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Blog Toby Merkli

Toby Merkli ist Berufsretter bei Schutz & Rettung und berichtet vier Mal im Jahr aus seinem spannenden Alltag bei der Berufsfeuerwehr und beim Rettungsdienst. Seine Einsatzgeschichten sind kreativ illustriert von Daniel Müller.

    Wie auf rohen Eiern

    Veröffentlicht am Donnerstag, 14. September 2017 um 09.43 Uhr
    Von Toby Merkli

    Wundern Sie sich nicht, wenn Sie einmal von einem Rettungswagen in Zeitlupe überholt werden: Die Fahrerin oder der Fahrer hat bestimmt Gründe...

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    Kategorien: 24h , Allgemein , Rettungsdienst und SRZ-Merkli

    Verflixt und zugeklebt

    Veröffentlicht am Donnerstag, 15. Juni 2017 um 16.21 Uhr
    Von Toby Merkli

    Einige Einsätze hinterlassen Spuren. In diesem Fall eine abgefräste Strasse sowie kleine Lackspritzer auf der Brandschutzhose von Berufsretter Toby Merkli. Wie es dazu kam, erfahren Sie in Tobys Einsatzgeschichte. 

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    Kategorien: Rettungsdienst und SRZ-Merkli

    Mit Schirm, Charme und viel Geduld

    Veröffentlicht am Montag, 13. Februar 2017 um 16.21 Uhr
    Von Toby Merkli

    Ein Umzug ist nicht einfach zu verkraften, schon gar nicht, wenn er von einem Altersheim ins andere führt. Als wir mit dem Rettungsdienst die letzte Bewohnerin aus dem Altersheim Buttenau abholten, war all mein Feingefühl und Charme gefragt.

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    Kategorien: Rettungsdienst und SRZ-Merkli

    Advent, Advent, die Stube brennt

    Veröffentlicht am Freitag, 25. November 2016 um 09.15 Uhr
    Von Toby Merkli

    Es war spätabends mitten im Dezember, als unser Blaulicht die nebligen Strassen Zürichs erhellte. Ein Anwohner hatte gemeldet, dass dichter, schwarzer Rauch aus einem Fenster entweiche. Das Löschen des Brandes war keine grosse Sache. Die Bewohner der Wohnung dürften aber ziemlich eine böse Überraschung erlebt haben. Sie waren in die Ferien gefahren und hatten eine Kerze am Adventskranz brennen lassen...

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    Alle für einen

    Veröffentlicht am Donnerstag, 8. September 2016 um 08.00 Uhr
    Von Toby Merkli

    Eigentlich wurden wir, das Team 123 von der Hauptwache am Neumühlequai, nur quasi «zur Sicherung» aufgeboten: Ein Mittvierziger sei im Badezimmer eingeklemmt, so die Meldung. Wir ahnten noch nicht, dass uns dieser Einsatz ganz schön ins Schwitzen bringen sollte.

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    Kategorien: SRZ-Merkli

    Alles für die Königin

    Veröffentlicht am Dienstag, 17. Mai 2016 um 10.40 Uhr
    Von Toby Merkli

    Wenn ein Bienenvolk zu gross wird, züchtet es eine neue Königin. Die alte Königin schwärmt dann mit einem Teil des Volkes aus und sucht sich einen neuen Platz. Das ist an sich kein Problem, nur ist der neue Platz oft bereits vom Mensch besetzt. Dann schwärmen wir mit der Berufsfeuerwehr aus, um die kleinen, wertvollen Tiere zu retten. Bei einem solchen Einsatz hatte ich meine Rechnung ohne eine tapfere Biene gemacht, die bereit war, alles für die Königin zu geben.

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    Kategorien: 24h und SRZ-Merkli

    Einsatz hinter Gittern

    Veröffentlicht am Dienstag, 1. März 2016 um 14.53 Uhr
    Von Toby Merkli

    Einsätze in Gefängnissen sind speziell, in einem geschlossenen Hochsicherheitstrakt jedoch noch mehr – und genau dahin wurden wir, das Team 221 der Rettungsdienstwache im Triemli, gerufen: Ein junger Mann liege bewusstlos in seiner Zelle und müsse beatmet werden, so die Meldung. Und weiter: «Zufahrt auf der Gebäuderückseite, Team wird eingewiesen.»

