia Andrzejka Merlin wiederum nomadisiert unter dem Titel «Brainstorming the Brainwashing» mit einer Gesprächsreihe (jeden Sonntag von 14 bis 17 Uhr) durchs Helmhaus und seift den Besucher*innen mit drängenden Fragen ihr Denkorgan ein. Während Tanja Roscics traumwandlerische, zauberhafte, beschwörende Kunst in vergangene Zeiten und verborgene Räume führt – und unsere Innenwelt neu macht.

In Ursula Biemanns Video «21%» wird eine zeitgenössische Superhexe gegen die Abnahme von Sauerstoff durch die Erderwärmung in der Atmosphäre aktiv und verbindet den Stoffwechsel des Menschen mit dem der Erde. Die Schweizer Filmregisseurin Corina Gamma verfolgt dagegen in ihrem eindrücklichen Dokumentarfilm «SILA and the Gatekeepers of the Arctic» den ökologischen und gesellschaftlichen Wandel in Grönland, einem fragilen Hot Spot der Erderwärmung.

  

Veranstaltungen

Veranstaltung in der Ausstellung «refaire le monde * POSITION» aus welcher der Club La Fafa entstand. Foto: Peter Schneider.
Veranstaltung in der Ausstellung «refaire le monde * POSITION» aus welcher der Club La Fafa entstand. Foto: Peter Schneider.

Eine Möglichkeit zur aktiven Teilnahme am Club La Fafa bietet sich zum Beispiel an den öffentlichen Vereinssitzungen vom 4. und 18. Oktober 2018. An der «grossen um_ordnung» mitdenken kannst Du an drei intersektionalen Suppengesprächen, an denen auch besprochen wird, wie die um_ordnung nach der Ausstellung PROPOSITION weitergetrieben werden kann (27. September, 25. Oktober und 8. November 2018, auf Anmeldung). Für «Brainstorming the Brainwashing», ein weiteres periodisches Veranstaltungsformat, lädt Asia Andrzejka Merlin jeden Sonntag zum Gespräch ein über eine existenzielle Frage wie «Weshalb denke ich, erfolgreich sein zu müssen?».

Während eine Performance des Roma Jam Session art Kollektiv am Vernissagenabend den bekannten aktivistischen Slogan «Nichts über uns ohne uns» neu belebt (20. September 2018, 18 Uhr, Paradeplatz), wird die Protagonistin des Videos «21%» von Ursula Biemann an einem Abend lebendig: Die Künstlerin und Kooperationspartnerin von Ursula Biemann, Mo Diener, performt die Szenen aus dem Film live, anschliessend sprechen die Künstlerinnen mit der Dozentin und Kuratorin Yvonne Volkart (26. Oktober 2018). Gleich am ersten Wochenende der Ausstellung spricht die Filmemacherin Corina Gamma über Ihren in der Ausstellung gezeigten Film «SILA and the Gatekeepers of the Arctic» (23. September 2018), während die Professorin und Präsidentin der Akademie der Künste in Berlin, Jeanine Meerapfel, an einem Dienstagabend ihren Film «Die Kümmeltürkin geht» zeigt und mit Simon Maurer die Aktualität des 1984 gedrehten Werks diskutiert (30. Oktober 2018).

Die «Problemzone» ist diesmal die ganze Welt: In der Helmhaus-Gesprächsreihe über die Schwierigkeiten des Ausstellungsmachens reden diesmal die Künstlerin Tanja Roscic und der Künstler A.C. Kupper über das Kunstmachen in einer Welt, die weh macht (11. Oktober 2018). Die 5-Uhr-These, ein weiteres regelmässig stattfindendes Gesprächsformat, dreht sich diesmal um ein nicht minder brennendes Thema, die Erderwärmung: Der Wissenschaftsjournalist und Initiant der Gletscherinitiative, Marcel Hänggi, äussert sich zur Behauptung: «Zum Stoppen der Erderwärmung braucht es null Kohle» (7. November 2018). Ob die Technologie uns mehr und mehr vor sich her treibt, darum geht es an einem Podiumsgespräch zu Big Data mit, unter Anderen, dem Datenschutzbeauftragten des Kantons Zürich Bruno Baeriswyl und der Medienpsychologin Sarah Genner (1. November 2018), während wir in einem samstäglichen Workshop des Deutschschweizer Netzwerks Schwarzer* Frauen* rassismuskritisch denken lernen (3. November 2018).

Neues Gesprächsformat: «Rederei»

Das Helmhaus ist seit 500 Jahren eine Anlegestelle direkt an der Limmat: ein Ort zum Ankommen, Verhandeln, Austauschen. Heute ist es Umschlagplatz für Ideen, Ansichten, Inhalte. Die «Rederei» ist ein neues Helmhaus-Format, ein Gesprächsangebot: An drei Tagen in der Woche sind Reder*innen mit unterschiedlichen Hintergründen und Lebensläufen in der Ausstellung anwesend – um zu reden. Über die Kunst und alles, was sie auslöst. Irgendwann zwischen 11 und 18 Uhr (Jeweils donnerstags, samstags und sonntags).

  

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