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Ein Saunabesuch mit Folgen

Veröffentlicht am Donnerstag, 19. März 2020 um 14.55 Uhr
Von Toby Merkli
EIn Saunabesuch mit Folgen

Was gibt es Schöneres, als sich nach einem Saunagang direkt im eiskalten Zürichsee abzukühlen? Leider besuchte ich die Sauna am See nicht privat, sondern während der Arbeit. Der Alarm erreichte uns am späteren Nachmittag: «Männlich, ca. 50 Jahre, Verbrennungen», lautete die Einsatzmeldung. Mehr wussten wir noch nicht, als wir mit Sondersignal von der Wache Triemli Richtung Enge fuhren.

Am Ziel angekommen, lotste uns der diensthabende Bade- bzw. Saunameister ins Sanitätszimmer. Dort trafen wir auf einen Mann mit umgewickeltem Badetuch. Er hielt seine Arme unter den Wasserhahn und spritzte sich immer wieder Wasser auf die Brust. Auf seinem Oberkörper sahen wir rote Streifen und Brandblasen. Letztere übersäten auch die Unterarme sowie die Handflächen grossflächig. Vereinzelt hatte sich die Haut schon abgelöst. Der Mann hatte enorme Schmerzen – das sahen und hörten wir schon von Weitem. «Was ist passiert?», fragte ich sofort, während wir eiligst die Infusion und ein sehr potentes Schmerzmittel richteten.

Was er uns erzählte, liess uns erschauern. Der Mann hatte sich vom kühlen See zurück in die Sauna begeben. Dabei war er mit den nassen Füssen auf dem Plattenboden ausgerutscht und mit dem Oberkörper auf den Saunaofen gefallen – um vom Ofen wegzukommen, hatte er sich mit den Armen und Händen abgestossen. Die anwesenden Saunagängerinnen und -gänger waren sofort zur Hilfe geeilt, trotzdem blieb unser Patient recht lange mit der heissen Kohle in Kontakt. Nachdem wir uns beim ansprechbaren Patienten über allfällige Allergien, Vorerkrankungen und Medikamente informiert hatten, verabreichten wir ihm eine ordentliche Dosis Schmerzmittel. Wir versorgten die Wunden mit speziellen Brandverbänden, welche die Verbrennungen steril und atmungsaktiv bedecken, ohne zu verkleben. Anschliessend wickelten wir den Mann in eine warme Decke, um ein Auskühlen zu verhindern, da dies die weitere Prognose verschlechtern kann.

Nachdem wir den Patienten auf ein erträgliches Schmerzniveau gebracht hatten, begleiteten wir ihn zu Fuss aus der Sauna und fuhren anschliessend mit Sondersignal ins Universitätsspital Zürich, wo wir bereits von Fachärzten und anderen Spezialisten für Brandverletzungen in Empfang genommen wurden.

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