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Ein unangenehmes Erwachen

Veröffentlicht am Dienstag, 8. Dezember 2015 um 09.31 Uhr
Von Toby Merkli

    

Stellen Sie sich vor: Sie liegen im Tiefschlaf mitten in der Nacht. Durch ein Poltern werden Sie jäh aus dem Schlaf gerissen. Sie reiben sich die Augen, vor Ihrem Fenster fliegt ein Ufo mit zwei Ausserirdischen.

Stellen Sie sich vor: Sie liegen im Tiefschlaf mitten in der Nacht. Durch ein Poltern werden Sie jäh aus dem Schlaf gerissen. Sie reiben sich die Augen, vor Ihrem Fenster fliegt ein Ufo mit zwei Ausserirdischen. Sie merken, wie sich in Ihnen Panik breitmacht. Sie sehen nicht, dass das Ungeheuer natürlich keine fliegende Untertasse ist, sondern der Korb einer Autodrehleiter. Mit ihren Frontscheinwerfern und zwei behelmten Gestalten kann diese durchaus an ein Objekt aus einem Science-Fiction-Film erinnern. Da würde ich wohl auch erst mal in Panik geraten – und damit war es noch nicht genug ... Aber lassen Sie mich die Geschichte von vorn erzählen.

Die Meldung erreichte uns gegen zwei Uhr früh. Ein Verzweifelter stand vor der Tür seines Geliebten und glaubte, dahinter ein Röcheln zu hören. Die Tür war verschlossen, der Schlüssel steckte von innen und auch auf mehrmaliges Poltern öffnete niemand. Natürlich machte sich der junge Mann Sorgen. Was, wenn seinem Freund etwas zugestossen ist? Er alarmierte die Polizei, diese wiederum Rettungsdienst und Feuerwehr.

Wir rückten als Kleinalarm mit der Autodrehleiter (ADL) und dem Tanklöschfahrzeug aus. So hatten wir verschieden Möglichkeiten: Mit der ADL konnten wir an das Fenster im siebten Stock gelangen und allenfalls ein Kippfenster öffnen, um uns Zutritt zu verschaffen. Zudem standen uns ein hydraulischer Türöffner, eine Türramme sowie weiteres «Einbruchswerkzeug» zur Verfügung.

Während sich die ADL-Crew auf den Weg in den siebten Stock machte, postierten sich zwei Stadtpolizisten mit der Türramme, das RTW-Team sowie einige Feuerwehrmänner mit weiterem Gerät vor der Tür. Oben angekommen, gab die ADL-Crew per Funk durch, dass der Mann im Bett liege. Über seinen Zustand konnten sie nichts sagen. Sowohl das Team vor dem Fenster wie auch die Crew vor der Türe polterten und versuchten, ihn mit Rufen zu wecken. Das ganze Haus war wach.

Als der Mann endlich erwachte, wusste er nicht, wie ihm geschah. Vor dem Fenster ein undefinierbares Ding, das in sein Zimmer leuchtete, und zwei Kreaturen, die ihm zuwinkten. Nach Angaben meiner Kollegen schoss er aus dem Bett, rannte mehrmals durch die Wohnung und schrie in Panik. Letztlich gelangte er zur vermeintlich rettenden Tür, riss sie auf und erstarrte: Da standen zwei Polizisten, zwei Rettungssanitäter und eine Handvoll Feuerwehrmänner.

Das war zu viel für den Guten. Er brach in Tränen aus und musste sich setzen. Erst als sein Freund ihm erklärte, wie es dazu kam, beruhigte er sich allmählich. Der Mann hatte lediglich geschlafen – wie es die meisten tun um diese Zeit – nur etwas tiefer.

Wir rückten ab, froh, dass alles ein gutes Ende genommen hatte.

Toby Merkli

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