Elodie Pong - Paradise Paradoxe

11. März bis 8. Mai 2016

Vernissage: Donnerstag, 10. März 2016, 18 Uhr

Elodie Pong - Paradise Paradoxe, Videostill 06, 2016.
Elodie Pong - Paradise Paradoxe, Videostill 06, 2016.

Augen kann man schliessen – die Nase nicht. Die Zürcher Video- und Installations-künstlerin Elodie Pong nimmt die unsichtbare Geruchsarchitektur, die uns umgibt, zum Ausgangspunkt für ihre Einzelausstellung im Helmhaus Zürich. Die Besucher-Innen begegnen Pflanzen, die im 3-D-Drucker gewachsen sind, einem Roboter, der Parfümnamen an die Wand wirft – und einem noch nie gerochenen Duft. 

 

Kunst zum Riechen – die gleichzeitig neue Wahrnehmungsfelder eröffnet: Die in Zürich lebende Künstlerin Elodie Pong untersucht Gerüche als essenzielle Bedeutungsträger und Metaphern für unsere flüssige Zeit. Düfte schaffen nonverbale Verbindungen zwischen Menschen, Objekten und Orten. Werden wir an der Nase herumgeführt? Leben wir in einer «Schönen Neuen Welt» des Geruchs, in Anlehnung an Aldous Huxleys dunklen Zukunft-sroman? Oder birgt das Olfaktorische vielmehr utopisches – vielleicht sogar, wie im Titel der Schau, paradiesisches – Potenzial?

Elodie Pong - Paradise Paradoxe, Videostill 05, 2016.
Elodie Pong - Paradise Paradoxe, Videostill 05, 2016.

Elodie Pong - Paradise Paradoxe, Videostill 03, 2016.
Elodie Pong - Paradise Paradoxe, Videostill 03, 2016.

Elodie Pong - Paradise Paradoxe, Videostill 04, 2016.
Elodie Pong - Paradise Paradoxe, Videostill 04, 2016.

In einem weiteren Saal der Schau – der ersten reinen Einzelausstellung im Helmhaus Zürich seit San Kellers «Spoken Work», 2012 – lässt Elodie Pong einen Projektor sich im Raum bewegen, und zwar ähnlich zufällig, wie das die unzähligen Geruchsmoleküle um uns herum tun. Der auf einem Roboter installierte Beamer projiziert Parfümnamen an die Wand – darunter auch «Paradise» und «Paradoxe», die durch Zufall bei der Ausstellungsvorbe-reitung auf dem Computerbildschirm nebeneinander standen und zum Ausstellungstitel wurden. Die Namen sind ein Werkzeug der milliardenschweren Parfümindustrie, etwas zu benennen, wofür wir kaum eine Sprache haben: Während wir visuelle und hörbare Reize schlüssiger verbalisieren können, stossen wir beim Geruch an Grenzen – und behelfen uns mit paradiesischen, gut vermarktbaren Placebo-Geschichten.


Mit dem bekannten Duftforscher Roman Kaiser hat Elodie Pong für die Ausstellung schliess-lich gar einen neuen Geruch kreiert. Für Düfte und unsere Wahrnehmung davon gilt: Man bekommt keine zweite Chance, einen ersten Eindruck zu machen. «Elodie Pong – Paradise Paradoxe» wird über Auge und Ohr und vor allem über den Geruchssinn sehr direkt ins Gehirn der BesucherInnen eingehen – und sich dort für immer einschreiben.

 

Grosses Rahmenprogramm

Elodie Pong - Paradise Paradoxe, Videostill 01, 2016.
Elodie Pong - Paradise Paradoxe, Videostill 01, 2016.

Publikation

Zur Ausstellung erscheint Mitte April die Publikation «Elodie Pong – Paradise Paradoxe» in der Edition Patrick Frey, Zürich. Das vom Grafikbüro Huber/Sterzinger gestaltete Buch erweitert die Thematik der Ausstellung mit Texten des Philosophen Georg Kohler, der GendertheoretikerIn Jack Halberstam oder dem Neurowissenschafter Andreas Keller und vielen weiteren AutorInnen um prägnante Nuancen (Buchvernissage am 14.4., 18.30 Uhr).

