Global Navigation

Wildes Zirkulieren von Gedanken

Vinzenz Meyner - Grafiker und Künstler

Wildes Zirkulieren von Gedanken

Widrige Umstände bringen das Ausstellungsprogramm im Helmhaus erneut zum Zirkulieren und die gleichnamige Ausstellung «ZIRKULIERE!» läuft voraussichtlich erst am 23. April an. Die Ausstellungseröffnung ist wiederholt verschoben worden – der Grafiker und Künstler Vinzenz Meyner ist denn auch seit geraumer Zeit daran, die grafische Umsetzung des Ausstellungsplakats zu gestalten. Wird die Ausstellung dann einmal eröffnet, tritt die Grafik, die den Inhalt nach aussen kommuniziert und die für den Besuch der Ausstellung wirbt, in den Hintergrund. 

Warum also nicht den Fokus auf einen ästhetischen Schaffensprozess lenken, der im Ausstellungsbetrieb, der sich im Kern um Künstler*innen dreht, gelegentlich übersehen wird? Von der Ideenfindung über die Ausformulierung bis zur Produktion wollten wir von Vinzenz Meyner wissen, wie es zur visuellen Übersetzung des Ausstellungsthemas kam?

Sedimentärer Arbeitsprozess

Die Gestaltung des Ausstellungsplakates ist ebenso vielschichtig wie die Ausstellung, für die sie wirbt. Das Plakat kombiniert eine typografische Ebene, auf der Vinzenz Meyner als strengen Stilist auftritt, mit einer gestalterischen Basis, die seinen assoziativen Schaffensprozess widerspiegelt. Übereinandergelegt ergeben die beiden Ebenen ein vollständiges Bild. Der informierende Teil, der formal an ein staubtrockenes Amtsdokument erinnert, weist auf Titel, Dauer und Ort der Ausstellung hin. Das darunterliegende Blatt zeigt additiv geschichtete Elemente, die sich nicht auf die Schnelle decodieren lassen. Dieses trägt die persönliche Handschrift von Vinzenz Meyner und zeigt die Vorgehensweise in seinem künstlerischen Schaffen.

Ein-Blick

Dem Titel der Ausstellung «ZIRKULIERE!» geht ein Zitat aus Friedrich Glausers gleichnamiger Romanverfilmung «Matto regiert» voraus. In einer Szene von Leopold Lindtbergs Film mit Heinrich Gretler als Wachtmeister Studer «pfeift» der Portier Hans Dreyer einen Anstaltsinsassen an, zu «zirkulieren». 

Mit dem Roman «Matto regiert» gewährt uns Friedrich Glauser einen Blick hinter die Mauern einer psychiatrischen Anstalt der 20er-Jahre. Hinter einer Dachluke sitze Matto, der Geist des Wahnsinns, der überall regiere und seine silbernen Fäden spinne, wie es im Roman heisst.

So ist auch bei Vinzenz Meyner das Fenster eines der wiederkehrenden Bildelemente. Durch dieses entführt uns der Künstler in seine assoziative Gedankenwelt, in ein Universum aus einer vielfältigen Formensprache, die inhaltlich zwischen Sachverhalt und subjektiver Ideenfolge wechselt.

Kreislauf

Notizen vom Helmhaus zu Vinzenz Meyners Plakatentwurf
Notizen vom Helmhaus zu Vinzenz Meyners Plakatentwurf

Um die Komplexität von Vinzenz Meyners Vorgehensweise zu erfassen, haben wir uns seiner Methodik bedient. Entstanden ist ein mit Randnotizen und Skizzen ergänztes Dokument, das wir zurück in den Kreislauf geben, mit der Aufforderung, es mit eigenen Anmerkungen und Zeichnungen zu ergänzen. 

Text: Nathalie Killias und Arathy Pathmanathan
Bild: Vinzenz Meyner

Weitere Informationen