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Geretteter Himmelszauber

Veröffentlicht am Donnerstag, 7. Dezember 2017 um 16.37 Uhr
Von Toby Merkli

Blockierte Strassen, jede Art von Feuerlöschern - und das alles wegen einem Feuerwerk!

   

Der 1. August war gerade vorbei. Einmal mehr hatten Tonnen von Feuerwerk den Schweizer Nachthimmel erhellt. Die Fest- und Feuerwerklaune war aber noch lange nicht gebrochen. Die Stadt Lausanne plante für das kommende Wochenende ein grosses Fest, selbstverständlich mit imposantem Feuerwerk.

Für das Himmelsspektakel in der Romandie wurde eine Spezialfirma aus der Region Zürich beauftragt. In ihrem Kleinlaster transportierte sie eine explosive Fracht: mehrere hundert Kilogramm Sprengstoff, Zünder und Treibsätze. Und ausgerechnet dieser Laster mit Anhänger geriet aus unklaren Gründen auf der A3 in Richtung Zürich derart ins Schlingern, dass schliesslich die Schwerkraft siegte. Er kam auf der Seite liegend abrupt zum Stillstand und verbreitete eine gespenstisch-explosive Ruhe.

Für diesen Autobahnabschnitt wäre eigentlich die Stützpunktfeuerwehr Horgen zuständig. Wegen der explosiven Ladung wurde jedoch zusätzlich der Chemiezug der Berufsfeuerwehr von Schutz & Rettung aufgeboten. Die Horgener wurden mit der nicht minder komplexen Verkehrsumleitung beauftragt.

Die Experten der Feuerwerksfirma versicherten zwar, dass die Ladung gut verpackt und ungefährlich sei. Dennoch ordnete die Polizei einen angemessenen Brandschutz an. Verständlich, denn wenn diese Ladung hochgehen würde, wäre in der näheren Umgebung wohl kein Stein auf dem anderen geblieben.

Die Autobahn war bereits gesperrt, so hatten wir genügend Platz, um den sogenannten «grossen dreifachen Brandschutz» aufzubauen. Dreifach heisst, je eine Wasser-, eine Pulver- und eine Schaumleitung. Die Idee dahinter: Für fast jede Art von möglichem Brand ist unmittelbar ein geeignetes Löschmittel zur Hand.

Während wir den Brandschutz gewährleisteten, untersuchten die Unfallermittler und Sprengstoffspezialisten der Kantonspolizei Zürich das Wrack mitsamt der gefährlichen Ladung. Erst als sie als sicher eingestuft wurde, konnte mit dem Umladen auf ein Ersatzfahrzeug begonnen und eine Fahrspur für den Verkehr wieder freigegeben werden. Wir ersetzten derweil unseren «grossen Brandschutz» mit einem kleinen, sprich: Aus den Leitungen wurden Handfeuerlöscher.

Damit das Feuerwerk noch rechtzeitig in Lausanne ankam, wurde es möglichst rasch umgeladen. Für die Bergung des Fahrzeugs und des Anhängers sowie zur Reinigung der Fahrbahn brauchten wir allerdings etwas länger. Insgesamt waren wir mehrere Stunden bei guten 30 Grad auf der Autobahn im Einsatz. In der Brandschutzbekleidung hiess das Sauna inklusive. Der Verkehr lag still in dieser Zeit. Wer sich zwischen der letzten Ausfahrt und der Unfallstelle befand, brauchte viel Geduld.

Ich freute mich am Abend auf die kalte Dusche und genoss später via YouTube das Feuerwerk in Lausanne. Genauso die Festbesucher vor Ort, von denen an diesem Abend viele «Quel feu d’artifice!» gejubelt haben – nichts ahnend, dass ihr Himmelszauber beinahe schon auf der A3 in die Luft gegangen wäre.

Toby Merkli

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