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    Kategorien: Rettungsdienst und SRZ-Merkli

    Ein unangenehmes Erwachen

    Veröffentlicht am Dienstag, 8. Dezember 2015 um 09.31 Uhr
    Von Toby Merkli

    Stellen Sie sich vor: Sie liegen im Tiefschlaf mitten in der Nacht. Durch ein Poltern werden Sie jäh aus dem Schlaf gerissen. Sie reiben sich die Augen, vor Ihrem Fenster fliegt ein Ufo mit zwei Ausserirdischen.

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    Kategorien: 24h , Berufsfeuerwehr und SRZ-Merkli

    Definitiv zu heiss

    Veröffentlicht am Donnerstag, 3. September 2015 um 10.40 Uhr
    Von Toby Merkli

    Wir, das Team 221 von der Triemli Wache, kümmerten uns an einem heissen Wochenende fast ausschliesslich um «den ganz normalen Wahnsinn»: gebrochene Nasen, ausgeschlagene Zähne, Stolperstürze oder Rauschausschlafende. Doch einer schaffte es, Geschichte zu schreiben...

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    Kategorien: 24h

    Wie eine Tasse Kaffee ein Leben rettet

    Veröffentlicht am Mittwoch, 10. Juni 2015 um 11.09 Uhr
    Von Toby Merkli

    Die Berufsfeuerwehr von Schutz & Rettung verfügt über mehrere Sprungretter. Die aufblasbaren Geräte erinnern an Kinderhüpfburgen, kommen aber in dramatischen Situationen zum Einsatz. Dann, wenn Menschen sich das Leben durch einen Sprung aus grosser Höhe nehmen oder zumindest auf ihre verzweifelte Situation aufmerksam machen wollen.

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    Kategorien: 24h , Allgemein und Berufsfeuerwehr

    Wenn das Herz stillsteht

    Veröffentlicht am Mittwoch, 10. Juni 2015 um 11.06 Uhr
    Von Toby Merkli

    Es war eine dieser typischen Herbstnächte, in denen dicker Nebel über dem Mittelland liegt. Zusammen mit den vielen Lichtern herrschte eine mystische und schöne Atmosphäre auf der Flughafenwache. Gegen drei Uhr morgens gab unser Blaulicht das Seine dazu. Ein Mann mit schwerer Atemnot hatte uns angefordert, er warte vor seinem Haus, da der Eingang schwer zu finden sei. Wir passierten mit dem Rettungswagen das Tor 101 in Richtung Embrach, irgendwo bogen wir ab ins Nichts: kein Haus, keine Strassenbeleuchtung, nur Nebel, so dicht, dass wir teilweise nur mit 20 km/h fahren konnten. Plötzlich lief uns ein Mann im Scheinwerferlicht entgegen, eine Hand an der Brust, mit der anderen winkte er uns zu. Er klagte über starke Schmerzen in der Brust und Atemnot. Das blasse Gesicht und der kalte Schweiss auf der Stirn waren Zeichen genug: typische Symptome eines Herzinfarkts, Zustand äusserst kritisch.

    Noch während ich ihm ins Auto und auf die Trage half, bot mein Kollege den Notarzt auf. Wir schlossen unsere Diagnosegeräte an und ich bereitete die Infusion vor, alles ging blitzschnell, jeder wusste, was zu tun war. Obwohl der Mann noch mit uns sprach und seine Symptome beschrieb, war er in höchster Lebensgefahr. Sein Herz konnte jeden Moment stillstehen. Meine Kollege entschloss sich, die Elektroden des Defibrillators präventiv aufzukleben – eine gute Entscheidung. Denn just in dem Moment, als ich den Zugang für die Infusion legte, blieb der Herzschlag aus, das EKG zeigte nur noch ein Flimmern und unser Patient verlor das Bewusstsein. Eilig schloss ich die Infusion an. Mein Kollege löste mit dem Defibrillator einen «Schock» aus und ich begann mit der kardiopulmonalen Reanimation (CPR). Während ich drückte, bereitete sich mein Kollege für die Beatmung vor. Der Notarzt wurde per Funk über die Lage informiert. Mit insgesamt drei Stromstössen, einer kontinuierlichen CPR und der Gabe von Adrenalin gelang es uns, das Herz wieder in einen eigenständigen und effizienten Rhythmus zu bringen. Mit dem Herzschlag stellte sich auch die Atmung wieder ein.

