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Eine begehbare Zeichnung

Die aktuelle Ausstellung «Träume werden wahr» im Helmhaus Zürich zeigt fünf Künstlerinnen, die sich mit Traum und Wahrheit beschäftigen und die alle das Medium der Zeichnung einsetzen. Bei Franziska Furter greift die filigrane Zeichnung weit in den Ausstellungsraum aus: Die Künstlerin zeichnet mit Rohren und schafft diskrete Kontakte zwischen Linien und Geflechten.

Franziska Furter

Die Künstlerin Franziska Furter zeichnet im Helmhaus Zürich mit schwarzen Wasserrohren ein System in den Raum, das an einen offengelegten Kreislauf erinnert, in dessen Gefässen verflüssigte Elemente zirkulieren, die, so stelle ich mir vor, mal wild vorbeirauschen, sich mal in den Gewinden verheddern oder in den Seitenwänden auf immer verschwinden. Anders verhält es sich mit den bunten Geflechten, die einen luftig-leicht flatternd, andere filigran verflochten oder straff verknotet, die sich zwischen dem Gerüst aufspannen. Sie bremsen die virtuelle Bewegung aus und fordern zum Innehalten auf.

Waveland/Bade, 2019

Nathalie Killias: Franziska Furter, warum bezeichnen Sie Ihre Installation «The waves broke and spread their waters swiftly over the shore» als Zeichnung und was verstehen Sie darunter?

Franziska Furter: Ich nenne alle meine Arbeiten Zeichnungen, da ich immer von der Linie ausgehe oder die Linie eine wichtige Rolle spielt. Zeichnung bedeutet für mich etwas Leichtes, Temporäres, Ephemeres, etwas, was sich vielleicht auch noch verändern kann, wenn man gerade mal nicht hinschaut. Der eine Teil der Installation sind die schwarzen Rohre, die durch den Raum mäandern wie Gedankenströme. Der andere Teil sind die einzelnen Arbeiten, die an den Rohren hängen oder sich um sie schmiegen wie Ideen innerhalb von Gedankenketten.

Raumansicht mit Trap/Rmyi, 2019 & Trap/Ansa, 2019

Welchen Bezug hat die Installation zum Raum und welche Überlegungen stehen hinter der bewussten Wahl der Rohre?

Ich habe nach einem Material gesucht, mit welchem ich im Raum zeichnen kann, das eine feste Struktur ermöglicht und bespielbar ist. Da boten sich Wasserrohre an, die kann man verschrauben und raumgreifend montieren. Und Rohre sind durchlässig, sie evozieren  Bewegung, nicht Stillstand. Die Rohrstruktur entstand speziell für diesen Raum, um ihn zu ‹durchzeichnen› und die anderen Arbeiten zu verbinden. So ist sie nicht nur Stütze oder Sockel, sondern selber Zeichnung und Teil der Arbeit.

Black Cloud, 2019

Die Rohrkonstruktion weist eine klare Gliederung auf. Dahingegen wirken die verknüpften Objekte dazwischen eher subtil und zufällig platziert. Wie verhalten sich die beiden zueinander, auch in Bezug auf die Materialisierung?

Beide Teile sind gleichzeitig für diesen weissen, aquariumähnlichen Raum entstanden. Die Struktur ist nicht zufällig und die an der Rohrkonstruktion angebrachten Arbeiten sind «Verdichtungen», die bewusst gesetzt oder auch ganz selbstverständlich angebracht sind. Die «Verdichtungen» in dieser Installation beziehen sich auf verschiedene Bräuche des Volksglaubens wie Talismane, Amulette und Knotengebilde. Diese Elemente gelten als Glückssymbole, sie werden gegen den bösen Blick eingesetzt oder die bösen Geister sollen sich darin verheddern.

Helfen Sie dabei, dass «gute» Träume wahr werden?

Hoffentlich!

Text: Nathalie Killias
Fotos: Zoe Tempest (Ausstellungsansichten), Franziska Furter (Porträt)
Homepage Franziska Furter 

Helmhaus Zürich «Träume werden wahr», Ausstellung und Veranstaltungen bis 16. Juni 2019. Mit Werken von Sylvette Burckhardt, Franziska Furter, Sabine Schlatter, Frederike Schweizer, Agnès Wyler.

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