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Pornos auf Smartphones: Zürcher Schüler sollten Fallstricke kennen

Veröffentlicht am Donnerstag, 17. August 2017 um 09.00 Uhr
Von Thomas Schlittler
Mann mit Tablett

«Unwissenheit schützt vor Strafe nicht». Dieses alte Sprichwort gilt besonders im Umgang mit Pornografie auf dem Smartphone. Eine Nachlässigkeit kann bereits strafrechtliche Konsequenzen haben. In Zürich werden deshalb alle Schüler entsprechend aufgeklärt.

In der Stadt Zürich besitzen bereits über 90 Prozent aller Jugendlichen unter 16 Jahren ein Smartphone. Damit haben sie auch uneingeschränkten Zugang zu Millionen von pornografischen Bildern und Filmen im Internet. Die leichte Verfügbarkeit und die Möglichkeit, mit wenigen Klicks derartige nicht jugendfreie Inhalte über Social Media zu teilen, führen immer wieder zu Problemen. Die Zahl der unter 18-Jährigen, die wegen Pornografie verurteilt worden sind, ist laut einem Bericht der «Sonntagszeitung» in den letzten fünf Jahren deutlich angestiegen. Bereits anfangs Jahr hatte die «NZZ am Sonntag» diese Entwicklung mit Zahlen der Jugendanwaltschaften der Kantone Zürich und Aargau belegt.

Flächendeckende Präventionsarbeit

In vielen Fällen geraten die Jugendlichen in die Mühlen der Justiz, weil sie sich kaum Gedanken über die Konsequenzen ihres Handelns machen. Experten reagierten deshalb auf die jüngsten Zahlen mit der Forderung nach mehr Aufklärung an Schulen. Zumindest in Zürich können Jugendliche allerdings kaum behaupten, in der Schule nie etwas über den richtigen Umgang mit Pornografie gehört zu haben. Die Schulinstruktion der Stadtpolizei Zürich betreibt seit vielen Jahren dementsprechende Aufklärungsarbeit. Seit 2015 werden auch sämtliche Schülerinnen und Schüler der 6. Klasse flächendeckend über «Sicherheit im Netz» informiert. Dabei geht es unter anderem um Sexting, Pornografie, illegale Pornografie, Gewaltdarstellungen sowie die besonderen Umstände, die in diesem Zusammenhang für Minderjährige gelten. Die Spezialisten erklären auch explizit, was gesetzlich verboten ist und was nicht.

Um die Thematik bei Bedarf auffrischen zu können, bietet die Kriminalprävention der Stadtpolizei ab dem 10. Schuljahr zudem einen Workshop für Schüler mit dem Titel «Cybercrime» an. Aufgrund der Fragen von Jugendlichen in solchen Workshops zeigt sich oft, dass besonders bezüglich Jugendschutz Wissenslücken bestehen. Zudem ist vielen gar nicht bewusst, dass sie sich je nach Inhalt der Darstellung alleine durch die Tatsache strafbar machen können, dass sie einen verbotenen Inhalt, den sie beispielsweise über Whatsapp erhalten haben, nicht umgehend gelöscht haben (s. unten).

Das sollte man im Umgang mit Pornografie wissen:

  • Sobald jemand einen Pornofilm oder ein Pornobild aus dem Internet herunterlädt (und damit auf einem Smartphone oder Computer speichert), gilt das als herstellen und speichern von Pornografie. Handelt es sich beim Inhalt um verbotene Pornografie, ist das bereits strafbar.

  • Als speichern gilt auch, wenn jemand beispielsweise über Whatsapp pornografisches Material zugeschickt erhält, und dieses nicht umgehend löscht, sondern im Whatsapp-Verlauf belässt.

  • Verbotene Pornografie sind pornografische Darstellungen mit Menschen unter 18 Jahren, mit Tieren und Gewalttätigkeiten unter Erwachsenen.

  • Auch Nackt-Selfies, die unter 18-Jährige von sich selber machen, gelten als verbotene Pornografie. Schicken diese ein entsprechendes Bild oder Video jemandem, machen sie sich gleich zweimal strafbar; 1. für das Herstellen und 2. Für das Weiterleiten von verbotener Pornografie.

  • Einmal veröffentlichte Fotos können nicht mehr vom Internet gelöscht werden. Das Internet vergisst nicht!