Veranstaltungen: Gespräche, Videos, Performances und Konzerte

Das Rahmenprogramm zur Ausstellung ist äusserst vielfältig: Vier Gesprächsrunden, zwei
5-Uhr-Thesen, zwei Konzerte, drei musikalische Workshops, Führungen für Erwachsene und für Kinder sowie eine aus Birmingham übertragene Online-Performance (1.4., 19.45 Uhr) vertiefen die Thematik der Ausstellung. Die Künstlerin selbst gibt Auskunft in einem Ge-spräch mit Bettina Steinbrügge, Leiterin des Kunstvereins in Hamburg (17.3., 18.30 Uhr), sowie im Austausch mit Geruchprofis: Unter dem Titel «Smell Talk» begegnen sich der Neurowissenschafter Andreas Keller und Sebastian Fischenich, Gründer des Parfümlabels Humiecki & Graef (21.4., 18.30 Uhr). Elodie Pong ist zudem anwesend im ersten Anlass der neuen Gesprächsreihe «Willkommen in der Problemzone! Ausstellungen machen – weh»: Die Künstlerin unterhält sich mit Kurator Daniel Morgenthaler über die Entstehung der Ausstellung (20.4., 17 Uhr). Künftig werden in dieser Veranstaltungsreihe KünstlerInnen, TechnikerInnen, EmpfangsmitarbeiterInnen und KuratorInnen regelmässig über Freuden und Leiden des Ausstellungsmachens Auskunft geben.

In der bereits etablierten Reihe der 5-Uhr-Thesen wird der Philosophieprofessor Georg Kohler konfrontiert mit der Behauptung «Gerüche sind ideale Metaphern für unsere flüssige Moderne» (23.3., 17 Uhr). In der zweiten 5-Uhr-These äussert sich der Chemiker und Duft-forscher Roman Kaiser zur These «Synthetische Duftstoffe sind natürlich immer von der Natur inspiriert» (27.4., 17 Uhr). Schliesslich sind zwei Videopremieren angesagt: Luc Gut zeigt seine Arbeit «OS LOVE» (31.3., 18.30 Uhr), während De La Fuente Oscar De Franco einen im Rahmen der Helmhaus-Ausstellung «BLUECORE» (Frühjahr 2015) entstandenen Film vorstellt (28.4., 18.30 Uhr). Auf überraschende Pfade führen auch die Konzerte der Ausstellung: Björn Magnusson & The Cold Fiction Rehearsal bieten improvisierte Rock-Collagen (16.3., 20.30 Uhr). Und Dorit Chrysler spielt lyrische Popsongs auf dem 1920 erfundenen Theremin, einem der ältesten elektronischen Musikinstrumente (9.4., 20.30 Uhr). Zusätzlich gibt die Musikerin drei Workshops für Kinder und Erwachsene.

Das Programm im Detail

Elodie Pong - Paradise Paradoxe, Videostill 07, 2016.
Elodie Pong - Paradise Paradoxe, Videostill 07, 2016.

Vernissage

Donnerstag, 10. März 2016
18 Uhr: Eröffnung
19 Uhr: Begrüssung und Informationen zur Ausstellung durch Daniel Morgenthaler, Kurator

Gespräche / Performance / Film

Donnerstag, 17. März 2016, 18.30 Uhr
LIQUIDITY: Gespräch mit Elodie Pong und Bettina Steinbrügge, Leiterin Kunstverein in Hamburg 

Donnerstag, 31. März 2016, 18.30 Uhr
OS LOVE: Premiere der Videoarbeit von Luc Gut, anschliessend Gespräch mit Luc Gut und Reto Bühler, Co-Programmleiter Kino Xenix

Freitag, 1. April 2016, 19.45 Uhr
PERFORMANCE AS PUBLISHING: TAKE ONE / TAKE TWO / TAKE THREE: Online-Performance mit Nicole Bachmann, Eddie Peake, Marie Toseland und Sophie Mallett und Filmen von KünstlerInnen aus dem LUX-Archiv, Live-Broadcast aus Eastside Projects, Birmingham. Unterstützt von Pro Helvetia und Arts Council England

Donnerstag, 14. April 2016, 18.30 Uhr
BUCHVERNISSAGE: «Elodie Pong – Paradise Paradoxe. Eine Essaysammlung zwischen Geruch und Gerücht», Edition Patrick Frey. Skype-Performance von Harry Baker, Poetry Slam-Weltmeister, anschliessend Musik von DJ CEO Müller.

