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Eine Ausstellung für Dich

22. September bis 19. Novemberi 2017

Vernissage: Donnerstag, 21. September 2017, 18 Uhr

Tonjaschja Adler: Where were you #2, 2017, Projektion, ca. 170 x 240 cm.
Tonjaschja Adler: Where were you #2, 2017, Projektion, ca. 170 x 240 cm.


Du schreibst. Aber für wen? Wen sprichst Du an, wenn Du über eine Kunstausstellung schreibst? Welches Du hast Du dabei im Kopf? Die KunstexpertInnen? Die KunstbanausInnen? Jede und jeden? Oder nur ein einziges Du? Oder am Ende doch vor allem die KunstjournalistInnen? Wir machen Ausstellungen. Aber für wen? Diese Ausstellung ist «für Dich»! Wir machen uns darin Gedanken, wie eine Kunstschau nicht nur für mich selbst sein kann, sondern für Dich. Und wir versuchen dabei, das ungeheure Potenzial des Du in der heutigen Gesellschaft auszuspielen.

Generation You

Eilit Marom, Anna Massoni, Elpida Orfanidou, Adina Secretan und Simone Truong: (To) Come and See, 2015 - 2017, Performance, 75 Min. Foto: Flurin Bertschinger.
Eilit Marom, Anna Massoni, Elpida Orfanidou, Adina Secretan und Simone Truong: (To) Come and See, 2015 - 2017, Performance, 75 Min. Foto: Flurin Bertschinger.

Es gab die Generation Y, die Generation Why, die Generation Why Not, und die Generation I. Wir sind für die Generation You! Weil wir finden, dass wir uns genug selbst optimiert haben für das neoliberale System und eher die Beziehung zum Du verbessern sollten. Weil wir politische Gräben, die bewusst und populistisch aufgerissen werden, lieber in der Begegnung zu überwinden versuchen, statt uns selbst für unsere Überzeugungen auf die Schultern zu klopfen. Und weil wir lieber aus der digitalen – und sozialen – Blase ausbrechen, als in den Social Media immer mehr zum Ich zusammenzuklumpen.

Ein Experiment

Vreni Spieser: Going public, episode 3. The leftovers oder You are just a ghost, 2017, T-shirt 01, Mischgewebe gefärbt, Shibori-Technik.
Vreni Spieser: Going public, episode 3. The leftovers oder You are just a ghost, 2017, T-shirt 01, Mischgewebe gefärbt, Shibori-Technik.

Wir sind für diese Gruppenausstellung ein Experiment eingegangen: Seit April dieses Jahres treffen wir uns wirklich als Gruppe – alle KünstlerInnen, der Kurator und weitere Helmhaus-MitarbeiterInnen – jeweils am letzten Freitag im Monat um 16 Uhr in der Helmhaus-Bibliothek. Um füreinander zum Du zu werden. Und um vielleicht zum Wir zu werden. Der Konsens nach fünf Sitzungen? Ein Wir sind wir nicht so schnell geworden. Zu verschieden vielleicht die künstlerischen Herangehensweisen, zu gross dann doch die Gefahr, dass in einer Gesamtkollaboration die eigene Argumentation sich entschärft. (Wir treffen uns auch während der Ausstellung weiter – dann hoffentlich mit Dir! Am 29. September 2017, 16 Uhr, und am 27. Oktober 2017, 16 Uhr.)

Sag Du!

RELAX (chiarenza & hauser & co): All I need is you and new shoes, 2016, Fotografie.
RELAX (chiarenza & hauser & co): All I need is you and new shoes, 2016, Fotografie.

Und Du? Wer bist Du? Für wen ist eine «Ausstellung für Dich»? Auch das haben wir uns in den Sitzungen stundenlang gefragt. Machen wir für die gleichen Personen Kunst, für die Du Artikel schreibst? Wollen wir vor unseren KollegInnen möglichst gut dastehen mit unseren Arbeiten, oder bieten sie Anknüpfungspunkte für ganz verschiedene Dus – die wir im Idealfall noch gar nicht kennen? (Wie die TeilnehmerInnen des Problemzonen-Gesprächs vom 16. November 2017, 18.30 Uhr, die während der Ausstellung angesprochen und auf das Podium eingeladen werden.) Eine Ausstellung für Dich, vielleicht? Sag Du.

Für Dich, mit Dir, über Dich

Felix Studinka: Ohne Titel (Kastanie), 2016, gouache auf Papier / auf Leinwand, 140 x 110 cm.
Felix Studinka: Ohne Titel (Kastanie), 2016, gouache auf Papier / auf Leinwand, 140 x 110 cm.

