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Alles für die Königin

Veröffentlicht am Dienstag, 17. Mai 2016 um 10.40 Uhr
Von Toby Merkli

     

Wenn ein Bienenvolk zu gross wird, züchtet es eine neue Königin. Die alte Königin schwärmt dann mit einem Teil des Volkes aus und sucht sich einen neuen Platz. Das ist an sich kein Problem, nur ist der neue Platz oft bereits vom Mensch besetzt. Dann schwärmen wir mit der Berufsfeuerwehr aus, um die kleinen, wertvollen Tiere zu retten. Bei einem solchen Einsatz hatte ich meine Rechnung ohne eine tapfere Biene gemacht, die bereit war, alles für die Königin zu geben.

Sicher erinnern Sie sich an den Einsatz, bei dem die Berufsfeuerwehr kürzlich eine betagte Elefantendame im Zoo Zürich wieder auf die Beine stellen musste. Tierrettungen gehören zu unserem Alltag. Meist sind es aber die Kleinsten, die Bienen, die unsere Hilfe brauchen. Wenn ein Volk zu gross wird, züchtet es eine neue Königin. Die alte Königin schwärmt dann mit einem Teil des Volkes aus und sucht sich einen neuen Platz. Das ist an sich kein Problem, nur ist der neue Platz oft bereits vom Mensch besetzt.

So auch an einem schwülen Junitag, als wir die Meldung erhielten, ein Bienenschwarm habe sich – wie meist als Traube geformt – an der Infotafel einer VBZ-Bushaltestelle angesammelt. Ein denkbar ungünstiger Ort: Jedes Mal, wenn der Bus anhielt, schwirrten die Bienen nervös und drohend herum.

Als Erstes sperrten wir den Rayon grosszügig ab – es ist einfacher, die Menschen von den Bienen fernzuhalten, als umgekehrt. Nun konnten wir in Ruhe arbeiten. Wir schlüpften in unsere Imkeranzüge und bereiteten das Material vor. Eine gute Vorbereitung ist hier Gold wert, denn mit einem nervösen Bienenvolk ist nicht zu spassen. Vorsichtig näherte ich mich der Infotafel und bespritzte die Traube mit Wasser aus einem Zerstäuber. Die Tierchen meinen dann, es regne, und verringern ihre Flugaktivität. Hier half aber auch der stärkste «Regen» nicht: Die Bienen waren zu aufgeregt und höchst aggressiv. Zum Glück schützte mich mein Anzug vor den unzähligen, gezielten Angriffen. Mit der einen Hand hielt ich eine Bienenkiste, Marke Eigenbau, unter die Traube, mit der andern streifte ich die Traube vorsichtig und gleichmässig von der Metallstange ab: Das ganze Volk plumpste schliesslich in die Kiste.

Die Kiste stellte ich in den Schatten eines nahe gelegenen Baums; langsam beruhigten sich die Bienen, und auch die Heimkehrer, welche von der Aktion nichts mitbekommen hatten, flogen gezielt in die Holzkiste. Das hiess für mich, Aktion gelungen, denn die Bienen fliegen immer zur Königin. Ist sie in der Kiste, folgen die andern ihr.

Für mich war der Einsatz hier vorläufig beendet. Ich zog mich zum Fahrzeug zurück und schälte mich aus meiner weissen Montur. Mit knapp 20 Metern Distanz zu den Bienen hatte ich mich an diesem Tag aber verkalkuliert. Kaum hatte ich den Kopfschutz abgelegt, griff eine Biene an. Zielstrebig flog sie auf mich zu und trotz abwehrendem Fuchteln krallte sie sich in meinen Haaren fest und stach mich in den Hinterkopf. Na ja,ganz Unrecht hatte sie ja nicht: Störenfried! Ich nahm’s ihr auch nicht übel, dafür hab ich die kleinen Viecher viel zu lieb.

Übrigens lassen wir die Kiste jeweils bis zur Dämmerung vor Ort – bis dann kehren alle Mitflügler des Volkes zurück und legen sich zur Ruh. So sind sicher alle Bienen an Bord. Die Kiste nehmen wir dann mit auf die Wache und übergeben sie tags darauf einem Imker. Jährlich retten wir so rund 400 Bienenvölker.

Toby Merkli

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