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Die Panzerknacker

Veröffentlicht am Dienstag, 9. Juni 2015 um 16.05 Uhr
Von Toby Merkli

Einmal George Clooney und Brad Pitt in 'Ocean's Eleven' sein können.  

Es war am Abend des 21. Dezembers 2005, als wir, das Team des BMA-Löschzuges, aufgeboten wurden. Es war einer von über 1000 automatischen Brandmeldealarmen, die uns jährlich erreichen. Keine besondere Aufregung kam auf, auch wenn wir wussten, dass es sich um eine Bank handelte. Vor Ort stellten wir fest: der alarmgebende Rauchmelder musste sich im Tresorraum befinden. Das war dann doch etwas speziell, denn keiner von uns war zuvor jemals in einem solchen Raum.

Da keine Kameras im Tresorraum aktiv waren, mussten wir rein. Einfacher gesagt als getan. Wir fanden heraus, dass es zwei Zutrittsberechtigte braucht, welche gleichzeitig verschiedene Passwörter eingeben. Ein Berechtigter war noch im Haus, der zweite schon im Feierabend. So warteten wir, bei Kaffee und Kuchen, auf den zweiten Zugangscode.

Was nun folgte, glich locker einem Ausschnitt aus einem Hollywoodstreifen. Die beiden Herren gaben ihre Codes ein, drehten an einem grossen, eisernen Rad, es klickte und klackte. Mit hydraulischer Unterstützung öffnete sich vor uns eine tonnenschwere Panzertür. Gespannt, was sich dahinter verbirgt, betrat ich den Raum. Enttäuscht realisierte ich: Er war leer.

Als die erste Tür hinter uns geschlossen war, öffnete sich vor uns eine ebenso dicke Schiebetür. Nun kamen wir uns vor wie George Clooney und Brad Pitt in «Ocean’s Eleven». Wir betraten zwei Hallen mit Regalen, gross wie Tennisplätze. In der einen lagerten diverse Säcke, Koffer und Kisten, voll mit wertvollen Gemälden, Münzen und anderen Kostbarkeiten, wie ich vermutete. In der anderen Halle lagerten Gold-, Silber- und Platinbarren. Um den Melder ausfindig zu machen, schwärmen wir normalerweise aus, aber hier getraute sich keiner so richtig, die Gruppe zu verlassen, geschweige denn, etwas anzufassen. Unsere Begleiter nahmen es aber locker. Der Melder war schnell gefunden, weshalb er Alarm auslöste, konnte nicht festgestellt werden. Gebrannt hat nichts.

Einer der beiden Begleiter drückte mir einen Platinbarren in die Hand, ein 4 × 8 Zentimeter kleines Klötzchen, alufarben, 4 Kilogramm Gewicht, aber rund 150 000 Franken Wert. Und davon lagerten zig Paletten voll, fein säuberlich nebeneinander aufgereiht. Hätte einer gefehlt, man hätte es sofort gemerkt. Einen kurzen Moment ging meine Fantasie mit mir auf Reisen. In diesem Tresor mussten je nach Kurs 7–10 Milliarden Franken liegen, er gehört zu den grössten der Schweiz. Und was wäre, wenn wir, das Team von Kleinalarm, nicht wirklich von der Berufsfeuerwehr Zürich wären, sondern tatsächlich Clooney oder Pitt hiessen?

Auf der Rückfahrt ertappte ich mich, wie ich mir kurz vorstellte, dass ich nicht im TLF, sondern in einem Ferrari und nicht zurück zur Brandwache, sondern in meine Wohnung in Monaco fuhr. Der nächste Alarm bereitete meinen Fantasievorstellungen allerdings ein jähes Ende — zum Glück.

Toby Merkli

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