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"Eine flächendeckende Öffnung darf gefordert werden"

Veröffentlicht am Dienstag, 19. Mai 2015 um 10.00 Uhr
Von Reto Wick
Simone Nuber leitet Statistik Stadt Zürich seit Dezember 2011

Frau Nuber, Sie sind Direktorin der Dienstabteilung Statistik Stadt Zürich, der das Open Data Team angeschlossen ist. Wie kam es dazu, dass die Limmatstadt als schweizweit erste Stadt eine eigene Open Government Data Kampagne startete?

Im Rahmen verschiedener Aktivitäten des Legislaturschwerpunkts «eZürich» hatte sich gezeigt, dass Datenbestände der Stadtverwaltung ein grosses Potenzial aufweisen. Ähnlich wie die im Bereich Open Government Data bereits seit längerem engagierten Verwaltungen in den USA und Grossbritannien wollten wir verfügbare Verwaltungsdaten der Öffentlichkeit zur Verfügung stellen und somit eine Sekundärnutzung ermöglichen. 2011 begannen wir mit Vorabklärungen und der Ausarbeitung einer OGD-Policy für die Stadt Zürich. Ein knappes Jahr später konnten wir das erste Open Data Portal der Schweiz lancieren.

Wer nutzt die unter Open Data veröffentlichten Daten denn tatsächlich? Gibt es Rückmeldungen seitens der Bevölkerung zur Verwendung der angebotenen Datensätze?

Die Nutzerinnen und Nutzer, die meist als Community bezeichnet werden, sind vor allem Personen aus den Bereichen Journalismus, IT, Architektur, Planung und Wissenschaft. Diese stehen in engem Austausch mit unserer zentralen Ansprechstelle für Fragen und Anliegen rund ums Thema Open Data. Dadurch erfahren wir beispielsweise, wenn neue Projekte lanciert werden. Auf diesen Austausch sind wir angewiesen, denn streng dem Grundsatz der völligen «Openness» folgend, werden weder die Spuren der Daten verfolgt noch Datennutzende «getracked».

Ihr Team setzt bereits seit über zweieinhalb Jahren Open Government Data in der Stadtverwaltung um. Welche Punkte bergen aus Ihrer Sicht die grössten Chancen und wo sehen Sie Hürden für den Erfolg von OGD?

Noch ist vielerorts eine gewisse Zurückhaltung gegenüber der Öffnung der Datenbestände zu spüren. Der hierfür benötigte Kulturwandel in den Köpfen der verantwortlichen Personen braucht seine Zeit, das ist uns bewusst. Die Stadt Zürich hat sich 2012 klar zu Open Government Data bekannt, womit eine flächendeckende Öffnung rechtlich nicht schützenswerter Daten erwartet, ja gar gefordert werden darf. Als Hürden sehe ich zur Zeit, dass die Verfügbarmachung von offenen Verwaltungsdaten auf der Freiwilligkeit der Datenherren und zum Teil schwerfälligen bürokratischen Prozessen beruht. Dem Thema wird auch nicht überall die gleiche Priorität eingeräumt. Es würde mehr Schwung in die Sache kommen, wenn die Veröffentlichungspflicht per default gälte und es eine Begründung bräuchte, weshalb bestimmte Daten nicht veröffentlicht werden dürfen.

Je flächendeckender Datenbestände geöffnet werden, desto grösser ist die Chance, dass die Zivilgesellschaft Nutzen daraus schöpfen kann. Wenn zusätzlich technische Standards eingehalten würden, wären potenziell Daten von Zürich über New York bis Tokyo in einheitlicher Form verfügbar - und so würde das gesellschaftliche wie wirtschaftliche Potenzial von offenen Daten auch real.

Auf Bundesebene sind intensive Bestrebungen in Gang, das Thema Open Government Data gesetzlich zu verankern. Auch der Kanton Zürich unternimmt seit geraumer Zeit Anstrengungen im Bereich OGD. Wie gestaltet sich die Koordination der OGD-Aktivitäten mit diesen Akteuren?

Der Kanton Zürich hat sich an das Pilotportal und den Datenkatalog des Bundes angeschlossen, was mit Blick auf die Zukunft ein richtungsweisender Ansatz darstellt. Open Data Zürich hat ein eigenes Portal schon vor dem Bund lanciert und wird den städtischen Datenkatalog zu einem späteren Zeitpunkt ebenfalls an das Bundesportal anschliessen.

Die Zusammenarbeit mit den genannten Akteuren aller Ebenen wird intensiv geführt. Auf Bundesebene sind die Stadt wie der Kanton in einem Ausschuss vertreten, und seit 2015 haben wir auch ein neues städtisches Gremium, in welchem sich Schlüsselpersonen aus Stadt und Kanton eng austauschen. Dieser Erfahrungsaustausch macht nicht nur organisatorisch Sinn, sondern auch aus praktischer Sicht: Schliesslich machen Messgrössen und Werte weder an Gemeinde- noch Kantonsgrenzen Halt.

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