Donnerstag, 21. April 2016, 18.30 Uhr
SMELL TALK: Gespräch mit Sebastian Fischenich, Gründer des Parfumlabels Humiecki & Graef, Andreas Keller, Neurowissenschafter und Philosoph (via Skype), und Elodie Pong; Moderation: Daniel Morgenthaler

Donnerstag, 28. April 2016, 18.30 Uhr
DLFODF – AGENCY FOR PERCEPTION ANALYSIS, CEREBRAL TRAVEL AND VIRAL DISTRIBUTION PROUDLY PRESENTS THEIR NEWEST IMPLANT PACKAGE «EXTRA-FACTUAL MEMORY»: anschliessend Gespräch mit De La Fuente Oscar De Franco, Alexander García Düttmann, Professor für Ästhetik, Universität der Künste Berlin, und Daniel Morgenthaler

Neue Veranstaltungsreihe

WILLKOMMEN IN DER PROBLEMZONE! AUSSTELLUNGEN MACHEN – WEH
AusstellungsmacherInnen – KünstlerInnen, TechnikerInnen, EmpfangsmitarbeiterInnen, KuratorInnen – schütten ihr Herz aus. Was hat im Prozess des Ausstellungsmachens besonders weh getan? Transparenz tut allen gut und bringt auf neue Ideen.

Mittwoch, 20. April 2016, 17 Uhr
DRUCKERSTAU BEIM GEDANKENPRINTEN: Kurator Daniel Morgenthaler und Künstlerin Elodie Pong sprechen über die Entstehung von «Paradise Paradoxe».

5-Uhr-Thesen

Mittwoch, 23. März 2016, 17 Uhr
«Gerüche sind ideale Metaphern für unsere flüssige Moderne»: Georg Kohler, emeritierter Professor für politische Philosophie, im Gespräch mit Daniel Morgenthaler

Mittwoch, 27. April 2016, 17 Uhr
«Synthetische Duftstoffe sind natürlich immer von der Natur inspiriert»: Roman Kaiser, Chemiker und Duftforscher, im Gespräch mit Elodie Pong und Daniel Morgenthaler 

Musik in der Ausstellung

Mittwoch, 16. März 2016, 20.30 Uhr
BJÖRN MAGNUSSON & THE COLD FICTION REHEARSAL
Rock/Indie/Experimental. Björn Magnusson (guit., voc), Florian Kunz (guit.), Domi Chansorn (dr.), Patrick Cipriani (tape recorder, synthesizer)
Björn Magnusson & The Cold Fiction Rehearsal plays out of tune rock music. Incoherent dreams shake the foundations of improvised collages and simple guitar music while it all gets thrown down the drain and nothing can remain nothing for a while.

Samstag, 9. April 2016, 20.30 Uhr
DORIT CHRYSLER
Theremin, Samples, Stimme
Im «Paper Magazine» wurde ihre Musik so beschrieben: «Imagine if Marianne Faithfull and Nikola Tesla hat a love child, with Jane Birkin as the nanny and Björk as the wayward Girl Scout Leader.» Dorit Chrysler ist eine Magierin auf dem Theremin, einem der ältesten elektronischen Musikinstrumente. Mit Theremin, elektronischen Samplern und Stimme generiert sie lyrische, flirrende Popsongs. 

Eintritt Konzerte Fr. 20.–, ermässigt Fr. 15.–;
Türöffnung / Abendkasse  19.30 Uhr


Führungen

Sonntag, 20. März 2016, 11 Uhr
mit Kristina Gersbach
Donnerstag, 7. April 2016, 18.30 Uhr
mit Kristina Gersbach
Sonntag, 17. April 2016, 11 Uhr
mit Kristina Gersbach 

Führungen für Kinder

Samstag, 2. April 2016, 14 Uhr
Kinderführung und Ateliertisch für Kinder ab 5 Jahren
mit Andrea Huber 

Sonntag, 17. April 2016, 11 Uhr
Parallele Führungen für Kinder ab 5 Jahren und ihre Eltern
mit Andrea Huber und Kristina Gersbach  

Theremin-Workshops 

Samstag, 9. April 2016, 14 Uhr
Theremin-Workshop für Erwachsene mit Dorit Chrysler. Unkostenbeitrag Fr. 10.– .Teilnehmerzahl begrenzt, Anmeldung über info@helmhaus.org

Sonntag, 10. April 2016
11 Uhr: Theremin-Workshop für Kinder von 4 bis 6 Jahren mit Dorit Chrysler und Andrea Huber. Workshop AUSGEBUCHT
13 Uhr: Theremin-Workshop für Kinder ab 7 Jahren mit Dorit Chrysler und Andrea Huber. Workshop AUSGEBUCHT
14.30 Uhr:  Theremin-Workshop ohne Altersbeschränkung mit Dorit Chrysler und Andrea Huber. Workshop AUSGEBUCHT

Unkostenbeitrag für die Workshops Fr. 10.–. Teilnehmerzahl begrenzt, Anmeldung über info@helmhaus.org