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Die Helmhaus-Re(e)derei

Alles im Fluss

Historisch betrachtet ist Zürich eine Stadt am Fluss. Die Limmat war ein wichtiger Handelsweg mit Hafen und Güterumschlagplatz an der ehemaligen Schipfe. Und mitten im Fluss stand die Wasserkirche, später kam das Helmhaus dazu. Unter der gehelmten (gedeckten) Halle wurden öffentliche Amtshandlungen vollzogen sowie Handel mit Textilien und Leinwänden betrieben. Heute gleicht das Helmhaus eher einer Werft, die – einmal in Gestalt eines Fährboots, ein anderes Mal in Form eines Motorboots oder eines Passagierschiffes – Ausstellungen baut, um gemeinsam mit den Künstlerinnen und Künstlern und deren Frachtgut fünfmal im Jahr zu einer Jungfernfahrt abzulegen.

Gemeinsames Navigieren durch stürmische Gewässer

Zu neuen Ufern

Da der Kunst nachgesagt wird, sie sei ein sperriges Gut, verklausuliert daherkomme und folglich schwer zu vermitteln, bieten Kunstinstitutionen Führungen durch ihre Ausstellungen an, um solche Vorurteile abzubauen. Geboten wird in der Regel Inhaltsvermittlung, bei der eine fachkundige Person Informationen zu Werken und KünstlerInnen sowie kunsthistorische Erläuterungen liefert. Damit die Besucherinnen und Besucher des Helmhauses den Kurs mitbestimmen können und das Steuer nicht einem Kapitän überlassen müssen, hat es RederInnen angeheuert. Diese suchen nach Fahrgästen, die auch selber mal das Ruder in die Hand nehmen wollen. In gemeinsamen Gesprächen mit den BesucherInnen wird Gesehenes und Erlebtes diskutiert. Denn über Ziele und Güter, ob materieller oder immaterieller Art, lässt sich am gewinnbringendsten im direkten Austausch mit einem Partner verhandeln.

Kursfahrt mit Rederin über die Kunst, die Ausstellung und das Helmhaus.

Individuelle Fahrt

Die Besatzung besteht aus acht Personen unterschiedlicher Generationen und ganz verschiedener Lebensläufe. Die Rederinnen und Reder wandeln mehrmals pro Ausstellung für einige Stunden auf Deck, um Passagiere einzuladen, mit ihnen ihre Eindrücke zu teilen. Das Vermittlungskonzept ist verblüffend einfach: Kunst wird, vor dem Hintergrund vielfältiger Erfahrungen und aus unterschiedlichen Perspektiven – jedoch immer auf Augenhöhe – diskutiert. Im Vordergrund steht nicht die Vermittlung, sondern ein fruchtbarer Austausch für beide Seiten. Doch vielmehr als von einem, muss von acht Konzepten gesprochen werden. Denn jede Rederin, jeder Reder, geht mit dem Auftrag anders um. So charakteristisch die RederIn, so individuell der Gast, so einzigartig die Fahrt, die manchmal ruhig schippernd, manchmal stürmisch durch die Gewässer führt.

Text: Nathalie Killias
Foto: Zoe Tempest / Grafik: Urs Lehni

Rederei: während Ausstellungen jeweils donnerstags, samstags und sonntags, irgendwann zwischen 11 und 18 Uhr.

Ausstellungen:
«Kunststipendien der Stadt Zürich 2019»: Bis Sonntag, 8. September 2019
«Auf der Suche –*»: Vernissage Donnerstag, 26. September 2019; Ausstellung bis Sonntag, 17. November 2019
 

Helmhaus Zürich
Limmatquai 31, 8001 Zürich

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