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Einsatz hinter Gittern

Veröffentlicht am Dienstag, 1. März 2016 um 14.53 Uhr
Von Toby Merkli

    

Einsätze in Gefängnissen sind speziell, in einem geschlossenen Hochsicherheitstrakt jedoch noch mehr – und genau dahin wurden wir, das Team 221 der Rettungsdienstwache im Triemli, gerufen: Ein junger Mann liege bewusstlos in seiner Zelle und müsse beatmet werden, so die Meldung. Und weiter: «Zufahrt auf der Gebäuderückseite, Team wird eingewiesen.»

Vor Ort lotste uns eine Mitarbeiterin durch die grossflächige Anlage, bis wir im hinteren Teil des Zentrums zu einer Schleuse gelangten, hinter der die Turnhalle lag. Den RTW liessen wir vorerst vor der Schleuse stehen. Von der Turnhalle wurden wir schliesslich ins Gebäude geführt; alles schlüssellos, die Türen öffneten und schlossen wie von Geisterhand. Eine Zentrale beobachtete uns via Kamera auf Schritt und Tritt: Die letzte Tür wurde stets geschlossen, bevor die nächste aufging.

Die Situation in der Zelle war zum Glück nicht so dramatisch wie vermutet: Der Mann hatte sich lediglich in eine massive Hyperventilation gesteigert – der Körper reagierte mit Atemstillstand, wobei die Atmung aber nach kurzer Zeit spontan wieder einsetzte. Für Laien sieht dies dramatisch aus, ist aber eigentlich unkritisch. Dennoch entschieden wir uns für eine Hospitalisation, natürlich mit polizeilicher Transportbegleitung. Da Insassentransfers nur in der Turnhalle stattfinden dürfen, musste ich den RTW umparkieren gehen. Zudem brauchten wir unsere Trage, denn der Patient war in seinem Zustand nicht gehfähig.

Begleitet gelangte ich durch die Turnhalle zurück zur grossen Schleuse, wo ein kleiner Alptraum begann: Das erste Schleusentor liess sich noch öffnen, doch das zweite wollte nicht. Wir bekamen die Order, zurück ins Gebäude zu gehen und zu warten, bis alle Tore und Türen wieder verschlossen waren, um es dann erneut zu probieren. Allerdings liess sich die Tür zurück ins Gebäude nicht öffnen, da das Schleusentor ja noch offen stand. Schliesslich war auch dieses zu. Wir waren gefangen in der Turnhalle! Nach etlichen Versuchen gelang es der Sicherheitszentrale, die Tür ins Gebäude zu öffnen. So konnte meine Begleitung einen Schlüssel holen, mit welchem wir an den Sicherungskasten der Schleusentore gelangten. Nur stellten die vielen Schalter für meine Begleitung ein grosses Fragezeichen dar. Zum Glück ähnelte die Torsteuerung jener unserer Feuerwehrtore: So wusste ich, wie die Anlage zurückgesetzt wird – und löste zu meinem Schreck sogleich den Ausbruchalarm aus! Dafür war unser Kurzzeitgefängnis in der Gefängnisturnhalle endlich aufgehoben. Die Zentrale konnte den Alarm stoppen und ich gelangte endlich zum RTW.

Es dauerte eine Ewigkeit, bis wir wieder beim Patienten waren. Ich fragte mich, wie das wohl in einem kritischen Fall verlaufen wäre. Bestimmt gäbe es irgendwo einen schnelleren Weg … In jedem Fall war ich froh, das Gefängnis nach diesem Einsatz wieder verlassen zu können.

Toby Merkli

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