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Die Brandwache ist geschlossen

Veröffentlicht am Dienstag, 29. September 2020 um 13.44 Uhr
Von Toby Merkli
Die Brandwache ist geschlossen

«Die städtische Brandwache ist geschlossen», heisst es auf einem Plakat am Haupteingang von SRZ in Zürich-Wiedikon. Aber so einfach ist es natürlich nicht, denn die Berufsfeuerwehr arbeitet selbstverständlich trotz Coronavirus weiter.

Für uns Berufsfeuerwehrleute hat sich das Leben in der Wache mit dem Lockdown gravierend verändert: Es ist plötzlich still im Haus. Wer nicht zwingend präsent sein muss, arbeitet im Homeoffice. So bleiben insbesondere die Arbeitsplätze der Mitarbeitenden aus den rückwärtigen Bereichen leer. Spätestens als ich meine Kolleginnen und Kollegen der Kommunikation aufsuchen möchte, um den nächsten Toby-Blog zu besprechen, und stattdessen ein verlassenes Büro antreffe, fällt mir die ungewohnte, fast gespenstische Ruhe auf, die in den oberen Stockwerken der Wache herrscht.

Die getroffenen Schutzmassnahmen führen mir den Ernst der Lage eindrücklich vor Augen. Obwohl wir in der Wache sämtliche Hygiene- und Schutzvorkehrungen frühzeitig umgesetzt haben, ist die Angst vor einer Ansteckung bei vielen in der Mannschaft ein ständiger Begleiter. Dies galt insbesondere in der Anfangsphase, in der man die Auswirkungen des Virus noch nicht genau abschätzen konnte. Dies zeigt sich eindrücklich im Alltag in der Wache: Ständig sind wir auf der Hut, die Einbahnsysteme in den Gängen einzuhalten, die Distanz zu den Kolleginnen und Kollegen zu wahren, nichts unnötig anzufassen. Auch der Umgang mit den Masken ist für uns noch ungewohnt und sorgt da und dort für Gesprächsstoff. Da es in meinem nahen Umfeld eine an Lungenkrebs erkrankte Person gibt und ich das Virus unter keinen Umständen nach Hause tragen will, lege ich besonderen Wert auf Schutz und Distanz. So ist ein Fläschchen Desinfektionsmittel mein ständiger Begleiter, und ich halte mich nur wenn zwingend nötig in den Gemeinschaftsräumen auf. Die Bereitschaftszeit verbringe ich fast ausschliesslich mit meinem E-Reader und den Fällen von «Flint und Cavalli» in meinem Ruhezimmer. 

Da die Pandemie in meinem Arbeitsleben omnipräsent ist, wirkt sie sich auch auf mein Privatleben aus. Persönlich unterbinde ich die sozialen Kontakte komplett, dafür sind Facetime & Co. hoch im Kurs. Weil ich unter anderem die Feierabendbier-Treffen und Wochenend-Grillpartys meiner Freunde nicht gutheisse und dies auch offen kundtue, werde ich im privaten Umfeld teilweise als überempfindlich wahrgenommen. Doch die Entwicklung der Ansteckungszahlen in den kommenden Wochen rechtfertigt meinen umsichtigen Umgang mit dem Virus: Die Massnahmen sind erfolgreich, die Zahl der Neuinfektionen sinkt. Auch innerhalb der Wachen der Berufsfeuerwehr gibt es bis heute keine bestätigten Ansteckungen, und ein Ausfall mehrerer Berufsfeuerwehrleute blieb ebenfalls aus. Langsam kehrt das Leben zurück in unser Haus, und mit den neuen Erkenntnissen geselle auch ich mich wieder vermehrt zu meinen Kameradinnen und Kameraden. Die meisten Massnahmen werden beibehalten oder sogar erweitert, denn nach wie vor gilt: #BliibDraa SCHÜTZE DICH UND MICH.

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