Global Navigation

Baywatch oder die Katzenretter von Zürich

Veröffentlicht am Dienstag, 9. Juni 2015 um 15.41 Uhr
Von Toby Merkli

 Eine schwimmende Katze hat man schon selten gesehen..

Es war kurz nach der Znüni-Pause, als wir, das Team des «Kleinalarms», zu einer Katzenrettung aufgeboten wurden. Es war am Ufer der Limmat, irgendwo am Ende der Winzerhalde. Ganz genau weiss ich es nicht mehr.

Natürlich fielen die obligaten Sprüche wie: «Ich ha no nie äs Chatzeskelett uf me Baum gseh.»

Doch als wir eintrafen, war schnell klar: Dies wird kein einfacher Einsatz. In grosser Höhe, am Ende eines astlosen Stammes einer Esche, welche weit über das Wasser hängt, sass ein kleiner, schwarzer, miauender Fellknäuel. Die Autodrehleiter konnten wir auf dem Spazierweg entlang der Limmat nicht stellen, eine Handschiebeleiter oder ein Hinaufklettern kam ebenso wenig infrage.

Wir versuchten es erst einmal mit gutem Zureden und einer Dose Nassfutter, beides ohne Erfolg. Besorgt sahen wir in die Höhe. Wir wussten, wenn sie runter fällt und keine Hilfe da ist, dann wird sie in der Limmat ertrinken. Als letzte Möglichkeit blieb uns der Einsatz des grössten Katzenschrecks: Wasser. Mit einer 42er- Leitung und rotem Hohlstrahlrohr versuchten wir sie von aussen Richtung Stamm zu bewegen. Das klappt in vielen Fällen recht gut. Diesmal wurde die Kletterin dabei zwar ziemlich nass, balancierte aber so weit auf den Ast hinaus, dass sie schliesslich abrutschte und in die Limmat fiel.

Auch wenn sie sieben Leben haben, wusste ich, dass Katzen keine Schwimmweltmeisterinnen sind. Und so war es denn auch. Die kleine Blacky war vom Schock erstarrt und dachte nicht ans Schwimmen. Ich fischte sie aus dem knietiefen Wasser, während sie mich mit riesigen gelben Augen anstarrte, und brachte sie in meiner Brandschutzjacke in Sicherheit. Die andern standen am Ufer und halfen mir zurück auf den Gehweg. Da das Kätzchen besitzerlos schien, brachten wir es ins Tierspital. Auf dem Weg dahin bewegte sich die Kleine kaum noch und wir befürchteten schon das Schlimmste. Doch nach Föhn, Frottiertuch, Röntgen und ausführlichem Body-Check versicherte uns die Ärztin, dass die Katze wohlauf sei.

Zwei Wochen später erkundigte ich mich nochmals im Tierspital. Die Katze hatte sich gut erholt, war zurück bei ihrem Besitzer. Mir blieb die Erinnerung an einen herzigen, aber auch denkwürdigen Einsatz. Was war für die Kleine wohl schlimmer: die Höhenangst oder ihr Schwumm in der kalten Limmat? Doch als Katzenhalter weiss ich, dass die Samtpfoten nicht nur herzig, sondern auch äusserst zäh sind. Ausser dass sie jetzt vielleicht die Esche am Limmatuferweg meidet, hoffe ich, dass sie keine posttraumatischen Syndrome hat.

Toby Merkli

Weitere Informationen

Suche im Blog Toby Merkli