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National Election Hackdays – Eindrücke eines «Hackday-Neulings»

Veröffentlicht am Mittwoch, 9. September 2015 um 16.22 Uhr
Von Christian Gschwendt
Christian Gschwendt, Praktikant bei Statistik Stadt Zürich (Quelle: @NZZStorytelling)

Ich sitze mit etwa 40 Leuten und ebenso vielen Laptops in einem modernen Konferenzsaal. Apple-Logos halten sich mit anderen Marken auf den Deckeln die Waage. Ein erster Redner bedankt sich für Kafi und Gipfeli und das Zusammenkommen von so viel Talent, so viel Knowledge. Seine Botschaft ist einfach. Egal was wir in den nächsten zwei Tagen fertigbringen: Raus damit aufs Netz, an die digitale Öffentlichkeit und in die Medien. Hauptsache es dient dem besseren Verständnis des Themas. Es ist Freitagmorgen, gut sechs Wochen bleiben noch. Ich sitze bei der «Neuen Zürcher Zeitung» gleich beim Sechseläutenplatz in Zürich. Dank meiner Kollegen von Open Data Zürich. Das Thema: die eidgenössischen Wahlen 2015. Ich bin an den National Election Hackdays.

Die Hacker

Die Namensgebung des Events mag aufhorchen lassen. Hacken? Bin ich ein Hacker? Ein computerversierter Nerd, getrieben von Neugier, Langweile, politischen oder gar monetären Motiven? Dringe ich in fremde Netzwerke ein und nütze Schwachstellen aus (und trage dabei gemäss diverser Stock-Fotos meist eine schwarze Skimütze)? Nein. Trotzdem bin ich hier. An diesen Hackdays ist das Ziel nämlich ein anderes: Noch gering genutzte politische Daten zu erschliessen und sie interessierten Bürgerinnen und Bürgern  zur Verfügung zu stellen. Als Hilfe bei der Ausübung ihrer politischen Rechte. Und da wollte ich als politisch interessierter Bürger und datenauswertender Praktikant bei Statistik Stadt Zürich dabei sein.

Erwartungsgemäss offenbaren sich die anwesenden «Hacker» dann vor allem als Journalisten, Statistiker, Politologen und Programmierer; einige mir bekannt aus Fernsehen oder Zeitung. Ein idealer Networking-Anlass eigentlich. Doch zu meiner Erleichterung erweisen sich diese Hackdays nicht als Anlass forcierten, wiederkehrenden Small Talks. Der Fokus ist klar: Daten und die darin verborgene Information.

Vom Post-It zum Projekt

Nach mehreren kurzen Vorstellungen offener Datensätze und anregender bisheriger Arbeiten geht’s dann auch los. Wie ich bald merke, bin ich nicht der einzige Hackdays-Frischling; der Startschuss sorgt erstmal für viel unsicheres Umsichschauen und vorsichtiges Plaudern zwischen den Teilnehmern. Und Teilnehmerinnen! Immerhin fünf an der Zahl. Bald aber hängen die ersten Post-Its an einem Flipchart und es zeigt sich: Die Ideen sind zahlreich.

Es bilden sich Gruppen, die eine Idee zusammen weiterdenken und verwirklichen wollen. Ich lande in einer neunköpfigen Truppe. Wir planen eine Visualisierung von Szenarien: Was wäre, wenn nur Frauen oder nur Pensionierte wählen würden? Schon ziemlich bald erweisen sich gewisse Mitglieder als enthusiastischer und verbal prädominanter als andere. Die Gruppe verkleinert sich relativ rasch auf vier Personen. Einige verabschieden sich, andere widmen sich Einblicken in andere Projekte. So auch ich.

Die Datenauswertung mithilfe unterschiedlichster Programme beginnt. Selbst kein Anfänger in statistischer Datenauswertung, erfüllt mich der weithin spielerische Umgang mit Daten, Scripting und Designing doch ein wenig mit Ehrfurcht.

In den nächsten Stunden nimmt die Zahl der Anwesenden langsam ab und es wird ruhiger. Die Zurückgebliebenen verharren fokussiert vor ihren Bildschirmen. Einzig Raucher wie ich frönen ab und zu ihrem Laster draussen vor dem NZZ-Gebäude und sorgen für verwunderte Blicke bei den vorbeieilenden, standesgemäss schick angezogenen Passanten im Seefeld. Sie sind eben vielleicht doch etwas anders, diese Hacker. 

Relevanz und Innovation

So geht die Arbeit – bald mit einem kühlen Bier neben dem Notebook – bis spät in die Nacht hinein weiter und wird am nächsten Vormittag fortgeführt. Die Atmosphäre bleibt weiterhin ruhig. Ein paar Witze über die Gratiszeitung «20 Minuten» da, ein paar geteilte Gedanken über den Fortschritt der Open-Data-Bewegung dort.

Zum Schluss dann die Präsentation der erarbeiteten Projekte. Die Resultate bieten neue Eindrücke über das Wahlverhalten nach Alter und Geschlecht oder Einkommen und Vermögen. Andere Projekte wollen Transparenz bezüglich der Listenverbindungen und Interessenbindungen oder der Einhaltung der Wahlversprechen der gewählten Parlamentarier schaffen. 

3 von insgesamt 11 erarbeiteten Prototypen

Wollen, weil die Projekte zu diesem Zeitpunkt noch in den Kinderschuhen stecken, aber schon bald weitergeführt werden sollen. Ob abge-schlossen oder nicht: Was in den knapp zwei Tagen erarbeitet wurde, verfügt über teils hohe demokratiepolitische Relevanz und ist auch bezüglich Innovation beeindruckend

Während sich der Hackroom mit Blick aufs Opernhaus Zürich langsam leert, stelle ich fest: Das Potential der Hackdays als Kick-Off-Event für innovative Ideen überzeugt. Bleibt nur zu hoffen, dass die Ideators, Designers und Developers an ihren Projekten dranbleiben und dem Appell des Eröffnungsredners folgen – «Raus damit!» – sodass hoffentlich schon bald mehr darüber im Netz und auf Papier zu sehen ist. Ich werde mich jedenfalls auf dem Laufenden halten.

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