Vielleicht wird es auch eine Ausstellung über Dich. Oder eine Ausstellung mit Dir. Oder eine Ausstellung, die es ohne Dich nicht gibt. Zum Beispiel, weil Du damit rechnen musst, dass Dir gesagt wird, weshalb jemand mit Dir schlafen würde (Simone Truong). Weil Du selber entscheiden musst, welche der unzähligen Theorien, die Dir vorgetragen werden, Du akzeptieren willst (Gian-Andri Töndury). Weil Du Dich dem persönlichen Austausch zwischen zwei LiebespartnerInnen in einer Fernbeziehung, in Grossbuchstaben auf die Originalkleider gefärbt, nicht entziehen kannst (Vreni Spieser). Weil Du die Herausforderung annehmen musst, zum Tier zu werden, bevor Du zum Du wirst (Alexander Tuchaček). Oder weil …

Dichtes Begleitprogramm

Wir haben eine feministische Ökonomin, einen Kommunikationsexperten, Mitglieder einer Tanzgruppe für SeniorInnen und den Geist einer vergangenen Beziehung eingeladen. Wir sprechen über unbekannte Dealer, Bäume als Dus, über die Verantwortung, die wir Dir gegenüber haben, oder darüber, wie wir gerne berührt werden. Ist da auch für Dich etwas dabei? Wie gesagt: Sag Du!

Die KünstlerInnen

Tonjaschja Adler, Nicole Bachmann, Stefanie Knobel, Eilit Marom, Anna Massoni, Elpida Orfanidou, Adina Secretan, Simone Truong, Sophie Nys, Andrea Oki, Ceylan Öztrük, Yeliz Palak, RELAX (chiarenza & hauser & co), Vreni Spieser, Felix Studinka, Peter Tillessen, Gian-Andri Töndury, Alexander Tuchaček. Kurator: Daniel Morgenthaler.

Veranstaltungsprogramm

Peter Tillessen: Einsam mit oder ohne Dich, 2017, Video, HD, Double Screen Projection, 3:54 Min.
Peter Tillessen: Einsam mit oder ohne Dich, 2017, Video, HD, Double Screen Projection, 3:54 Min.

DO 21.9.17: Vernissage
18 Uhr: Eröffnung
19 Uhr: Begrüssung (von Dir!), Informationen zur Ausstellung durch Daniel Morgenthaler, Kurator

VERANSTALTUNG VOR AUSSTELLUNGSBEGINN

DO 14.9.17, 19 Uhr: ENGAGIERT EUCH, IHR INSTITUTIONEN!
Thesen und Debatte zu Haltungen in der Notwendigkeit von und den Strapazen mit Kunstinstitutionen heute. Mit Dir eingeladen sind: Egija Inzule, Roger Buergel und Simon Maurer, initiiert und moderiert von Lucie Kolb und Rachel Mader, Forschungsschwerpunkt Kunst, Design & Öffentlichkeit der Hochschule Luzern

Du bist schon vor der Eröffnung da: wenn wir im Gespräch die Bereitschaft zu Verantwortung und Engagement einzelner VertreterInnen von Institutionen in den Fokus rücken und wissen wollen, wie sich diese in einer alltäglichen institutionellen Praxis zeigen. Ausgehend von pointierten Thesen zum persönlichen Engagement innerhalb der jeweiligen Institution, diskutieren wir mikropolitische Handlungs-möglichkeiten in einem komplexen Umfeld.

VERANSTALTUNGEN WÄHREND DER AUSSTELLUNG

22.–24.9.17: EIn WOCHENENDE FÜR DICH
Kurz nach der Vernissage wirst Du danN ein Wochenende lang berührt, beatmet, besprochen. 

FR 22.9.17, 20 Uhr: (TO) COME AND SEE
Performance von Eilit Marom, Anna Massoni, Elpida Orfanidou, Adina Secretan, Simone Truong, mit Dir (hoffentlich)

Hier bist Du gleichermassen KomplizIn und Eindringling: Wir nutzen das Helmhaus als Spielplatz, als Ökosystem, als Lebensraum. Berührungen, Komplimente, Auf- merksamkeitsverschiebung, Zurückblicken. Zwischen Nähe und Distanz, Präsenz und Verschwinden entsteht eine sinnliche Landschaft – heiter und unheimlich zugleich. Die Dich und uns dazu einlädt, sich zu verlieren. Und dadurch erst zueinander zu finden.

SA 23.9.17, 11–18 Uhr: OH MY SILLY, SILLY, SILLY MIND!
Installation/Text von Stefanie Knobel in Zusammenarbeit mit Samrat Banerjee Performance/Choreografie von Stefanie Knobel – mit Anna Lehr, Désirée Meul, Nina Tshomba und Tabea Magyar, und Dir (möglicherweise).