    Als der Notarzt kurz darauf eintraf, war der Patient zwar noch in einem kritischen Zustand, aber verhältnismässig stabil. Er war noch nicht imstande, mit uns zu sprechen, aber so weit bei Bewusstsein, dass sich der Arzt gegen eine Intubation entschied. Stattdessen beeilten wir uns, den Patienten in den Schockraum des Unispitals zu bringen. Erneut erhellte das Blaulicht die neblige Nacht, als ich auf dunklen Nebenstrassen Richtung Zürich fuhr.

    Auf der Fahrt zurück zur Wache überkam mich ein gutes und dankbares Gefühl. Der Mittfünfziger war mit einem Bein schon im Jenseits gestanden, wir konnten ihn im letzten Moment zurückholen. Das ist selten so, aber in dieser Nacht ging einfach alles auf. Trotz Nebel waren wir rechtzeitig vor Ort, der Mann hielt lange genug durch. Wäre er vor unserem Eintreffen kollabiert, hätten wir ihn womöglich viel zu spät gefunden. Der Entscheid, die Defi-Pads frühzeitig aufzukleben, hat wertvolle Zeit gebracht. Es war für mich ein eindrücklicher, schöner und befriedigender Einsatz. Der Patient wurde 48 Stunden später nach erfolgreicher Stenteinlage nach Hause entlassen.


    Kategorien: 24h , Allgemein und Rettungsdienst

    Im Zweifel für den Einbetonierten

    Veröffentlicht am Mittwoch, 10. Juni 2015 um 10.29 Uhr
    Von Toby Merkli

    Als beim Morgenrapport von einer Demonstration und eventuell damit zusammenhängenden Feuerwehreinsätzen die Rede war, dachte ich: «Betrifft mich nicht!» Denn ich war an diesem Tag auf der Autodrehleiter (ADL) des Löschzugs eingeteilt – kein Fahrzeug für solche Einsätze. Doch es sollte anders kommen …

    Durch die Tagesorganisation bedingt wechselte ich zwischendurch von der ADL aufs Pionierfahrzeug. Und genau in diesem Zeitraum kam die Einsatzmeldung «Personenrettung!». Die Polizei brauche unseren grossen Abbauhammer; ein junger Demonstrant habe sich einbetoniert.

    Vor Ort staunten wir nicht schlecht. Mitten auf der Strasse lagen zwei mit Beton gefüllte Container. Dazwischen sass ein Mann, dessen Arme in die Behälter ragten. Die Polizei hatte einen der Container schon mit der Trennscheibe geöffnet und wir sollten nun die Arme bzw. das Aluminiumrohr freispitzen, in welchem die Arme angeblich angekettet waren.

    Natürlich fragte ich mich als Erstes, ob der junge Mann seine Arme tatsächlich einbetoniert oder sie lediglich nachträglich in die Rohre gesteckt hatte. Ich äusserte meine Zweifel, worauf der Demonstrant seine Aussage bekräftigte, er könne sich nicht selber befreien. Zuschauer und Medien verfolgten die Szene mit Argusaugen, was die Situation nicht wirklich erleichterte.

    Trotz Bedenken, ob wir die Situation richtig einschätzten, nahmen wir die Arbeit auf. Nach über einer Stunde schweisstreibender Knochenbüetz hatten wir das Rohr weitgehend freigelegt. Um die Situation im Inneren besser beurteilen zu können, versuchten wir, mit dem Trennschleifer ein kleines Fenster im Aluminium zu öffnen. Durch die Öffnung konnten wir die Finger, einen Querstab sowie Teile einer Kette erkennen. War der junge Demonstrant tatsächlich angekettet? Noch immer waren wir nicht hundertprozentig überzeugt. Von aussen konnten wir nun auch die Stelle sehen, wo der Stab angeschweisst worden war, und versuchten mit dem Trennschleifer die Naht zu öffnen. So hätte man den Stab lösen und die Kette darüberstreifen können. Doch plötzlich zog der Demonstrant blitzschnell
    seine Hände aus den Rohren – das Schleifen war dem jungen Herrn wohl etwas zu heiss geworden. Fast gleichzeitig klickten die Handschellen. Und vor den Augen der Zuschauer und Medienleute wurde er abgeführt.

