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Alle für einen

Veröffentlicht am Donnerstag, 8. September 2016 um 08.00 Uhr
Von Toby Merkli

            

Eigentlich wurden wir, das Team 123 von der Hauptwache am Neumühlequai, nur quasi «zur Sicherung» aufgeboten: Ein Mittvierziger sei im Badezimmer eingeklemmt, so die Meldung. Wir ahnten noch nicht, dass uns dieser Einsatz ganz schön ins Schwitzen bringen sollte.


Eigentlich wurden wir, das Team 123 von der Hauptwache am Neumühlequai, nur quasi «zur Sicherung» aufgeboten: Ein Mittvierziger sei im Badezimmer eingeklemmt, so die Meldung. Drei Polizeipatrouillen und die Autodrehleiter der Berufsfeuerwehr Nord waren bereits vor Ort. Noch während unserer Anfahrt hörten wir über Funk, dass sich der Zustand des Patienten verschlechterte. Aufgrund seiner misslichen Lage hatte er zunehmend Mühe mit der Atmung. Für uns wurde aus dem Sicherungs- ein Notfalleinsatz. 

Als wir eintrafen, hatten die Kollegen den Patienten bereits befreit, ihn in Seitenlage gebracht und mit Sauerstoff versorgt. Der Mann litt an einer Leberzirrhose. Durch diese Minderfunktion der Leber lagert der Körper kontinuierlich Wasser ins Bauchgewebe ein (Aszites), in seinem Fall waren es zig Liter. Ich schätzte, dass der Mann sicher 180 Kilogramm zu tragen hatte. Sein Bauch entsprach krankheitsbedingt der Grösse von etwa zweieinhalb Medizinbällen. Obwohl der Mann sich nicht in einem akut kritischen Zustand befand, musste er hospitalisiert werden, denn so konnte er nicht mehr selbst ständig zu Hause leben. Wir machten uns also Gedanken, wie wir ihn bergen und transportieren könnten. Unsere Trage war bis 300 Kilogramm zugelassen, das wäre also kein Problem gewesen. Doch das Volumen des Patienten war schlicht zu umfangreich für unsere Trage. Zudem wäre es im Rettungswagen sehr eng geworden und eine adäquate Betreuung wäre nicht möglich gewesen. 

Wir entschlossen uns, die Grossraumambulanz aufzubieten. Dieser Rettungswagen hat die Grösse eines VBZ-Busses und ist für den Transport von fast 20 Leichtverletzten gebaut – oder eben für einen Patienten mit speziellem Volumen. Das Fahrzeug verfügt über eine Rampe und kann mit einer Schwerlasttrage bestückt werden, die bis zu 400 Kilogramm elektrohydraulisch anheben kann und die mit seitlichen aufklappbaren «Flügeln» bestückt ist. Doch zunächst benötigten wir zusätzliches Material und viel Kreativität, um den Patienten aus dem Badezimmer im vierten Stock auf die Trage vor dem Haus zu bringen. Wir zogen eine Rettungsschlinge der Polizei unter seine Hüfte und legten ein Bergetuch um Schulter und Nacken. So gelang es uns, den Mann aus dem Bad auf ein XXL-Rettungstuch im Gang zu heben. Auf diesem rund vier Quadratmeter grossen und mit Griffen versehenen Tuch brachten wir den Patienten in den Lift. Mit vereinten Kräften gelang uns die Bergung und wir fuhren mit dem Grossraumrettungswagen ins Unispital, wo der Patient bereits mit einem Spezialbett empfangen wurde. 

Dieser ungewöhnliche Einsatz brachte die sechs Polizisten, die vier Feuerwehrmänner und unser Zweierteam ordentlich ins Schwitzen, zeigte aber auch, wie hervorragend und harmonisch die Zusammenarbeit der Zürcher Blaulichtorganisationen funktioniert.

Toby Merkli

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