Du nimmst Sauerstoff in Dein System auf und gibst ihn als Karbondioxid ab. Auch jetzt gerade. «Oh my silly, silly, silly mind!» ist eine installative und performative Technologie-Textil-Fiktion, in der Körper ihre virtuellen Domänen zurückerobern. Wir atmen in einer ausgedehnten Baumwollstoffkomposition, die eine emanzipative Besetzung von Technologien wie dem Weben – und analog digitale Technologien – erwirken kann. Lasst uns endlich in dieser Sache übereinstimmen, es ist bereits sehr stickig hier drin!

SO 24.9.17, 11–18 Uhr: (TO) GIVE A HAND
Teilnehmende: Autonome Schule Zürich, Atelierschule Zürich, BA Fine Arts/Performance ZHdK, Tanztheater Dritter Frühling, Theater Hora - Stiftung Züriwerk. Ein Projekt von Simone Truong und Eilit Marom, Anna Massoni, Elpida Orfanidou, Adina Secretan

Du bist eingeladen, einer Reihe von Duettenbeizuwohnen, eines nach dem anderen. Injedem wird eine individuelle Liste von Gefallen durchgespielt, gemäss den Wünschen und Bedürfnissen der Duett-Dus. Du wirst einen intimen Raum betreten, hinter unserem Vorhang. Und Du darfst bleiben, so lange Du willst. Im Schauen und Gesehenwerden gehen wir eine Verbindung ein, in der wir Empfindungen, Vergnügen, auch Scham teilen – stimuliert von unseren Händen. 

MI 27.9.17, 20 Uhr: CURIOSITY KILLED THE CAT, BUT SATISFACTION BROUGHT IT BACK, TEIL 1
Performance von Gian-Andri Töndury, mit Dir (theoretisch) 

Ist es ein Mythos, nur eine Theorie, oder doch der letzte Stand der Wissenschaft? Die Welterklärungen, die Dir in dieser Performance präsentiert werden, mögen Dir
bekannt vorkommen. Doch welcher Realität entsprechen sie? Deiner? Meiner? Der der Anderen? 

DO 28.9.17, 20 Uhr: I DON’T WANT YOUR WHISPERS
Performance von Nicole Bachmann
Performer: Anna Tierney und Patricia Langa Choreografie Tanz: Patricia Langa Du hast eine Stimme. Aber brauchst Dusie auch? Du hast einen Körper. Wofür? In «I don’t want your whispers» entwickelt sich eine Stimme und findet ein Körper nach und nach zu seinem Handlungsspielraum. Und (Körper-)Sprache entfernt sich aus den herkömmlichen Kontexten von Machtgefällen und politischen Interessen. Sag Du.

FR 29.9.17, 16 Uhr: NICHTS FÜR DICH
Wir, das sind alle Künstlerinnen und Künstler der Ausstellung und der Kurator, fragen
uns seit April jeden letzten Freitag im Monat in der Helmhaus-Bibliothek, wer
eigentlich Du bist. Nun fragen wir uns das mit Dir zusammen weiter.

DO 5.10.17: 18.30 Uhr: FüHRUNG mit Kristina Gersbach, und Dir (genau)

20 Uhr: BUCHVERNISSAGE Ceylan Öztrük Du? nein: O! Qubilah arbeitet als Lichtkonsutor in Halvatia und hört auf das geschlechtsneutrale Pronomen «O». Für o wird in dieser postmodernen magisch-realistischen Speculative Fiction das Kreisbüro und das Helmhaus zum Du.

MI 11.10.17, 17 Uhr: 5-Uhr-These
DIE WERBUNG VERSTEHT DICH NICHT
Markus Gut, Kommunikationsexperte und Vorstandsmitglied des Art Directors Club
Schweiz, im Gespräch mit Daniel Morgenthaler – und Dir (gerade deshalb)

DO 12.10.17, 18.30 Uhr: DENKMAL FüR EINEN UNBEKANNTEN DEALER
Gespräch mit Sophie Nys und Paul Sieber, Künstler, und Dir (unbekannterweise)
Du weisst es vielleicht noch: was am Platzspitz in den 1980er und 1990er Jahren vor sich ging. Wie könntest Du Dir ein Denkmal für diese Zeit und die Dus, die ihr zum Opfer fielen, vorstellen? Paul Sieber hat das mit der Skulptur «Hände über der Stadt» bereits getan.

DO 19.10.17, 18.30 Uhr:YOU ARE JUST A GHOST
Performativer Vortrag von Vreni Spieser, mit Dir (herzlich eingeladen) 

Fuck you. Das steht neu auf einer Hose, die aus einer eventuell gescheiterten Beziehung zurückgeblieben ist. Du bist hier nur noch ein Geist, an den textil erinnert wird.