    Im Nachhinein fragt man sich immer, wie man die Situation besser hätte einschätzen können. Es gab verschiedene Hinweise und Ungereimtheiten. Aber schliesslich konnte nicht sicher ausgeschlossen werden, dass sich die Person – wenn auch wahrscheinlich selbst verschuldet – in einer Notlage befand. Aus heutiger Sicht muss ich sagen, dass der junge Demonstrant immerhin für eine weitere unvergessliche und denkwürdige Episode in meiner Tätigkeit als Feuerwehrmann gesorgt hat.


    Kategorien: 24h , Allgemein und Berufsfeuerwehr

    Wenn der Traktor zum RTW wird

    Veröffentlicht am Mittwoch, 10. Juni 2015 um 09.30 Uhr
    Von Toby Merkli

    Es war an einem Frühjahrstag, an dem das Wetter so schön war, dass der «Üetzgi», der Zürcher Hausberg, zu einem Ausflug lockte. So auch eine in der Schweiz lebende Kanadierin, die mit ihren Freundinnen aus der Heimat über den Laternenweg vom Uto Kulm in die Stadt laufen wollte. Auch wir genossen in unseren Pausen die Sonnenstrahlen auf der Rettungsdienstwache im Triemli. Bis wir gegen 16 Uhr dann folgende Alarmmeldung erhielten: «Patient, weiblich, gestürzt, Verletzung am Fuss, genauer Standort unklar, befindet sich irgendwo am Üetliberg.» Da man von einer erschwerten Suchaktion ausgehen musste, wurden neben unserem Rettungswagen auch eine Patrouille der Stadtpolizei sowie ein Helikopter der Kantonspolizei aufgeboten.

    Wir fuhren die Wege des Üetlibergs systematisch ab und machten uns mittels Lautsprecher bemerkbar. Nur wenige Minuten später erzählte uns ein Passant, dass sich auf dem Laternenweg, einem steilen, schmalen Fussweg, eine Frau verletzt habe. Wir fuhren mit unserem Rettungswagen so weit wir konnten, doch schon bald wurde der Weg zu eng. Gemeinsam mit der Stapo schulterten wir unser Material und suchten zu Fuss weiter. Nach einigen Minuten Berglauf erreichten wir unsere Patientin, die auf dem steilen Weg ausgerutscht war und sich dabei am Fuss verletzt hatte. Aufgrund starker Schmerzen konnte sie nicht mehr gehen. Während mein Kollege sie mithilfe eines Polizisten versorgte, machte ich mir bereits Gedanken, wie wir von dort wieder runterkommen konnten.

    Mit der Trage konnten wir auf dem Schotterweg nicht fahren, der 4x4-Rettungswagen war zu gross und zu wenig geländegängig und der Helikoptereinsatz war aufgrund des dichten Blätterdachs nicht möglich. Die Patientin zu viert runtertragen? Wäre eine Option gewesen, aber auf dem rutschigen Split des Weges ein hohes Risiko für sie und uns.

    Da kam mir in den Sinn, dass ich unweit der Unfallstelle einen Pferdebesitzer kannte. Ich hatte ihm schon einige Male geholfen, Stroh und Heu einzubunkern. Hatte der nicht einen Traktor in der Scheune? Ich organisierte die Telefonnummer und rief an. Familie Stierli zögerte keine Sekunde, uns zu helfen.

    Schnell montierten sie die Heckschaufel an den Traktor und machten sich auf den Weg. Es brauchte einiges an Geschick und Fahrkönnen, um das Gefährt durch die schmalen Kurven zu manövrieren. Die Patientin hockte den grossen Teil der Strecke auf der Heckschaufel. So erreichten wir den RTW in wenigen Minuten – ohne Traktor hätten wir wohl eine gefährliche und schmerzvolle Stunde gebraucht.

    Wir brachten die Patientin ins Stadtspital Triemli, wo man eine komplizierte Fersenfraktur diagnostizierte. Ihre Freundinnen wurden von der Polizei zur nächsten Tramstation gebracht. Und Familie Stierli wurde mit grossem Dank verabschiedet.


    Kategorien: 24h , Allgemein und Rettungsdienst

    Streifenwagen im Vollbrand

    Veröffentlicht am Dienstag, 9. Juni 2015 um 16.27 Uhr
    Von Toby Merkli

    Fahrzeugbrände gibt es immer wieder mal. Dass es sich dabei um einen Streifenwagen der Polizei handelt und die Sondereinheit Skorpion zur Unterstützung eines Löscheinsatzes ausrücken muss, das kommt allerdings nicht alle Tage vor.

