Global Navigation

Ausstellung «0800 226 113»

2. August bis 1. Oktober 2017

0800 226 113: Wenn Sie diese kostenlose Nummer bereits gewählt hätten, würde in diesem Moment in Pristina jemand das Telefon abnehmen und Sie in etwa so begrüssen: 

Willkommen im Pavillon Le Corbusier.
Willkommen im temporären Flagship des erfolgreichsten deutschsprachigen Call Center des Kosovo.

Im Erdgeschoss inbound, im Obergeschoss outbound. Insgesamt 35 Mitarbeiter arbeiten hier im Verlauf von neun Wochen, tätigen Anrufe und nehmen Anrufe entgegen, von Montag bis Freitag, 8 bis 18 Uhr. Das Team um die Kuratoren Roland Roos, Malte Beutler und Luc Scherer hat die dafür benötigte, voll funktionale Arbeitsumgebung geschaffen: Trennwände, Akustikdecken, Schreibtische, Computer, Headsets, Bildschirme, High-Speed-Internet.

Call-Center-Agents bei der Arbeit im Pavillon Le Corbusier
Bild: Roland Roos

Normalerweise erledigen die Angestellten der Firma Baruti ihre Arbeit in Pristina. Nun tun sie das hier im Pavillon Le Corbusier. Die Arbeit bleibt die gleiche: Sie führen Marktforschung durch, bedienen Hot Lines und managen Kundendienste, alles für den deutschsprachigen Markt. Wer sich von ihnen auf einer Customer Help Line helfen lässt, merkt nicht, dass ihm von Pristina aus geholfen wird. So wird auch niemand bemerken, von wo aus die gleiche Dienstleistung zwischen 2. August und 1. Oktober 2017 erbracht wird: Aus bester Zürcher Lage, mit Seesicht.

Was bedeutet es überhaupt, wo eine Arbeit heutzutage ausgeführt wird? Welchen Unterschied macht ein physischer Standort in Zeiten höchster digitaler Technologi­sierung? Ist räumliche Entfernung nicht längst eine zu vernachlässigende Grösse geworden?

Für die Erfolgsgeschichte des Nearshore-Outsourcing, die auch die Geschichte die­ser Firma ist, lautet die Antwort: Die räumliche Entfernung ist doppelt zentral. In ihrer Überwindbarkeit dank Technologie, und in ihrer politischen Unüberwindbarkeit. In gleichem Ausmass ist der physische Standort zentral für Ursachen und Auswirkun­gen von Migrationsbewegungen. Die Gründe dafür liegen im Geflecht von nationalen Steuerpolitiken und Lohnniveaus, Sozialleistungen, Bruttoinlandprodukten, Freizügigkeits- und Handelsabkommen. An der Grenze zwischen zwei physischen Orten definiert sich der Wechselkurs für Tätigkeiten, Werte und Währungen. Hier trennen sich materielle und immaterielle Güter, Inland und Ausland, bezahlbare und unbezahlbare Arbeit.

Man könnte es so sehen: Die verglasten Trennwände öffnen den Blick nach Pristina, in den Hauptsitz der Firma. Wenn wir den Fokus ein wenig verschieben, sehen wir zurück in die 90er Jahre, als viele der jetzigen Angestellten mit ihren Familien in der Schweiz lebten. Sie alle haben die Schweiz wieder verlassen. Die Gründe dafür sind unterschiedlich.

Im Untergeschoss des Pavillons befindet sich ein Aufenthaltsraum mit Teeküche, offen für alle Mitarbeiter und für die Besucher. Zeit für eine kurze Pause. Lassen Sie die verschobenen Grenzen auf sich wirken. Zu diesem Zweck ist eine Listening Station eingerichtet: Hören Sie live mit, Schweiz / Pristina 0800 226 113.

Aktuell

Weitere Informationen