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refaire le monde * EX-POSITION * Gianni Motti

18. Mai bis 17. Juni 2018

Vernissage: Donnerstag, 17. Mai 2018, 18 Uhr

Gianni Motti: Moneybox, Installation, 2009, Centre d'art La Ferme du Buisson, Paris
Gianni Motti: Moneybox, Installation, 2009, Centre d'art La Ferme du Buisson, Paris

refaire le monde: Das Helmhaus Zürich nimmt einen Anlauf, die Welt in einer Ausstellungstrilogie neu zu machen. Zwischen den Ausstellungen POSITION und PROPOSITION ist nun ein steiniger Weg zu gehen und eine schmerzhafte Abgrenzung zu überwinden: «refaire le monde * EX-POSITION» erweitert den öffentlichen Raum in die heiligen Hallen des Museums, begrenzt und grenzenlos – und als soziales Erlebnis für die BesucherInnen, das man so schnell nicht wieder vergessen wird.

Gianni Motti: Uplift, 2016, Manifesta 11, Zürich. Foto: Sonja Berta
Gianni Motti: Uplift, 2016, Manifesta 11, Zürich. Foto: Sonja Berta

Die erste Ausstellung der «refaire le monde»-Trilogie, «POSITION» (9. März bis 6. Mai), war ein Wechselbad zwischen politischer und ästhetischer Kunst. Wir ertappten uns dabei, wie blind wir in der Weltgeschichte unserer Gegenwart umhergehen. Wie fern und zugleich nah uns zum Beispiel Afrika ist: So nah uns die Gräuel in der Zentralafrikanischen Republik im Film «Cahier Africain» von Heidi Specogna gingen, so fern konnte uns dieses angeblich ärmste Land der Welt bleiben. Bis wir vielleicht zufällig im Tram im reichen Zürich neben jemandem sitzen, der exakt jenen Gräueln entkommen ist. Raphael Perrets Projekt mit Bewohner/innen des Übergangszentrums Halle 9 in Zürich Oerlikon gibt Menschen mit solchen Schicksalen eine Stimme. So zeigt sich das Globale und das Lokale untrennbar miteinander verhängt. Wie Kunst und Politik: jede Kunst ist politisch – gerade auch die vermeintlich apolitische. Und wie die kulturellen Gattungen Musik, Film und Bildende Kunst: Sie wurden in «refaire le monde * POSITION» in eine dramaturgische Abfolge gesetzt. In «refaire le monde * PROPOSITION» (Vernissage: 20. September 2018) wird dann schliesslich eine Reihe von Ideen präsentiert.

Giani Motti: Sans Titre, 2013, exposition "Elevation 1049", Gstaad
Giani Motti: Sans Titre, 2013, exposition "Elevation 1049", Gstaad

Dazwischen schiebt sich nun, quasi als Scharnier – hart und metallisch –, die Ausstellung «refaire le monde * EX-POSITION» von einem Künstler, der bekannt ist für seine politischen, performativen Konzepte: Gianni Motti (*1958), aufgewachsen in Italien, seit Jahrzehnten Wahl-Genfer. Seine Ausstellungen sind Ereignisse und setzen provozierende Bilder in die Welt, die man nicht vorwegnehmen darf: Sie leben von der Überraschung und hallen nach. Die Werke, die Motti im Helmhaus zeigt, stehen in der Tradition von radikalen künstlerischen Setzungen, die auch das Ausstellen an sich und die Ausstellungsinstitution zum Thema machen. Daniele Buetti verwandelte das Helmhaus während des Irak-Kriegs in ein einziges Katastrophenszenario. Asia Andrzejka Naveen liess eine Gruppe von elf Leuten wochenlang im Helmhaus wohnen. Und Santiago Sierra verbarrikadierte die Institution – ausgerechnet während der Manifesta.

Gianni Mottis Konzepte für das Helmhaus, für Zürich, stehen in der Tradition dieser begehbaren, sozial erlebbaren Raumerfahrungen, die in die Ausstellungs- und Kunstgeschichte eingegangen sind. Gemeinsam mit Christoph Büchel hat er schon einmal das Helmhaus – und die Zürcher Politik – an die Grenzen gebracht: 2002 mit der Ausstellung «Capital Affair». Das Ausstellungsbudget von 50'000 Fr. versteckten die beiden Künstler in Form eines Schecks in den leeren Ausstellungssälen des Helmhaus. Der Scheck ist immer noch versteckt – die Ausstellung wurde damals abgesagt. Nun kehrt Motti ins Helmhaus zurück, 50 Jahre nach 1968. Mit Arbeiten, die die Strasse ins Haus bringen und die Grenze ganz nah und bedrohlich an unsere Haut.

Gianni Motti: First Step in Belgium, 2010, Bronze: 17 x 56 x 56 cm
Gianni Motti: First Step in Belgium, 2010, Bronze: 17 x 56 x 56 cm

Veranstaltungen

Violinist Tobias Preisig: Konzert am 22. Mai
Violinist Tobias Preisig: Konzert am 22. Mai

Während das Veranstaltungsprogramm zur Ausstellung uns äusserst prominente Denkerinnen und Denker nahebringt: Bereits einen Tag vor der Vernissage, am 16. Mai 2018, treffen zwei bekannte Wissenschaftlerinnen und Aktivistinnen in einer Installation des Künstlers aufeinander. Die Italienerin Silvia Federici, Professorin für politische Philosophie und Autorin der einflussreichen feministischen Schrift «Caliban und die Hexe – Frauen, der Körper und die ursprüngliche Akkumulation», diskutiert mit der feministischen Ökonomin Mascha Madörin über systematische Ausgrenzung, historisch gewachsene Diskriminierung – und worüber sich zwei linke Feministinnen heute doch noch uneinig sein können. Auch Ständerat und Gewerkschaftsbundpräsident Paul Rechsteiner argumentiert in einer 5-Uhr-These stimmgewaltig gegen die soziale Ungleichheit (30. Mai 2018), während am 14. Juni 2018 der Freiheitsentzug in der Schweiz verhandelt wird: Daniel Fink, Autor des an diesem Abend vorgestellten Buches «Freiheitsentzug in der Schweiz – Formen, Effizienz, Bedeutung», spricht mit ExpertInnen über die statistischen und ethischen Ungereimtheiten im Schweizer Strafvollzug.