    Es war schon dunkel, als wir, das Team des Kleinalarms, an einen Fahrzeugbrand gerufen wurden. «Vor der Polizeiwache brennt ein Streifenwagen», so lautete die Alarmdurchsage. Als wir vor Ort eintrafen, stand der Wagen bereits im Vollbrand. Wir wollten gerade zum ersten Löschangriff ansetzen, als wir von den anwesenden Beamten gewarnt wurden: In der Mittelkonsole des Autos befänden sich zwei Maschinenpistolen und Munition …

    Das tönte nicht ganz ungefährlich. Schliesslich stand die Mittelkonsole quasi im Zentrum des Feuers und der Brand wurde durch auslaufendes Benzin kontinuierlich mit neuem Brennstoff versorgt. Wir suchten Deckung hinter unserem Tanklöschfahrzeug und anderen parkierten Autos. Aus der Distanz konnten wir mittels Schnellangriff den Brand unter Kontrolle halten und mit einem Schaumlöscher die Benzinlache unter dem Wagen löschen.

    Doch ein effektiver Löscheinsatz war nicht möglich. Zwischendurch knallte es heftig, ob von den platzenden Reifen oder von der Munition, war nicht klar. Ein wenig mulmig war es mir schon.

    Wir brauchten besseren Schutz, daher wurde durch die Polizei die Sondereinheit «Skorpion» aufgeboten. Sie brachte eine spezielle Schutzausrüstung und einen Schutzschild auf den Platz. So wurde ich mit einer kugelsicheren Weste und einem Helm ausgerüstet. In der einen Hand den Schutzschild, in der anderen die Löschpistole, so näherte ich mich dem Wagen und dämmte den Brand weiter ein. Mein Hauptaugenmerk lag aber auf der Kühlung des Waffenschranks zwischen den beiden Vordersitzen. Länger als üblich kühlte ich das Innere, bis wir mit der Wärmebildkamera einen sicheren Temperaturwert nachweisen konnten.

    Nun stand aber ein weiteres Problem an. Da der Streifenwagen auf einen nicht abgeschlossenen Parkplatz gebracht werden musste, durfte die heikle Ladung nicht drin bleiben. Die Tür zu den Waffen liess sich aber nur bei eingeschalteter Zündung öffnen, und die funktionierte bei diesem ausgebrannten Wrack natürlich nicht mehr. Ein Versuch den Kasten mit einer Brechstange zu öffnen, scheiterte, so mussten wir ihn mit schwerem, hydraulischem Gerät auftrennen.
    Nach mehreren Stunden konnten wir den heiklen Einsatz endlich beenden und ich war froh, die kugelsichere Weste sowie den Schutzschild wieder den Kollegen der Stapo zurückgeben zu können.

    An der Stelle, wo der Wagen stand, ist noch heute ein grosser Brandfleck auf dem Teer zu erkennen. Immer wenn wir daran vorbeifahren, erinnert er mich an diesen aussergewöhnlichen Fahrzeugbrand. Heute könnte das übrigens so nicht mehr passieren, denn bei den neuen Fahrzeugen sind die Maschinenpistolen anders untergebracht.


    Kategorien: 24h , Allgemein und Berufsfeuerwehr

    Rentner auf Strolchenfahrt

    Veröffentlicht am Dienstag, 9. Juni 2015 um 16.15 Uhr
    Von Toby Merkli

    In letzter Zeit liest man öfter von jungen Männern, welche mit dem Auto ihrer Eltern eine Strolchenfahrt unternehmen. Dass das Alter aber nicht vor Torheit schützt, erlebte ich während meines ersten Praktikums beim Rettungsdienst.

    Mit unserem Rettungswagen wurden wir wegen eines Verkehrsunfalls gerufen. Unsere Anfahrt war über mehrere hundert Meter gesäumt von demolierten Fahr- und Motorrädern, geknickten Schutzpfosten, Teilen eines zerstörten Elektrokastens sowie Fahrzeugteilen, die auf der Strasse und dem Gehsteig lagen. Am Ende sahen wir die Ursache der Verwüstung: Ein völlig demolierter Kombi steckte in der Seite des Wartehäuschens der Tramstation.

