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Keine Zeit - Kunst aus Zürich

8. Dezember 2017 bis 11. Februar 2018

Vernissage: Donnerstag, 7. Dezember 2017, 18 Uhr

Mit: Magda Drozd, Willi Facen, Noomi Gantert, Susanne Hefti, Cécile Huber, Susanne Keller, Martina Mächler, Michael Meier & Christoph Franz, Peter Schweri, Klaus Tinkel, Patrizia Vitali, Daniel Zimmermann

Susanne Keller: Musicisti, 2015-16, choreografisches Objekt.
Susanne Keller: Musicisti, 2015-16, choreografisches Objekt.

Nach «Nie jetzt» haben wir jetzt «Keine Zeit»: So heisst die insgesamt vierte Helmhaus-Ausstellung mit einem Zeit-Titel und einem klaren Fokus auf das stadt-zürcherische Kunstschaffen. Zwölf Künstlerinnen und Künstler ganz unterschiedlicher Generationen nehmen sich hier viel Zeit für die Frage, warum und wofür Du heute – gerade in Zürich – keine Zeit hast.

«Wenn die Nacht am dunkelsten ist, kommt der Tag» (Winter 2010/11). «Nach dem Spiel ist vor dem Spiel» (Winter 2012/13). «Nie jetzt» (Winter 2014/15). Nach drei Ausstellungen – Du kannst sie auch «Weihnachtsausstellungen» nennen, mit ihrer jeweils entschiedenen Konzentration auf Zürcher Kunst – mit Titeln, in denen Zeit immer relativer wird, folgt jetzt der zeitliche Hammer: «Keine Zeit – Kunst aus Zürich» heisst die vierte Helmhaus-Schau in dieser losen Serie.

Susanne Hefti: Poser - Eine Trilogie, 2016, dreiteilige Erzählung, 48 Min., Installation.
Susanne Hefti: Poser - Eine Trilogie, 2016, dreiteilige Erzählung, 48 Min., Installation.

Keine Zeit – wer das sagt, hat (mindestens) zwei Optionen. Wer keine Zeit hat, hat Zeit für etwas anderes. Zum Beispiel dafür, durchschnittlich 2600 Mal pro Tag das Smartphone zu berühren. Die Frage ist, ob die Entscheidung, wofür es Zeit gibt, selbstgewählt ist. Sagst Du Dir selbst, dass Du dafür keine Zeit hast? Oder hast Du keine Wahl? Nimmst Du Dir Zeit für Dich, die nicht vorbestimmt ist? Oder ist exakt das Dein Horror (vacui)?

«Wie wäre es, wenn es «keine Zeit» gäbe? Wenn die Qualität «Zeit» nicht (mehr) ex-istierte?», fragt der österreichische Schriftsteller Christoph Ransmayr. Und er fragt nach dem «Weg aus der Zeit». Es gab noch nie so wenig Zeit wie in unserer Zeit. Die vielen Möglichkeiten rauben sie uns.

Zeit, um darüber nachzudenken, warum wir keine Zeit mehr haben: Künstlerinnen und Künstler nehmen sich diese Zeit. Sie setzen sich ihr und dieser Frage aus. Sie arbeiten auch für eine Zeit nach ihrer Zeit. Sie halten sie fest und sehen sie laufen. Sie verfolgen sie und sind ihr voraus. Sie stellen sich ihr.

Die Künstlerinnen und Künstler

Willi Facen in seinem Atelier am Zürcher Neumarkt. Foto: Christian Lanz
Willi Facen in seinem Atelier am Zürcher Neumarkt. Foto: Christian Lanz

Zum Beispiel, indem sie Archen bauen, auf dem Papier. Willi Facen (*1930) hat in seinem unglaublichen Atelier am Zürcher Neumarkt – einer ehemaligen Wiedertäuferkirche – schon Hunderte solcher Schiffe in Aquarell gemalt. Vielleicht sind es auch gestrandete Raumschiffe, jedenfalls können sie nur einer Zeit entstammen – keiner Zeit.

Martina Mächler (*1991) hingegen hat im Hier und Jetzt oft keine Zeit. Als junge Künstlerin verdient sie zu wenig, als dass sie davon leben könnte. Mächler hat in einer früheren Per-formance akribisch ihre finanzielle Performance aufgezeigt, mit Nebenjobs, Ausgaben für die Entwicklung von Kunstarbeiten, usw. Wäre die Lösung, einfach weniger zu schlafen? Martina Mächler beschäftigt sich für «Keine Zeit» mit dem Thema Schlaf und dessen fast schon ökonomischer Optimierung. Keine Zeit zum Schlafen? Kein Problem!

Noomi Gantert: Random Walks, 2001, Bildteppich, 233 x 344 cm.
Noomi Gantert: Random Walks, 2001, Bildteppich, 233 x 344 cm.

  

Peter Schweri: pyramid, 2007, Lambdaprint, Plexiglas, 30 x 60 cm.
Peter Schweri: pyramid, 2007, Lambdaprint, Plexiglas, 30 x 60 cm.

Die monumentalen Bildteppiche von Noomi Gantert (*1937) sind in der fulminanten Übersichtsausstellung zu Kunst von Zürcher Frauen im Art Dock nach längerer Zeit wieder aufgetaucht. Ihre minimalistische, repetitive, das digitale Zeitalter vorwegnehmende und doch vollkommen analoge Struktur hält sich zeitlos aktuell. In ihre Entstehung investierte die Künstlerin unendlich viel Zeit – und als verdichtete Zeitspeicher vermitteln sie nun Ruhe, Konzentration und Ausgeglichenheit.