SA 21.10.17, 11–18 Uhr: OH MY SILLY, SILLY, SILLY MIND!
Installation/Text von Stefanie Knobel in Zusammenarbeit mit Samrat Banerjee Performance/Choreografie von Stefanie Knobel – mit Anna Lehr, Désirée Meul, Nina Tshomba und Tabea Magyar, und Dir (super)

DO 26.10.17, 20 Uhr: CURIOSITY KILLED THE CAT, BUT SATISFACTION BROUGHT IT BACK, TEIL 2
Performance von Nicolas Berset und Gian-Andri Töndury, mit Dir (erneut) 

FR 27.10.17: 16 Uhr: NICHTS FÜR DICH
Wir fragen uns schon lange, wer Du bist. nun fragen wir uns das noch einmal mit Dir
zusammen.

20 Uhr: ZÜRICH LIEST! VITTORIO MAGNAGO LAMPUGNANI UND RAHEL MARTI
Zürich liest! Also Du auch! Vittorio Magnago Lampugnani, emeritierter Professor für
Geschichte des Städtebaus an der ETH, lädt Rahel Marti, Redaktorin beim «Hochparterre», – und Dich – ein zum Gespräch überurbane Entwürfe, Architektur und Städtebau.
Eintritt: CHF 20.– (reduziert CHF 15.–); Ticketverkauf über Starticket

SO 29.10.17, 11 Uhr: FÜHRUNG/KINDER IN DER AUSSTELLUNG
Parellelführung für Kinder ab 5 Jahren und ihre Eltern, mit Kristina Gersbach und
Andrea Huber, und Dir (oder?)

MI 1.11.17, 17 Uhr:5-Uhr-These
YOU MEANS NOTHING TO ME
Leila Peacock, Künstlerin, im Gespräch mit Daniel Morgenthaler und Dir (trotzdem)

DO 2.11.17, 20.30 Uhr: WHATEVER
!!! ACHTUNG: DAS KONZERT IST ABGESAGT !!!
Projekt von Peter Tillessen
Mit Becky Lee Walters und Milian Zerzawy, und Dir (yeah)
Helsinki Klub, Geroldstrasse 35, 8005 Zürich

Du kommst in jedem Popsong vor. You, you, you. Und wieder die Frage: Wer bist
Du? Bei «Whatever» wirst Du gleich doppelt besungen, gleichzeitig. Ein Pop-Quodlibet, zwei Konzerte zugleich, ein Doppel-Konzert. 

SA 4.11.17, 11–18 Uhr: OH MY SILLY, SILLY, SILLY MIND!
Installation/Text von Stefanie Knobel in Zusammenarbeit mit Samrat Banerjee Performance/Choreografie von Stefanie Knobel – mit Anna Lehr, Désirée
Meul, Nina Tshomba und Tabea Magyar, und Dir (genau) 

SO 5.11.17, 11 Uhr: FÜHRUNG mit Kristina Gersbach, und Dir (super) 

DO 9.11.17, 18.30 Uhr: FüHRUNG MIT TONJASCHJA ADLER, YELIZ PALAK, FELIX STUDINKA, UND DIR (JA)
Du wirst demonstriert, migrierst – oder bist ein Baum. Eine Führung für Dich, Dich und Dich.

SA 11.11.17, 14 Uhr: KINDER IN DER AUSSTELLUNG
Kinderführung, Ateliertisch für Kinder ab 5 Jahren, mit Andrea Huber, und Dir (schnell) 

MI 15.11.17, 18.30 Uhr: RELAX, MASCHA MADÖRIN (UND DU, SICHERLICH)
Wir laden ein zu einem Workshop für Dich zu unbezahlter und bezahlter Arbeit, mit  der feministischen Ökonomin Mascha Madörin, assistiert von Marie-Antoinette Chiarenza und Daniel Hauser von RELAX.

DO 16.11.17, 18.30 Uhr: WILLKOMMEN IN DER PROBLEMZONE –
DIESE AUSSTELLUNG IST NICHTS FÜR MICH!
Du sagst es. Du weisst es nur eben noch nicht. Wenn Du in die «Ausstellung für Dich» kommst, aber findest, sie ist eigentlich für jemand anderes. Oder wenn Du kommst und die Ausstellung eigentlich am liebsten für Dich alleine hättest. Dann sagst Du es jetzt im öffentlichen Gespräch.

SA 18.11.17, 20 Uhr: CURIOSITY KILLED THE CAT, BUT SATISFACTION BROUGHT IT BACK, TEIL 3
Performance von Saman Anabel Sarabi und Gian-Andri Töndury, mit Dir (zum vielleicht letzten Mal in dieser Ausstellung)

Collage von Alexander Tuchaček.
Alexander Tuchacek: Contagious species - animal speaking (Abbildung: Digitale Collage, 2017).

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