    Die Polizei war bereits vor Ort und rapportierte: Ein Rentner war auf dem Heimweg eines festlichen Anlasses und hatte wohl ordentlich gebechert. Während der Fahrt hantierte er am Autoradio herum und kam dabei von der Strasse ab. Das Unfallauto hatte ein «Spinnennetz» in der Frontscheibe. Es war unklar, ob dies von aussen oder von innen, sprich vom Kopf des Patienten, verursacht wurde. Gegenüber der Polizei gab der Senior an, angegurtet gewesen zu sein. Uns gegenüber verneinte er dies. Auf alle Fälle war er sichtlich verwirrt, ob vom Alkohol oder aufgrund einer Gehirnerschütterung oder wegen beidem, war nicht klar.

    Also wurde der Lenker um eine Atemluftprobe gebeten. Für den älteren Herrn schien das ein Ding der Unmöglichkeit. Ich hatte den Verdacht, dass er das Blasen absichtlich nicht schaffen wollte, weil es ihm selbst vor dem Resultat graute. Die Polizei veranlasste denn auch eine Blutentnahme im Spital, die später durch den Rechtsmediziner ausgewertet wurde.


    Auf dem Weg ins Spital Waid war ich ziemlich irritiert, als mich der Unfallverursacher fragte, wo er denn am anderen Tag sein Auto abholen könne? Mit etwas Zurückhaltung erklärte ich ihm, dass sein Auto wohl einen Totalschaden erlitten habe und er nur noch seine persönlichen Sachen holen könne. Er insistierte, er werde morgen sein Auto holen. Auch ein erneuter Erklärungsversuch meinerseits scheiterte. Ich bin mir auch nicht sicher, ob er verstand, dass er, ganz abgesehen vom demolierten Auto, sowieso für längere Zeit kein Auto mehr fahren dürfte. So ging das eine Weile hin und her, bis ich endlich den Grund für das Insistieren des Rentners begriff. Er pausierte plötzlich, dachte nach und meinte dann: «Wissen Sie, der Wagen darf auf keinen Fall Schrott sein. Das ist der Firmenwagen meines Sohnes.»

    Die Geschichte beschäftigte mich noch eine Weile. Der Rentner war sympathisch und ein bisschen Abenteuer ist dem Alter zu gönnen. Auf der anderen Seite konnte er von Glück reden: Wäre jemand am Strassenrand oder im Tramhäuschen gewesen, hätte es böse geendet. Mit einer freiwilligen Promille-Wegfahrsperre hätte er seine verhängnisvolle Blaufahrt selber verhindern können.


    Kategorien: 24h , Allgemein und Rettungsdienst

    Die Panzerknacker

    Veröffentlicht am Dienstag, 9. Juni 2015 um 16.05 Uhr
    Von Toby Merkli

    Es war am Abend des 21. Dezembers 2005, als wir, das Team des BMA-Löschzuges, aufgeboten wurden. Es war einer von über 1000 automatischen Brandmeldealarmen, die uns jährlich erreichen. Keine besondere Aufregung kam auf, auch wenn wir wussten, dass es sich um eine Bank handelte. Vor Ort stellten wir fest: der alarmgebende Rauchmelder musste sich im Tresorraum befinden. Das war dann doch etwas speziell, denn keiner von uns war zuvor jemals in einem solchen Raum.

    Da keine Kameras im Tresorraum aktiv waren, mussten wir rein. Einfacher gesagt als getan. Wir fanden heraus, dass es zwei Zutrittsberechtigte braucht, welche gleichzeitig verschiedene Passwörter eingeben. Ein Berechtigter war noch im Haus, der zweite schon im Feierabend. So warteten wir, bei Kaffee und Kuchen, auf den zweiten Zugangscode.

    Was nun folgte, glich locker einem Ausschnitt aus einem Hollywoodstreifen. Die beiden Herren gaben ihre Codes ein, drehten an einem grossen, eisernen Rad, es klickte und klackte. Mit hydraulischer Unterstützung öffnete sich vor uns eine tonnenschwere Panzertür. Gespannt, was sich dahinter verbirgt, betrat ich den Raum. Enttäuscht realisierte ich: Er war leer.

