Global Navigation

Ein Blick von Oben

Es ist ein ruhiger Morgen in der Wache Süd von Schutz & Rettung Zürich. Die Angehörigen der Berufsfeuerwehr nutzen die einsatzfreie Zeit für eine Übung im Hof. Kurz vor halb zwölf hallt aus der Fahrzeughalle der Feueralarm: Eine Brandmeldeanlage (BMA) hat Rauch detektiert und eine Meldung an die Einsatzleitzentrale von SRZ übermittelt.

Brandherd von unter
Die Autodrehleiter und der Hubretter werden in Stellung gebracht.

In der Einsatzleitzentrale (ELZ) bietet eine Disponentin ein Tanklöschfahrzeug (TLF) und eine Autodrehleiter (ADL) an die Kasernenstrasse 95 auf – ein Routineeinsatz für die sieben Feuerwehrleute des heutigen BMA-Löschzugs. Vor Ort sehen die Einsatzkräfte auf der Anzeige, dass die BMA, die im sechsten Obergeschoss des Gebäudes angebracht ist, Rauch ermittelt hat. Sofort sucht der Erkundungstrupp des BMA-Löschzugs das Gebäude nach Rauch ab, allerdings erfolglos. Inzwischen melden Anwohnende der umliegenden Häuser, dass sie auf dem Dach der Sihlpost Rauch und Funken sehen. Die Disponentin in der ELZ leitet diese Information an den Löschzugführer weiter. Dieser lässt eine ADL-Stellung auf der Kasernenstrasse aufbauen, und tatsächlich: Im Bereich des Dachs tritt Rauch aus einem Schacht aus, und der nimmt permanent zu. Sofort verlangt der Chef des Löschzugs bei der ELZ die Eskalation des Ereignisses auf das Einsatzstichwort «Brand Industrie-/ Lagergebäude». Dieses zieht die Alarmierung eines zweiten TLF, des Einsatzleiters Berufsfeuerwehr Süd und des Pikettoffiziers Feuerwehr & Zivilschutz (FWZS) nach sich. Da die ADL nicht bis zum Dach reicht, wird zusätzlich der Hubretter (HRF) aufgeboten. Dieser erreicht eine maximale Höhe von 52 Metern.

Die nachrückenden Einsatzkräfte erblicken den dunklen Rauch über dem Dach der Sihlpost schon von Weitem: Ja, auf dem Dach an der Kasernenstrasse 95 brennt es. Der Hubretter erreicht das Ziel, wird sofort in Stellung gebracht und für den Löschangriff vorbereitet. «Jetzt brennt auch das Dach!», funkt der Löschzugchef dem Pikettoffizier FWZS. Umgehend bietet dieser eine weitere ADL auf. Es ist Mittagszeit, viele Schaulustige bleiben stehen, und erste Journalistinnen und Journalisten versammeln sich vor der Absperrung. Ein Online-Medium richtet sogar einen Livestream ein. Deshalb bietet die Einsatzleitung das SRZ-Medienpikett auf.

Suche nach dem Brandherd

Drohne im Anflug
Die Drohne ermöglicht einen Blick von Oben

Noch immer steigt dunkler Rauch über der Kasernenstrasse 95 auf. Unterdessen haben die Einsatzkräfte das dritte bis sechste Obergeschoss des Gebäudes evakuiert, weitere Teile der Sihlpost werden noch geräumt. Deshalb organisieren die Einsatzkräfte von Feuerwehr, Sanität und Stadtpolizei gemeinsam den Schadensplatz: Patientensammelstelle, Sanitätshilfsstelle, Rettungsachse, Standort Einsatzleitung, Sammelstelle Unverletzte sowie ein Warteraum werden bestimmt und die Informationen an die ELZ weitergeleitet. Inzwischen hat die Besatzung im Korb des HRF die Löscharbeiten aufgenommen. Fast schlagartig verschwindet der dunkle Rauch, der Brand ist aber noch nicht gelöscht. Immer noch ist unklar, wo es brennt und wo das Feuer ausgebrochen ist. Die Einsatzkräfte haben von innen her keinen Zugang zum Brand, und die Einsatzleitung blickt von ihrem Standort aus nicht aufs Dach. Ein Blick von oben wäre hilfreich.

DIE ERLEICHTERUNG IST GROSS: DANK DER DROHNENAUFNAHMEN ENTDECKEN DIE EINSATZKRÄFTE DEN BRANDHERD.

Drohnen verschaffen Klarheit

Drohnenpilot
SRZ testet den Einsatz von Drohnen.

Der Blick von oben wird ermöglicht. Seit Herbst 2019 testet SRZ in einem Pilotversuch den Einsatz von Drohnen und betreibt zu diesem Zweck ein Drohnenpikett. Bei bestimmten Einsatzstichworten (z. B. «BrandIndustrie-/Lagergebäude») wird das Drohnenpikett automatisch aufgeboten – so auch bei diesem Einsatz. Sobald der diensthabende Drohnenpilot mit der Drohne vor Ort ist, erteilt ihm der Pikettoffizier FWZS den Auftrag, die Drohne über dem Dach einzusetzen.

Kurze Zeit später liefert sie messerscharfe Bilder vom Brandherd, sowohl in hoher Fotoqualität wie auch als Infrarotaufnahme (Wärmebildkamera).

Brandherd
Die Einsatzkräfte inspizieren den Brandherd.

Die Erleichterung ist gross: Dank der Aufnahmen erblicken die Einsatzkräfte den Brandherd. Um die Glutnester zu löschen, müssen die Feuerwehrleute die Metallverkleidung rund um den Lüftungsschacht auftrennen. Doch warum brennt es überhaupt? Eine defekte Heizung kann ausgeschlossen werden, das Gebäude wird mit Fernwärme versorgt. Die Einsatzleiter studieren die Drohnenbilder eingehend und erblicken im Lüftungsschacht ein Ofenrohr. Sofort treffen die Einsatzkräfte weitere Abklärungen: Das Ofenrohr gehört zu einer Pizzeria im Erdgeschoss. Und der Pizzaofen ist immer noch in Betrieb.

Brandherdsuche mit Drohne – bei diesem Ereignis hat sich die Drohne als wichtiges Hilfsmittel für die Bewältigung des Einsatzes erwiesen. Dank der scharfen Aufnahmen wurde der Brand gezielt und letztlich auch rasch und ohne grosse Schäden gelöscht. Gegen 14 Uhr konnten die Mitarbeitenden im betroffenen Gebäude ihren geregelten Tagesbetrieb wieder aufnehmen.

Weitere Informationen