«Poser» von Susanne Hefti (*1984), eine Audio-Installation, ist ein Zeitbild einer jungen Generation: Wie ein Film lässt die Sprecherin (die Künstlerin) ihre Geschichte vor unseren Augen ablaufen, zum Beispiel von einem Triathlon-Trainingslager auf Mallorca. Zeit wird zielgerichtet definiert und sequenziert, der Trainingsplan ist Teil des Tagesplans, ist Teil des Lebensplans. Alles steht im Zeichen der sozial präsentierbaren Selbstoptimierung. Beruf, Hobbys, Ernährung, Sex sind total unter Kontrolle – der ebenso totale Kontrollverlust allerdings lässt sich nicht so leicht abschütteln.

Peter Schweri (1939–2016) ist der einzige der 13 beteiligten Künstler und Künstlerinnen, dessen Lebenszeit abgelaufen ist. Zusehends erblindend, schuf er in über fünfzig Jahren ein schillerndes künstlerisches Werk. Bereits in den 1960er-Jahren stand konkrete Hard-Edge-Malerei neben einem umfang- und erfindungsreichen zeichnerischen Komplex. In den 1980er-Jahren mutierte Schweri dann zu einem Pionier der Computerkunst. Wir zeigen einen kleinen Ausschnitt aus einem Reservoir an Ideen und präzisen Ausformulierungen, der Lust macht auf mehr. 

Ein Gewebe von Performances, Buchpräsentationen und Gesprächen

Cécile Huber: Ohne Titel, 2015_7, Keramik Engobe (l.) und Ohne Titel, 2016_5, Keramik glasiert (r.).
Cécile Huber: Ohne Titel, 2015_7, Keramik Engobe (l.) und Ohne Titel, 2016_5, Keramik glasiert (r.).

Die Künstlerin Magda Drozd entlockt von ihr selbst gezüchteten Kakteen in zwei Per-formances die darin investierte Zeit in Tönen, während das Duo Michael Meier & Christoph Franz anlässlich einer Buchpräsentation darlegen, wie sie urbanistische Zürcher Zeitgeschichte in eine Tonne Beton gegossen haben. In Führungen und Gesprächen thematisieren wir beispielsweise die Zeit, die uns noch bleibt, um das Problem von Künstlernachlässen zu diskutieren – Gesprächspartner Jochen Hesse wird nach der Ausstellung einen Grossteil des Gesamtwerks von Willi Facen in die Graphische Sammlung der Zentralbibliothek übernehmen. Stephan Meißner spricht mit der Künstlerin Martina Mächler ganz unschläfrig über Schlaf, und in der Gesprächsreihe «Willkommen in der Problemzone!» tauschen sich gleich fünf Künstlerinnen und Künstler der Ausstellung darüber aus, wie eigentlich der Generationenaustausch in der Kunstszene so funktioniert.

Hast Du Zeit dafür? Übrigens, falls Du Dich über die Anrede per Du wunderst: Die ungefilterte und direkte Begegnung mit einem Du, also mit Dir, Dir und Dir ist im Helmhaus Zürich Jahresthema.

  

Das Programm

Vernissage

Donnerstag, 7. Dezember 2017, 18 Uhr
19 Uhr:   Begrüssung, Informationen zur Ausstellung
Simon Maurer und Daniel Morgenthaler, Kuratoren

Veranstaltungen

Mittwoch, 13. Dezember 2017, 20 Uhr
Invisible Voices (Encounters of Non-Human Sounds Part 1)
Performance von Magda Drozd

Jochen Hesse, Graphische Sammlung und Fotoarchiv der Zentralbibliothek Zürich, im Mittwoch, 10. Januar 2018, 17 Uhr
5-Uhr-These: «Noch ist Zeit für die Diskussion um Künstlerlnnennachlässe»
Gespräch mit Daniel Morgenthaler

Donnerstag, 25. Januar 2018, 20 Uhr
Invisible Voices (Encounters of Non-Human Sounds Part 2)
Performance von Magda Drozd

Donnerstag, 1. Februar 2018, 18.30 Uhr
Willkommen in der Problemzone! Ausstellungen machen – weh.
Keine Zeit für andere Generationen?
Mit Susanne Hefti, Cécile Huber, Klaus Tinkel, Patrizia Vitali und Daniel Zimmermann

Mittwoch, 7. Februar 2018, 17 Uhr
5-Uhr-These: «Wer schläft, fängt keine Fische»
Stefan Meißner, Professor für Medien- und Kulturwissenschaften an der Hochschule Merseburg, und Martina Mächler, Künstlerin, im Gespräch mit Daniel Morgenthaler

Donnerstag, 8. Februar 2018, 18.30 Uhr
Buchpräsentation «Der Durchschnitt als Norm»
Michael Meier & Christoph Franz geben gemeinsam mit Autorinnen und Autoren Einblick in Inhalt und Entstehungsprozess ihrer Publikation.
Live Act: Bit-Tuner

Führungen

Sonntag, 17. Dezember 2017, 11 Uhr, mit Simon Maurer

Sonntag, 7. Januar 2018, 11 Uhr, mit Kristina Gersbach

Sonntag, 14. Januar 2018, 11 Uhr, Parallelführung für Kinder ab 5 Jahren und ihre Eltern, mit Kristina Gersbach und Andrea Huber

Donnerstag, 18. Januar 2018, 18.30 Uhr, mit Kristina Gersbach

Sonntag, 4. Februar 2018, 11 Uhr, mit Daniel Morgenthaler

Kinder in der Ausstellung

Sonntag, 14. Januar 2018, 11 Uhr
Parallelführung für Kinder ab 5 Jahren und ihre Eltern, mit Andrea Huber und Kristina Gersbach

Samstag, 27. Januar 2018, 14 Uhr
Kinderführung, Ateliertisch für Kinder ab 5 Jahren, mit Andrea Huber

  

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