    Als die erste Tür hinter uns geschlossen war, öffnete sich vor uns eine ebenso dicke Schiebetür. Nun kamen wir uns vor wie George Clooney und Brad Pitt in «Ocean’s Eleven». Wir betraten zwei Hallen mit Regalen, gross wie Tennisplätze. In der einen lagerten diverse Säcke, Koffer und Kisten, voll mit wertvollen Gemälden, Münzen und anderen Kostbarkeiten, wie ich vermutete. In der anderen Halle lagerten Gold-, Silber- und Platinbarren. Um den Melder ausfindig zu machen, schwärmen wir normalerweise aus, aber hier getraute sich keiner so richtig, die Gruppe zu verlassen, geschweige denn, etwas anzufassen. Unsere Begleiter nahmen es aber locker. Der Melder war schnell gefunden, weshalb er Alarm auslöste, konnte nicht festgestellt werden. Gebrannt hat nichts.

    Einer der beiden Begleiter drückte mir einen Platinbarren in die Hand, ein 4 × 8 Zentimeter kleines Klötzchen, alufarben, 4 Kilogramm Gewicht, aber rund 150 000 Franken Wert. Und davon lagerten zig Paletten voll, fein säuberlich nebeneinander aufgereiht. Hätte einer gefehlt, man hätte es sofort gemerkt. Einen kurzen Moment ging meine Fantasie mit mir auf Reisen. In diesem Tresor mussten je nach Kurs 7–10 Milliarden Franken liegen, er gehört zu den grössten der Schweiz. Und was wäre, wenn wir, das Team von Kleinalarm, nicht wirklich von der Berufsfeuerwehr Zürich wären, sondern tatsächlich Clooney oder Pitt hiessen?

    Auf der Rückfahrt ertappte ich mich, wie ich mir kurz vorstellte, dass ich nicht im TLF, sondern in einem Ferrari und nicht zurück zur Brandwache, sondern in meine Wohnung in Monaco fuhr. Der nächste Alarm bereitete meinen Fantasievorstellungen allerdings ein jähes Ende — zum Glück.


    Kategorien: 24h , Allgemein und Berufsfeuerwehr

    «Nur» eine halbe Stunde

    Veröffentlicht am Dienstag, 9. Juni 2015 um 15.58 Uhr
    Von Toby Merkli

    Oft werde ich nach meinem «krassesten» Einsatz gefragt. Die Leute erwarten dann irgendeine blutrünstige Story. Die Realität sieht aber anders aus. Ich glaube, es geht wohl den meisten Kolleginnen und Kollegen so. Mehr noch als blutige berühren einen die schicksalbehafteten Einsätze. So auch dieser.

    Es war ein schwüler Tag im Juli. Ich hatte Dienst auf einem Rettungswagen am Flughafen. Die Einsatzmeldung erreichte uns am späten Nachmittag. Nach einer REGA-Repatriierung sollten wir eine Patientin ins Unispital Zürich bringen. Schon bei den Stichworten auf dem Meldefax ging mir ein «oh, nein» durch den Kopf: «Frau 69, Verkehrsunfall, mehrere Frakturen (Brüche) an der Wirbelsäule, offene Unterarmfraktur, Brustbeinfraktur.» Und als ob es damit noch nicht genug war, stand am Schluss des Protokolls noch der Satz: «Ehemann bei Unfall verstorben». Beim REGA Center Kloten warteten wir auf den eintreffenden Jet, bevor die betreuende Ärztin mir kurz das Ereignis rapportierte:

    Die Frau war mit ihrem Ehemann und Bekannten auf einer Velotour durch Österreich. Bei einem unbewachten Bahnübergang kam es zum verhängnisvollen und tragischen Unglück. Das Paar wurde vom Zug erfasst. Der Mann überlebte den Unfall nicht, während die Frau mit schwersten Verletzungen ins nahegelegene Regionalspital eingeliefert und dort erstversorgt wurde. Bereits einen Tag später wurde sie von einem REGA-Jet nach Zürich gebracht. Irgendwie war ich froh, dass uns die REGA-Ärztin auf dem Weg ins Unispital begleitete.