  • Das Konsumieren, Besitzen, Zeigen, Herstellen, Speichern, Weiterleiten und Zugänglichmachen von verbotener Pornografie ist immer strafbar.

  • Wer einer Person, die unter 16 Jahre alt ist, legale Pornografie auf einem Smartphone zeigt oder weiterleitet, macht sich strafbar.

  • Als weiterleiten gilt beispielsweise, jemandem Pornografie per Whatsapp, Snapchat, MMS oder Mail zuzusenden.

Die meisten Jugendlichen sind im Umgang mit neuen Technologien zwar sehr flink. Aber: Im Umgang mit pornografischem Material zeigen sich immer wieder gewisse Unsicherheiten.

Folgende Fragen werden von Schülerinnen und Schülern häufig gestellt:

 

Was soll ich machen, wenn ich einen Pornofilm via Whatsapp erhalte?

Am besten das Material umgehend löschen. Falls man sich belästigt fühlt, sollte man sofort Lehrer, Schulsozialarbeiter oder Eltern informieren. In einem solchen Fall sollten die Bilder nicht gelöscht werden. In einer ersten Phase kann im Gespräch mit den Beteiligten und spezialisierten Partnern das Problem angegangen und die Bilder gelöscht werden. Was man sich auch bewusst sein sollte: Sobald die Polizei einbezogen wird, ist eine Anzeige unumgänglich, da es sich um ein Offizialdelikt handelt.

Wie kann ich verhindern, dass mein Smartphone ohne meine Zustimmung verbotene Bildinhalte speichert?

Bei den Einstellungen von Whatsapp kann gewählt werden, ob zugesendete Bilder automatisch auf dem Smartphone gespeichert werden sollen oder nicht. Diese Funktion sollte ausgeschaltet werden. Wenn man unerwünschte Bilder erhält, sollte man diese auch im Chatverlauf löschen. Auch der automatische Chat-Backup muss ausgeschaltet sein, sonst wird dieser in der eigenen iCloud abgespeichert. In einem Strafverfahren kann nämlich auch verbotenes Material im Chatverlauf für die Beteiligten Strafen nach sich ziehen.

Eine 12-Jährige sendet einem 13-Jährigen eine Nacktaufnahme von sich selbst. Dieser leitet das Bild einem Kollegen weiter. Macht sich der Junge strafbar?

Ja. Aber nicht nur er. Die 12-Jährige hat mit dem Nackt-Selfie nämlich Kinderpornografie hergestellt und weitergeleitet. Beides ist verboten. Der 13-Jährige hat das Foto auf seinem Smartphone behalten und damit verbotene Pornografie gespeichert. Er macht sich dafür strafbar und auch dafür, dass er das verbotene Material weitergeleitet hat.

Darf eine Lehrperson oder die Polizei in der Schule mein Smartphone mit dem Verdacht einziehen, dass unerlaubte Bildinhalte darauf gespeichert oder anderen zugesandt wurden?

Ja. Die Lehrperson darf das Smartphone einziehen und die Polizei verständigen. Die Eltern werden informiert und es erfolgt möglicherweise, je nach Inhalt der Bilder, eine Strafanzeige. Die Polizei prüft, was für Bilder verbreitet wurden und wer die Bilder weiterverbreitet hat. Alle diese Prozesse können nachvollzogen werden. Es besteht dann die Möglichkeit, auch diese Personen in das Verfahren einzubeziehen und zu bestrafen. Wenn verbotene Pornografie aufgefunden wird, schreibt das Gesetz den Einzug des Smartphones vor.

Warum mache ich mich strafbar, wenn ich ein pornografisches Bild teile? Schliesslich habe ich das Bild ja nicht hergestellt.

Es gibt mehrere Fälle, in denen man sich durch das Weiterleiten von Pornografie strafbar macht. Wenn das Material - auch wenn es legale Pornografie ist - einer Person gesendet wird, die unter 16-Jahre alt ist oder wenn es sich beim Material um verbotene Pornografie handelt. Bei verbotener Pornografie ist das Weiterleiten in jedem Fall strafbar. Besonders heikel ist das Versenden von Sexting-Bildern, weil die darauf abgebildete Person oft unter 18 Jahre alt ist und es sich somit um verbotene Pornografie handelt.

Ansprechstelle für weitere Fragen

Stadtpolizei Zürich
Prävention
8004 Zürich

Telefon 044 411 74 44 

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