In der Helmhausreihe «Willkommen in der Problemzone! Ausstellungen machen – weh» wird diesmal das Ausstellen auch im Gespräch exponiert: Mit Gianni Motti, Asia Andrzejka Naveen und Daniele Buetti kommen drei Kunstschaffende zu Wort, die schon die Institution, das Publikum – und uns KuratorInnen – konstruktiv herausgefordert haben (7. Juni 2018). Und mit Tobias Preisig reagiert schliesslich ein grenzgängerischer Violinist in einem Konzert auf die grenzgängerische Installation von Gianni Motti (22. Mai 2018).

die grosse um_ordnung

refaire le monde: in Deutsch könnte das auch heissen, die Welt umordnen. Nicht weniger als das haben die Kunstschaffenden Sabian Baumann, Rahel El-Maawi, Tim Zulauf und Diana Bärmann mit ihrem Projekt «die grosse um_ordnung» vor, einer politischen Kunstaktion gegen Sexismus, Rassismus, Behindertenfeindlichkeit… Im Mai fordert das Kollektiv auf dem Zürcher Helvetiaplatz und im Theaterhaus Gessnerallee Privilegien für alle, statt nur für wenige. Im September wird «die grosse um_ordnung» dann auch in der Gruppenausstellung «refaire le monde * PROPOSITION» im Helmhaus Zürich weitergetrieben.

  

Das Programm

Vernissage

Donnerstag, 17. Mai 2018, 18 Uhr
19 Uhr:   Begrüssung, Informationen zur Ausstellung
Simon Maurer und Daniel Morgenthaler, Kuratoren

Veranstaltungen

Vor der Vernissage:
Mittwoch, 16. Mai 2018, 19 Uhr
Silvia Federici und Mascha Madörin
Silvia Federici, politische Philosophin, und Mascha Madörin, Ökonomin, im Gespräch mit Mirjam Bayerdörfer (in Englisch)
Mit-DiskutantInnen: Daniel Morgenthaler, Julia Moritz, Talaya Schmid, Marie-Antoinete Chiarenza und Daniel Hauser sowie eine Gruppe von F+F-StudentInnen
Ein Guest Talk der F+F Schule für Kunst und Design
Ab 19 Uhr und nach dem Gespräch laufen Videos von RELAX, die diese mit den beiden Protagonistinnen realisiert haben. Das Gespräch beginnt um 20 Uhr.

Dienstag, 22. Mai 2018, 20.30 Uhr
Konzert Tobias Preisig – Solo
Haunting Impro & Sonic Space

Schleifend, klauend, flüsternd unf brüllend schiebt Tobias Preisig seine Violine aus der stereotypen Welt heraus, auf die er zu oft beschränkt ist, um virtuos ein zeitgenössisches Violinenvokabular zu entwickeln, das zugleich anmutig und brutal, meditativ und nervös ist.

Mittwoch, 30. Mai 2018, 17 Uhr
5-Uhr-These: «Die fatalen Tendenzen zu sozialer Ungleichheit müssen gebrochen werden»
Paul Rechsteiner, Ständerat und Präsident Schweizerischer Gewerkschaftsbund, im Gespräch mit Daniel Morgenthaler

Donnerstag, 7. Juni 2018, 18.30 Uhr
Willkommen in der Problemzone! Ausstellungen machen – weh.
«Exponieren wir das Exponieren!»
Gianni Motti, Asia Andrzejka Naveen und Daniele Buetti im Gespräch mit Simon Maurer

Donnerstag, 14. Juni 2018, 18.30 Uhr
«Freiheitsentzug in der Schweiz»
Daniel Fink, Autor des Buches «Freiheitsentzug in der Schweiz – Formen, Effizienz, Bedeutung», Andreas Naegeli, Direktor der Justitzvollzugsanstalt Pöschwies, und Melanie Wegel, ZHAW Soziale Arbeit, im Gespräch mit Catherine Boss, Recherchedesk Tamedia.
Anschliessend Buchvernissage «Freiheitsentzug in der Schweiz – Formen, Effizienz, Bedeutung», NZZ Libro

Führungen

Sonntag, 20. Mai 2018, 11 Uhr, mit Daniel Morgenthaler

Sonntag, 27. Mai 2018, 11 Uhr, Parallelführung für Kinder ab 5 Jahren und ihre Eltern, mit Kristina Gersbach und Andrea Huber

Donnerstag, 31. Mai 2018, 18.30 Uhr, mit Kristina Gersbach

Sonntag, 10. Juni 2018, 11 Uhr, mit Kristina Gersbach

Sonntag, 17. Juni 2018, 11 Uhr, mit Simon Maurer

Kinder in der Ausstellung

Sonntag, 27. Mai 2018, 11 Uhr, Parallelführung für Kinder ab 5 Jahren und ihre Eltern, mit Kristina Gersbach und Andrea Huber

Samstag, 2. Juni 2018, 14 Uhr
Kinderführung, Ateliertisch für Kinder ab 5 Jahren, mit Andrea Huber

  

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