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Streifenwagen im Vollbrand

Veröffentlicht am Dienstag, 9. Juni 2015 um 16.27 Uhr
Von Toby Merkli

Mit Schutzschild und kugelsicherer Weste einen Brand bewältigen - das erlebt man nicht jeden Tag. Ein Einsatz in Kooperation mit der Interventionseinheit 'Skorpion' der Stadtpolizei Zürich.

Fahrzeugbrände gibt es immer wieder mal. Dass es sich dabei um einen Streifenwagen der Polizei handelt und die Sondereinheit Skorpion zur Unterstützung eines Löscheinsatzes ausrücken muss, das kommt allerdings nicht alle Tage vor.

Es war schon dunkel, als wir, das Team des Kleinalarms, an einen Fahrzeugbrand gerufen wurden. «Vor der Polizeiwache brennt ein Streifenwagen», so lautete die Alarmdurchsage. Als wir vor Ort eintrafen, stand der Wagen bereits im Vollbrand. Wir wollten gerade zum ersten Löschangriff ansetzen, als wir von den anwesenden Beamten gewarnt wurden: In der Mittelkonsole des Autos befänden sich zwei Maschinenpistolen und Munition …

Das tönte nicht ganz ungefährlich. Schliesslich stand die Mittelkonsole quasi im Zentrum des Feuers und der Brand wurde durch auslaufendes Benzin kontinuierlich mit neuem Brennstoff versorgt. Wir suchten Deckung hinter unserem Tanklöschfahrzeug und anderen parkierten Autos. Aus der Distanz konnten wir mittels Schnellangriff den Brand unter Kontrolle halten und mit einem Schaumlöscher die Benzinlache unter dem Wagen löschen.

Doch ein effektiver Löscheinsatz war nicht möglich. Zwischendurch knallte es heftig, ob von den platzenden Reifen oder von der Munition, war nicht klar. Ein wenig mulmig war es mir schon.

Wir brauchten besseren Schutz, daher wurde durch die Polizei die Sondereinheit «Skorpion» aufgeboten. Sie brachte eine spezielle Schutzausrüstung und einen Schutzschild auf den Platz. So wurde ich mit einer kugelsicheren Weste und einem Helm ausgerüstet. In der einen Hand den Schutzschild, in der anderen die Löschpistole, so näherte ich mich dem Wagen und dämmte den Brand weiter ein. Mein Hauptaugenmerk lag aber auf der Kühlung des Waffenschranks zwischen den beiden Vordersitzen. Länger als üblich kühlte ich das Innere, bis wir mit der Wärmebildkamera einen sicheren Temperaturwert nachweisen konnten.

Nun stand aber ein weiteres Problem an. Da der Streifenwagen auf einen nicht abgeschlossenen Parkplatz gebracht werden musste, durfte die heikle Ladung nicht drin bleiben. Die Tür zu den Waffen liess sich aber nur bei eingeschalteter Zündung öffnen, und die funktionierte bei diesem ausgebrannten Wrack natürlich nicht mehr. Ein Versuch den Kasten mit einer Brechstange zu öffnen, scheiterte, so mussten wir ihn mit schwerem, hydraulischem Gerät auftrennen.
Nach mehreren Stunden konnten wir den heiklen Einsatz endlich beenden und ich war froh, die kugelsichere Weste sowie den Schutzschild wieder den Kollegen der Stapo zurückgeben zu können.

An der Stelle, wo der Wagen stand, ist noch heute ein grosser Brandfleck auf dem Teer zu erkennen. Immer wenn wir daran vorbeifahren, erinnert er mich an diesen aussergewöhnlichen Fahrzeugbrand. Heute könnte das übrigens so nicht mehr passieren, denn bei den neuen Fahrzeugen sind die Maschinenpistolen anders untergebracht.

Toby Merkli

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