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Advent, Advent, die Stube brennt

Veröffentlicht am Freitag, 25. November 2016 um 09.15 Uhr
Von Toby Merkli

    

Es war spätabends mitten im Dezember, als unser Blaulicht die nebligen Strassen Zürichs erhellte. Ein Anwohner hatte gemeldet, dass dichter, schwarzer Rauch aus einem Fenster entweiche. Das Löschen des Brandes war keine grosse Sache. Die Bewohner der Wohnung dürften aber ziemlich eine böse Überraschung erlebt haben. Sie waren in die Ferien gefahren und hatten eine Kerze am Adventskranz brennen lassen...

Es war spätabends mitten im Dezember, als unser Blaulicht die nebligen Strassen Zürichs erhellte. Ein Anwohner hatte gemeldet, dass dichter, schwarzer Rauch aus einem Fenster entweiche und es im Treppenhaus komisch rieche. «Wo Rauch ist, ist auch Feuer» – so die alte Feuerwehrweisheit. Deshalb wird bei einer solchen Meldung jeweils ein ganzer Löschzug – 1 Autodrehleiter (ADL) und 2 Tanklöschfahrzeuge (TLF) – alarmiert.

Vor Ort informierte uns eine Nachbarin, dass die Bewohner der betroffenen Wohnung heute zu ihren Verwandten ins Ausland gefahren seien und niemand zu Hause sei. Wir zogen den Schlauch für den Schnellangriff vor die Wohnungstür im 3. Stock. Die ADL ging in Position, um allfällige Rettungen auszuführen. Und der Lüfter wurde vor dem Hauseingang in Betrieb genommen. Damit erzeugen wir jeweils einen Überdruck im Treppenhaus, um zu verhindern, dass der Rauch aus der Wohnung entweicht und weiteren Schaden anrichtet oder den Fluchtweg blockiert.

Wir drangen mit Atemschutz in die Wohnung ein. Ziel: eine Abluftöffnung, zum Beispiel ein Fenster, und natürlich den Brandherd finden, um das Feuer unter Kontrolle zu bringen. Es war stockdunkel. Ich sah im ersten Moment nicht einmal meine Hand vor den Augen. Nur dank der Wärmebildkamera konnten wir uns orientieren und fanden die Ursache rasch: Auf dem Boden lag ein heisser, kreisförmiger Gegenstand.

Ein kurzer Wasserstrahl und wir konnten nach aussen melden: «Feuer unter Kontrolle!» Der Rauch zog allmählich durch das Fenster ins Freie, die Sicht wurde besser und wir erahnten, was geschehen war. Die Bewohner hatten vermutlich eine brennende Kerze vergessen. Der Adventskranz, der auf dem Tisch stand, fing Feuer. Die Tischplatte brannte durch und der Kranz fiel auf den Boden. Dort brannte er ein Loch in den Teppich, hatte aber zum Glück zu wenig Energie, um weiterzubrennen. Bei unserem Eintreffen glühte er nur noch. Trotzdem hatte das kleine Feuer derart viel Russ verursacht, dass die ganze Wohnung schwarz war. Auch in der hintersten Ecke gab es einen weissen Strich, wenn man mit dem Finger über die Wand fuhr. Sämtliche Kleider in den Schränken, die Bilder, Fotos, alles war schwarz und stank fürchterlich nach Rauch. Eine solche Wohnung muss komplett saniert und das Inventar grösstenteils entsorgt werden.

Als wäre das für die Betroffenen nicht schon schlimm genug, war hier alles während ihrer Abwesenheit geschehen. Auch mit polizeilicher Unterstützung konnte die Familie nicht erreicht werden. So blieb uns nichts anderes übrig, als die Tür zu versiegeln und einen Kleber anzubringen, mit der Aufschrift: «Die Feuerwehr war hier, bitte melden sie sich!» Wir zogen ab in der Hoffnung, dass die Bewohner im Verlauf ihrer Ferien wenigstens noch kontaktiert werden konnten.

Deshalb, liebe Leserinnen und Leser: Kerzen niemals unbeaufsichtigt brennen lassen, weder am Adventskranz noch am Christbaum! Denn ein solches Heimkommen wünsche ich niemandem!

Toby Merkli

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