    Die Übergabe im Unispital gestaltete sich dann recht kompliziert. Es verging eine gute halbe Stunde, bis die Ärzte entschieden hatten, wie es weiter gehen soll. In dieser Zeit lag es an mir, die Patientin zu betreuen. Ich versuchte sie in ein Gespräch zu verwickeln, was mir angesichts der Vorfälle nicht ganz leichtfiel und äusserst sensibel war. Doch ich gab mir einen Ruck und sprach sie auf ihre Reisen an, ob sie häufig Velotouren machte? Sie begann zu erzählen, von früheren Ferien und Radtouren mit ihrem Mann, meist Flüssen entlang, der Donau, dem Rhein. Es war nicht einfach, aber ich spürte, dass es ihr gut tat. Ihre Verletzungen und ihr Schicksalsschlag schienen etwas in den Hintergrund zu rücken. Als die halbe Stunde vorbei war, bedankte sich die Frau bei mir. Beim Abschied sagte ich ihr, dass es ja nur ein kurzer Weg gewesen sei, den ich sie begleiten konnte. Sie sagte: «Ja, das stimmt, aber ein wichtiger!»

    Dasselbe gilt für mich. Es ist die bisher einzige Patientin, die von mir ein Trauerkärtchen erhielt.


    Kategorien: 24h , Allgemein und Rettungsdienst

    Baywatch oder die Katzenretter von Zürich

    Veröffentlicht am Dienstag, 9. Juni 2015 um 15.41 Uhr
    Von Toby Merkli

    Es war kurz nach der Znüni-Pause, als wir, das Team des «Kleinalarms», zu einer Katzenrettung aufgeboten wurden. Es war am Ufer der Limmat, irgendwo am Ende der Winzerhalde. Ganz genau weiss ich es nicht mehr.

    Natürlich fielen die obligaten Sprüche wie: «Ich ha no nie äs Chatzeskelett uf me Baum gseh.»

    Doch als wir eintrafen, war schnell klar: Dies wird kein einfacher Einsatz. In grosser Höhe, am Ende eines astlosen Stammes einer Esche, welche weit über das Wasser hängt, sass ein kleiner, schwarzer, miauender Fellknäuel. Die Autodrehleiter konnten wir auf dem Spazierweg entlang der Limmat nicht stellen, eine Handschiebeleiter oder ein Hinaufklettern kam ebenso wenig infrage.

    Wir versuchten es erst einmal mit gutem Zureden und einer Dose Nassfutter, beides ohne Erfolg. Besorgt sahen wir in die Höhe. Wir wussten, wenn sie runter fällt und keine Hilfe da ist, dann wird sie in der Limmat ertrinken. Als letzte Möglichkeit blieb uns der Einsatz des grössten Katzenschrecks: Wasser. Mit einer 42er- Leitung und rotem Hohlstrahlrohr versuchten wir sie von aussen Richtung Stamm zu bewegen. Das klappt in vielen Fällen recht gut. Diesmal wurde die Kletterin dabei zwar ziemlich nass, balancierte aber so weit auf den Ast hinaus, dass sie schliesslich abrutschte und in die Limmat fiel.

    Auch wenn sie sieben Leben haben, wusste ich, dass Katzen keine Schwimmweltmeisterinnen sind. Und so war es denn auch. Die kleine Blacky war vom Schock erstarrt und dachte nicht ans Schwimmen. Ich fischte sie aus dem knietiefen Wasser, während sie mich mit riesigen gelben Augen anstarrte, und brachte sie in meiner Brandschutzjacke in Sicherheit. Die andern standen am Ufer und halfen mir zurück auf den Gehweg. Da das Kätzchen besitzerlos schien, brachten wir es ins Tierspital. Auf dem Weg dahin bewegte sich die Kleine kaum noch und wir befürchteten schon das Schlimmste. Doch nach Föhn, Frottiertuch, Röntgen und ausführlichem Body-Check versicherte uns die Ärztin, dass die Katze wohlauf sei.

    Zwei Wochen später erkundigte ich mich nochmals im Tierspital. Die Katze hatte sich gut erholt, war zurück bei ihrem Besitzer. Mir blieb die Erinnerung an einen herzigen, aber auch denkwürdigen Einsatz. Was war für die Kleine wohl schlimmer: die Höhenangst oder ihr Schwumm in der kalten Limmat? Doch als Katzenhalter weiss ich, dass die Samtpfoten nicht nur herzig, sondern auch äusserst zäh sind. Ausser dass sie jetzt vielleicht die Esche am Limmatuferweg meidet, hoffe ich, dass sie keine posttraumatischen Syndrome hat.


    Kategorien: 24h , Allgemein und Berufsfeuerwehr

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